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Außergewöhnliches Urlaubs-Souvenir und Push für die Selbstliebe: Diese personalisierten Kunstwerke sind Trend in Cala Ratjada

Der Mallorca-Auswanderer Daniel Hamilton blickt tief: Mit spezieller Ausrüstung fotografiert er die Iris seiner Kunden – und gibt ihnen damit oft mehr als nur eine schöne Erinnerung zum Aufhängen

Kreative Iris-Fotografie - wie ein Tor zum Universum

Kreative Iris-Fotografie - wie ein Tor zum Universum / Daniel Hamilton

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Sophie Mono

Sophie Mono

Ein schwarzes Loch. Drum herum ein breiter Ring aus Farbe. Helle Fäden, dunklere Punkte, uneben und strahlend zugleich. „Wie ein Tor zum Universum, oder?“, fragt Daniel Hamilton. Ja, die Beschreibung passt. Und je länger man hinsieht, desto unergründlicher erscheint es, jenes Kunstwerk, das er auf dem Handy zeigt. Dabei ist da eigentlich nur das Foto eines Auges zu sehen. Einer Iris besser gesagt. Jener feinen Regenbogenhaut, die – je nach Verteilung des Farbstoffs Melanin – bei jedem Menschen eine andere Farbe hat.

Für Daniel Hamilton ist es weit mehr. Seit rund vier Jahren widmet sich der gebürtige Pole schottischer Abstammung auf Mallorca der Mikrofotografie der menschlichen Iris. Ohne festes Studio, dafür mit einer mobilen Spezialausrüstung und ganz viel Herz. Zweimal pro Woche hat er unter dem Label „Iris and Soul Mallorca“ einen Stand auf dem Abendmarkt in Port d’Alcúdia, dreimal in Cala Ratjada. „Ich versuche mit meiner Kunst, die einzigartige Schönheit eines jeden von uns aufzuzeigen und den Kunden zu mehr Selbstliebe zu verhelfen“, sagt Hamilton.

Push für die Selbstliebe?

Überhaupt sagt der 49-Jährige vieles, was erst einmal blumig und teilweise auch esoterisch klingt. Dass er aus den Augen auch astrologische Informationen gewinnen kann, beispielsweise. Macht aber nichts. Auch wer einfach nur ein schönes Erinnerungsfoto seines Auges haben möchte, ist bei ihm richtig.

Daniel Hamilton ist gebürtiger Pole und lebt seit mehreren Jahren auf Mallorca

Daniel Hamilton ist gebürtiger Pole und lebt seit mehreren Jahren auf Mallorca / Sophie Mono

„Die Kunden kriegen bei mir mehr oder weniger für ihr Geld, je nachdem, wie sehr sie sich öffnen“, erklärt Hamilton. Für 35 Euro zum Beispiel die leicht bearbeitete Fotografie ihrer Iris in HD-Qualität. Ausdruck, Rahmen oder die Einarbeitung in Accessoires wie Armbänder oder Ketten kosten extra. Ob auch ein kleiner Push für die Selbstliebe inklusive ist, hänge davon ab, wie sehr sich die Fotografierten auf Hamiltons Versuch einlassen, das Ganze ganzheitlich zu gestalten. „Eine Kundin weinte nach dem Shooting vor Freude, weil sie es erstmals geschafft hat, ihre eigene Schönheit zu sehen“, so Hamilton. Einer seiner größten Erfolge. Das Gros bleibe weit nüchterner.

Doch die Idee, mit ihrer Iris ein ganz persönliches Kunstwerk zu schaffen, begeistere viele Menschen. „Vor allem Urlauber. Sie nehmen es als Erinnerung mit.“ Paare ließen ihre Regenbogenhäute nebeneinander auf die Kunstwerke bringen, auch Familien- oder Freundschaftsshootings bietet Hamilton an. Je nachdem, was die Kunden wünschen, verfremdet er die Aufnahme bei der Computerbearbeitung mehr oder weniger, fügt Elemente wie Sterne, Musiknoten oder Flammen hinzu – oder eben nicht. „Mein jüngster Kunde war ein sechs Wochen altes Baby.“

Zu verkopft

Wie lange er für die perfekte Aufnahme braucht, variiere. „Auch da: Je mehr die Menschen sich auf das Foto und sich selbst einlassen, desto einfacher machen sie es mir. Ich versuche immer, ein fröhliches Auge einzufangen.“ Kinder seien meist offener. „Sie sind stolz auf ihre Augen und freuen sich darauf, ein Bild davon zu haben, während Erwachsene manchmal zu verkopft oder selbstkritisch sind.“ Irgendwie komme er aber fast immer zu einem Ergebnis. Meist könne der Auftraggeber das Werk nach einer Stunde in Empfang nehmen. Für Hamilton jedes Mal ein guter Moment.

Der Mallorca-Auswanderer, der viel redet, aber nur wenig Spanisch kann, ist ein komischer und zugleich liebenswert erscheinender Kauz. Ein Tausendsassa, der schon viel von der Welt gesehen und noch mehr ausprobiert hat. „Mit 16 wäre ich fast Mönch geworden, in Bangkok, wo ich Thai-Massagen lernte.“ Auch Ballett tanzte er jahrelang, entschied sich dann aber doch für eine handfestere Ausbildung zum Physiotherapeuten und zum Sportlehrer. Er nahm an Massagewettbewerben in Japan und Korea teil, arbeitete in London mit Ärzten zusammen, die anhand von Augenanalysen neurologische Probleme feststellten. Seine erste professionelle Begegnung mit der Iris – eine wissenschaftliche.

Komplexe Muster

Je nach Geschmack der Kuden fügt Daniel Hamilton auch grafische Elemente hinzu

Je nach Geschmack der Kuden fügt Daniel Hamilton auch grafische Elemente hinzu / Daniel Hamilton

Seitdem fasziniert ihn das Sehorgan umso mehr, auch auf philosophischer Ebene. „Unsere Augen sind für jeden sichtbar, dort schauen wir zuerst hinein, wenn wir jemandem begegnen. Gleichzeitig sind sie etwas sehr Privates. Sie projizieren unser Innenleben.“

Ganz zu schweigen von den unverwechselbaren Eigenschaften der Regenbogenhaut. Ihr Muster ist extrem komplex und bleibt ein Leben lang unverändert – anders als die Augenfarbe. Selbst zwischen dem linken und rechten Auge derselben Person ist es völlig unterschiedlich. Verständlich, dass einige Kunden Bedenken wegen des Datenschutzes haben. Unbegründet, wiegelt der Pole ab. „Ich lösche die Rohdateien der Fotos immer direkt auf der Kamera. Das Einzige, was ich speichere, sind die bearbeiteten Kunstwerke.“ Und auch die hüte er gut. „Denn jedes davon ist wunderschön. Weil jedes Auge seine Schönheit hat.“

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