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„Dahinter steckt Scham“: Warum viele Spanier auf Mallorca Secondhand lieber heimlich kaufen

Gebrauchte Ware ist günstig und nachhaltig. Trotzdem tun sich viele Menschen auf der Insel noch schwer damit, auf Secondhand zu setzen - zumindest, wenn sie dabei "erwischt" werden können

Steffi Eichhorn ist zum Saisonbeginn mit ihrem Secondhand-Geschäft in Cala Ratjada in ein größeres Ladenlokal umgezogen

Steffi Eichhorn ist zum Saisonbeginn mit ihrem Secondhand-Geschäft in Cala Ratjada in ein größeres Ladenlokal umgezogen / Sophie Mono

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Sophie Mono

Sophie Mono

Secondhand, das ist alt, verstaubt und verpönt. Noch immer herrscht dieses Vorurteil bei vielen Spaniern vor. Während es in Deutschland mehr und mehr als hip gilt, gebrauchte Kleidung zu tragen und die Nachhaltigkeit zu zelebrieren, tun sich in Spanien viele Menschen noch immer schwer damit, auf segunda mano zu setzen. Warum eigentlich?

"Viele tun sich schwer"

In Steffi Eichhorns Ladenlokal „Steffi’s Segunda Mano“ hängt der Geruch von Waschmittel in der Luft. Fast demonstrativ, um zu zeigen: Hier ist nichts oll und muffig. Reihe um Reihe gut geordneter Kleidungsstücke füllen den Verkaufsraum. „Manche Kunden merken erst spät, dass es sich um einen Secondhandladen handelt. Und einige gehen dann schnell wieder raus“, berichtet die Berlinerin. Es ist bereits ihre vierte Saison in Cala Ratjada, vor Kurzem zog sie von einem Ladenlokal am Carrer de l’Agulla in ein anderes, ein paar Hundert Meter weiter die Einkaufsstraße hoch. Etwas größer, etwas schöner. „Und mit eigener Terrasse.“

Gebraucht ist nicht gleich oll - das zeigt sich auch in "Steffi's Segunda Mano" in Cala Ratjada

Gebraucht ist nicht gleich oll - das zeigt sich auch in "Steffi's Segunda Mano" in Cala Ratjada / Sophie Mono

Ja, sie könne die hohen Mietkosten mit ihren Verkäufen decken. So grade. „Viel bleibt nicht übrig. Es ist auch nach mehreren Jahren schwer“, berichtet die 39-jährige Dreifachmutter. Im Sommer, da gebe es Laufkundschaft. Vor allem Urlauber und Teilzeitresidenten. Im Winter dagegen ist sie mit ihrem Geschäft eines der wenigen in der Straße, das überhaupt aufhat – und neben deutschstämmigen Einwohnern auch auf spanische Kunden angewiesen. „Es gibt schon ein paar Mallorquinerinnen, die regelmäßig kaufen. Aber viele tun sich mit Secondhand immer noch schwer, vor allem die Jüngeren“, berichtet Eichhorn – und korrigiert sich selbst: „Bei Vinted und auf anderen Internetplattformen kaufen sie sehr wohl gebrauchte Ware. Aber hier im Laden, wo jeder sehen kann, dass sie auf Secondhand setzen, haben sie Hemmungen.“

Lieber im Internet

Diese Erfahrung macht auch Eulalia Gelabert. Die 37-jährige Mallorquinerin betrieb selbst ein Secondhandgeschäft in Porto Cristo und sucht derzeit nach einem neuen Ladenlokal im Küstenort. Bis dahin versucht sie, ihre Ware vor allem auf Flohmärkten zu verkaufen. Viele Insulaner besuchten die aber nur zum Flanieren. „Teilweise ist es absurd: Viele Spanierinnen bringen mir gebrauchte Kleidung, weigern sich aber, etwas von mir zu kaufen. Stattdessen shoppen sie auf Secondhand-Plattformen im Internet, wo sie nichts anprobieren können und auch noch Porto draufzahlen müssen.“

Auch Schnäppchenjäger werden in Secondhand-Läden fündig

Auch Schnäppchenjäger werden in Secondhand-Läden fündig / Sophie Mono

Auch Gelabert glaubt, dass vor allem Scham dahintersteckt. „Es ist eine Mentalitätssache. Statt offen zu zeigen, dass sie gebrauchte Kleidung tragen, halten sie nach außen hin lieber das Bild aufrecht, sich Neues leisten zu können.“ Viele ihrer Landsleute wollten sich dadurch profi-lieren, besonders bei Kleidung für ihre Erstgeborenen. Gedanken an Nachhaltigkeit machten sich viele kaum. Trotzdem, da sind sich Eulalia Gelabert und Steffi Eichhorn einig, habe Secondhand Potenzial auf der Insel. Jahr für Jahr gewännen sie ein paar spanische Kunden hinzu. Vor allem Frauen, die merken, dass die angebotene Ware gut ist. Für die Umwelt, den Geldbeutel und auch für ihre Kinder. „Besser als Billigware aus China allemal.“

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