Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Diese Handwerkskunst in Cala Ratjada begeistert Mallorquiner und Urlauber

Palmflechterin Yolanda Izquierdo haucht der alten Llatra-Tradition in ihrem Laden in Cala Ratjada mit Kreativität neues Leben ein. Mallorquiner und Urlauber sind davon ebenso angetan wie der Inselrat

Yolanda Izquierdo beim Palmfelchten in ihrem Laden in Cala Ratjada

Yolanda Izquierdo beim Palmfelchten in ihrem Laden in Cala Ratjada / Sophie Mono

Sophie Mono

Sophie Mono

Feine Flechtreihen schmiegen sich aneinander, gleichmäßig, filigran. Mal in geraden Bahnen angeordnet, mal spiralförmig. Darauf gestickt sind zarte Blütenmuster, geformt aus denselben, hellbeigen Palmzweigen. Jeden Zentimeter der Taschen, die vor Yolanda Izquierdo auf dem Tisch ausgebreitet sind, hat sie selbst gemacht. Wie viele Arbeitsstunden sie das gekostet hat? „Keine Ahnung. Deshalb weiß ich auch nicht, wie viel ich dafür verlangen soll. Viel“, sagt Yolanda Izquierdo und lacht ihr sympathisches Lachen.

Alles selbstgemacht

Sie hat es nicht verlernt, seit die MZ sie vor drei Jahren in ihrem Laden in Cala Ratjada besucht hat. Und doch hat sich seitdem vieles verändert. Damals war die Palmflechterin noch froh, das Traditionsgeschäft „Argos ca’s Sabater“, in dem ihr Mann einen Schuster- und Reparaturbetrieb hat und sie sich dem sogenannen Llatra-Flechten widmet, irgendwie über die Pandemie gerettet zu haben. Mittlerweile wird sie immer bekannter – und hat nun kaum eine ruhige Minute.

Der Korb "Cesta Barbara" wurde als Vorzeigestück der Premium-Kollektion "Despertar al Llevant" in Palma prämiert

Der Korb "Cesta Barbara" wurde als Vorzeigestück der Premium-Kollektion "Despertar al Llevant" in Palma prämiert / privat

„Welch ein Stress“, sagt Izquierdo immer wieder und summt wie eine emsige Biene durch das Ladenlokal gegenüber der Kirche. Dabei dauert es noch eine gute halbe Stunde, bis die Ladentür für Kunden geöffnet wird. Aber was sind schon Ladenöffnungszeiten, wenn man, wie Izquierdo, alles selbst macht? Im Sommer macht sie sich an den Wochenenden mit einer offiziellen Genehmigung im Naturschutzgebiet Llevant auf die Suche nach den Zwergpalmen-Blättern, trocknet sie dann auf ihrer Terrasse, bearbeitet sie, schneidet sie zu, färbt sie zum Teil. Ganz so, wie es früher in der Region um Capdepera und Artà weit verbreitet war. Abends sitzt sie oft bis spät an neuen Entwürfen, bereitet ihre Flechtworkshops vor – oder werkelt an ihrer Premium-Kollektion „Despertar al Llevant“.

Berlin und Mailand

„Bald kommen die vom Inselrat hierher und machen Shootings, mit Profifotografen und Models und was weiß ich. Damit kenne ich mich gar nicht aus“, sagt sie. Die 46-Jährige strahlt stolz, wenn sie erzählt, wie sie im vergangenen Dezember feierlich in Palmas Misericòrdia auf die Bühne geholt wurde. Als eine von rund einem Dutzend Kunsthandwerkern der Insel ist sie auserkoren worden, Teil der neuen Marke „Moda Artesana de Mallorca“ zu werden. Ein Label, das der Inselrat als Aushängeschild für authentisches Traditionshandwerk vermarkten will.

Bezeichnend für Izquierdos Kollektion sind die Blumenmuster und die Dreiecks-Flechtformen. „Die gibt es so nirgendwo anders.“ Mittlerweile sind ihre Unikate bereits mit dem Inselrat nach Berlin gereist, wo sie während der Tourismusbörse ITB im KaDeWe vorgeführt wurden. Auch in Mailand sollen sie bald das Traditionshandwerk der Insel repräsentieren. Die große Vorstellung der Kampagne auf der Insel ist im Juli in Palmas Teatre Principal geplant.

Immer mehr Rummel

Der Rummel hat Izquierdos Arbeitsalltag verändert – nicht zuletzt, weil auch das Fernsehen 2024 mehrmals bei ihr war. „Und dann wurde ich im August auch noch zur Verkünderin der Dorffeiern auserwählt. Das bedeutet mir viel“, so die Mallorquinerin. Ebenso wie eine weitere Auszeichnung des Inselrats, diesmal nicht für ihre Eigenmarke „Yolitas“, sondern für den gesamten Laden. Er darf sich seit Oktober offiziell „comerç emblemàtic“ nennen. „Das Beste daran ist, dass meine Tochter das Siegel entgegengenommen hat. Dass sie sich entschieden hat, bei uns einzusteigen, ist für mich das Größte.“

Eine helfende Hand beim Palmflechten wird die 20-Jährige Sara allerdings nicht sein. „Da mische ich mich nicht ein, das kann niemand so gut wie meine Mutter“, sagt die Tochter. Stattdessen hat sie mit ihrem Vater eine Sandale entworfen, die ab Mai im Laden zu haben sein soll. Eine weitere Verkaufsmöglichkeit neben der Flechtware und den typischen Abarcas-Schuhen, die bisher die Regale füllen.

Jedermanns Geschmack

In ihrem Laden bietet Yolanda Izquierdo Flechtware verschiedener Preiskategorien an

In ihrem Laden bietet Yolanda Izquierdo Flechtware verschiedener Preiskategorien an / Sophie Mono

Schwer zu sagen, wer mehr vor kreativen Ideen übersprudelt, wenn man Mutter und Tochter nebeneinander sieht. Denn so sehr die viele Arbeit Yolanda Izquierdo auch umtreiben mag: Es ist offensichtlich, dass sie sie auch genießt. Immer wieder willigt sie ein, wenn sich neue Möglichkeiten eröffnen, um das alte Handwerk möglichst vielen Menschen nahezubringen. Seit vergangenem Jahr gibt sie Flechtkurse in Hotels und Abendschulen. Auf Messen und Ausstellungen ist sie ebenfalls gefragt. Egal ob Urmallorquiner, ausländische Residenten oder Urlauber – ihre Flechtware scheint allen zu gefallen. „Das ist Wahnsinn, wenn mir das jemand vor einem Jahr gesagt hätte, ich hätte es nicht geglaubt“, sagt Izquierdo. Nur die Änderungsschneiderarbeiten, die sie einst im Laden anbot, hat sie reduziert. „Irgendwo muss ich die Zeit ja hernehmen.“

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents