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Mallorcas Tattoo-Studios verraten: Diese Motive sind jetzt besonders gefragt

Palmen, Blumen, Geishas:Tätowierer auf Mallorca erzählen, welche Motive jetzt besonders gefragt sind

Ein typisches Urlaubstattoo auf Mallorca.

Ein typisches Urlaubstattoo auf Mallorca. / Kratos Tattoo Palma

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Sarah López

Sarah López

Eigentlich ist es viel zu heiß, um sich mit einer Nadel Tinte in den Arm stechen zu lassen. Doch Kay steht der Sinn nach einem neuen Tattoo. Der US-Amerikaner, der derzeit auf Mallorca lebt, hat sich in einem Studio im Zentrum von Palma ein ungewöhnliches Motiv ausgesucht: ein Eis in der Waffel. Die Linien der Waffel sollen an die Straßenstruktur Barcelonas aus der Vogelperspektive erinnern. Stechen wird das Motiv Stephen Hibbs vom Studio Old Town Tattoos. Er ist einer von vielen Tätowierern auf Mallorca, die täglich erleben, welche Motive gerade gefragt sind und welche Trends sich durchsetzen.

Das sind die Trends

Wie der Name Mallorca Tattoo Fineline bereits verrät: Das Studio in der Nähe der Plaça d’Espanya tätowiert fast ausschließlich mit sehr dünnen Linien und einfachen Designs, die derzeit sehr im Trend sind. Besonders beliebt sei der Mikrorealismus, sagt Tätowierer Alex Muñoz: kleine Motive, die klar eine Zeichnung seien und kein reales Abbild. Vor allem Naturmotive seien gefragt, besonders bei weiblichen Kunden, die mittlerweile bei zwei der drei Tattoo-Artists den Großteil der Kundschaft ausmachten. Wie auch viele Männer wünschen sie sich, nach und nach einen Teil des Körpers mit kleinen Verzierungen zu schmücken. „Tätowierungen, an denen Jahre gearbeitet wird, das kommt heute nur noch selten vor“, sagt Muñoz.

Viele kleine Tattoos sind im Moment ein Trend.

Viele kleine Tattoos sind im Moment im Trend. / Mallorca Tattoo Fineline

Für Stephen Hibbs spiegelt dieser Fineline-Trend sehr gut die Gen Z wider: „Schnelle Gratifikation und muss nicht langlebig sein“, sagt er. Heute könnten Tattoos ja weggelasert werden oder man lasse sich etwas darüberstechen.

Auch wenn Fineline-Tattoo den größten Anteil der Wünsche ausmachten, hat Hibbs auch viele Kunden, die sich für Old-School-Tattoos interessierten: Sie seien meistens zwischen 35 und 65 Jahre alt, Ausländer, manche kämen konkret für ein Tattoo nach Mallorca – sogar aus den USA. Diese Kunden interessierten sich vor allem für zwei Stile: American Traditional mit dicken Linien und Seemannsmotive wie Herzen mit Bannern oder Meerjungfrauen. „Als vergangenes Jahr der Flugzeugträger ,USS Gerald R. Ford‘ vor Palma lag, habe ich in wenigen Tagen mehr verdient als sonst in mehreren Monaten“, sagt der US-Amerikaner.

Auch Boote, Meerjungfrauen und Co. sind als Motiv weiterhin beliebt.

Auch Boote, Meerjungfrauen und Co. sind als Motiv weiterhin beliebt. / Old Town Tattoo

Auch der japanische Tattoo-Stil sei bei ihm weiter gefragt: sehr detailreich und stark von traditionellen Motiven geprägt, etwa Drachen, Koi-Karpfen, Tiger oder Kirschblüten.

Beim japanischem Stil kommen Motive wie Drachen, Geishas oder Ähnliches auf die Haut.

Beim japanischem Stil kommen Motive wie Drachen, Geishas oder Ähnliches auf die Haut. / Old Town Tattoo

Farbe kein Ding mehr

Beide Stile sind traditionell oft bunt, doch Hibbs wendet in Palma keine Farbe an: „Kein Land in der EU ist so restriktiv wie Spanien“, sagt der US-Amerikaner. Bis heute sei noch keine Farbtinte zugelassen, Tätowierungen mit Farbe seien eigentlich verboten – obwohl sich nicht jeder daran halte.

Auch Alex Muñoz merkt an, dass Farben mittlerweile weniger gefragt sind. „Die Menschen schrecken davor zurück, da einige Farben viele Schadstoffe enthalten.“ Seine Kunden suchten oft die nachhaltigste Alternative. Auch ob die Tinte vegan sei, werde häufig gefragt. „Keiner möchte Schadstoffe unter der Haut tragen“, sagt der 38-Jährige.

Platzierung am Körper

„Vor allem hinter den Ohren sind viele Tattoos gefragt“, sagt Muñoz. Auch an Händen oder Füßen lassen sich immer mehr Menschen stechen. Hibbs sieht einen Trend, sich an sehr sichtbaren Stellen tätowieren zu lassen: im Gesicht oder am Hals. Als er sich in den 90ern als Tätowierer ein Gesichtstattoo stechen lassen wollte, habe er keinen Tätowierer gefunden, der dazu bereit gewesen wäre.

Hinter den Ohren stechen sich mittlerweile einige Tattoos.

Hinter den Ohren stechen sich mittlerweile einige Tattoos. / Mallorca Tattoo Fineline

Auch Martín Danree, Inhaber von vier Studios auf der Insel, beobachtet immer mehr Tattoos im Gesicht. Vor allem sehr junge Kunden zwischen 18 und 25 Jahren würden sich an dieser bis vor Kurzem noch sehr seltenen Stelle stechen lassen.

Was sich Urlauber wünschen

Zwei der Kratos Tattoo Palma Studios von Danree befinden sich in Urlauberhochburgen: an der Playa de Palma und in Magaluf. Dort seien seine Kunden vor allem Touristen. Einige ließen sich seit Jahren im Urlaub ein Tattoo stechen und vereinbarten für die nächste Reise schon Monate im Voraus einen Termin. Vor allem unter seinen deutschen Kunden sei der Preis ein Grund. Auf Mallorca kosten Tattoos weniger als die Hälfte. In Deutschland zahlt man rund 1.500 Euro für die Innenseite des Unterarms, hier sind es etwa 600 Euro. Hinzu kämen in Deutschland oft lange Wartelisten, sagt Danree.

Seine Laufkundschaft in den Urlauberhochburgen sei vor allem auf der Suche nach einfachen Urlaubsdesigns: Wellen, Palmen, ein Souvenir auf der Haut.

Immer öfter lassen sich Menschen Tattoos an sehr sichtbare Stellen stechen.

Immer öfter lassen sich Menschen Tattoos an sehr sichtbare Stellen stechen. / Kratos Tattoo Palma

Anders als die beiden anderen Tätowierer, die ihren Kunden kaum einen Wunsch abschlagen, müsse er manchmal Grenzen setzen, sagt der 43-Jährige. Sie tauchten in Grüppchen und alkoholisiert auf, mit Wünschen, die sie später bereuen würden: etwa den Namen der Mutter eines Freundes auf dem Gesäß. „Ich empfehle ihnen dann, am letzten Tag der Reise zurückzukommen“, sagt er.

KI macht die Arbeit leichter

Kay im Old Town Tattoos hat mit KI einen Vorschlag erstellen lassen. Das wird Hibbs die Arbeit erleichtern, da er das Tattoo nicht selbst zeichnen muss. Auch Muñoz arbeitet mit KI. Wenn Kunden das Studio über Instagram anschreiben, könnten sie mithilfe der KI von Meta ihre Tattoo-Vorstellung schildern und sich Bilder erstellen lassen. „Oft finden die Menschen auf Inspirationsseiten wie Pinterest nicht genau das, was sie wollen – die KI trifft meist ins Schwarze“, sagt der 32-Jährige.

Danree hingegen ist von dem Hilfswerkzeug nicht so begeistert. Die KI mache Fehler: Hände mit sechs Fingern, Tiere mit zu vielen Zähnen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Kunst des Zeichnens verloren gehe. „Um ein guter Tätowierer zu sein, musst du zeichnen können“, sagt Danree. Wer nur KI-Vorlagen kopiere, entwickle sich als Künstler nicht weiter. „Dann ist man nur jemand, der bestimmte Techniken ausführt, aber nichts von seiner Kreativität beiträgt“, sagt der Uruguayer.

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