Familiensaga auf dem Weingut

Reichlich historischen Lesestoff keinesfalls nur für Weinliebhaber bieten Elke Becker und Ute Köhler. Unter dem Pseudonym „Carmen Bellmonte“ hat das Autorinnen-Duo eine Mallorca-Saga geschrieben, die vier Bände umfassen soll. Bisher ist davon nur der erste 560 Seiten starke Band „Zeiten des Wandels“ im Handel erhältlich. Die anderen drei werden nach und nach veröffentlicht.

Der Roman beginnt im Jahr 1913 und erzählt die Geschichte der Winzerfamilie Delgado. Sie führt ein kleines Weingut am Fuße der Tramuntana. Als die Konkurrenz vom Festland zunehmend stärker wird, bricht die Weinwirtschaft auf der Insel ein. Um das Lebensprojekt ihrer Eltern zu retten, müssen die Kinder der Delgados rasch handeln: Antonia und ihr Verlobter Mateo gehen nach Kuba, wo sie die Familie mit einem neuen Weingut unterstützen wollen. Carla sucht sich einen neuen Job auf der heimatlichen Insel.

Und Leo schlägt seinen ganz eigenen, nicht immer legalen Weg ein. Der führt ihn jedoch zunehmend von seiner Familie weg. Erst im Laufe der vier Bücher erfährt der Leser, ob die Delgados die Krise überstehen werden und welchen Preis jedes einzelne der Familienmitglieder dafür zahlen muss. Für die Recherche unterhielten sich die Autorinnen unter anderem ausführlich mit Lokalhistorikern, etwa einem aus Sencelles. „Wir waren auch viel im Stadtarchiv in Palma, haben alte Zeitungen gelesen, etwa um herauszufinden, was bestimmte Produkte damals gekostet haben, wie die Mode war und was die Menschen sonst beschäftigt hat“, erzählt Elke Becker.

Neben Sencelles, Inca, Binissalem und Palma spielt ein Teil der Handlung auch auf Kuba. „Viele wissen nicht, dass einige Mallorquiner, als die Insel schwere Zeiten durchmachte, nach Kuba oder Südamerika ausgewandert sind. Daher wollten wir das Thema auch aufgreifen“, so die Ulmerin, die seit 2005 auf Mallorca lebt und auf Kuba viele Kontakte hat. Die konnten ihr etwa über das historische Museum in Havanna hilfreiche Informationen zukommen lassen. Die Reise in die Vergangenheit in Kombination mit dem nicht zu verachtenden Thema Wein sind definitiv ein Alleinstellungsmerkmal der Reihe.

11 Euro (Taschenbuch)/9,99 Euro (Kindle), 560 Seiten, Heyne, u. a. bei der deutschen Buchhandlung Akzent in Palma, zweiter, dritter und vierter Band: 8.8.2022, 8.2.2023, 8.8.2023

"Zeiten des Wandels". Verlag

Instagram hat schon so manchen umgebracht

Wie gefährlich die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken insbesondere für Jugendliche ist, die kein gutes Selbstbewusstsein haben – auch davon handelt der dritte Band der Krimireihe von Lucia de la Vega rund um ein weibliches Ermittlerduo. „Das Angewiesensein auf die Bestätigung anderer kann großen Schaden anrichten, der bis hin zum Tod reicht“, so die Autorin. Hinter dem Pseudonym steckt die ehemalige MZ-Redakteurin Lisa Herding, die seit ihrer frühen Kindheit auf Mallorca lebt. Nach zwei erfolgreichen Krimis („Comisaria Fiol und der Tod im Tramuntana-Gebirge“ und „Comisaria Fiol und der Tote auf der Hochzeit“) ist Anfang Februar nun „Comisaria Fiol und der Tod im Netz“ erschienen. Die ersten beiden Romane gelesen zu haben hilft beim Verständnis, ist aber kein Muss.

Dieses Mal werden gleich drei junge Menschen vermisst. Comisaria Silvia Fiol schwebt mit ihrem neuen Freund eigentlich gerade auf Wolke sieben, als sie zum Schauplatz eines Verbrechens gerufen wird: Ein mallorquinischer Internet-Star baumelt erhängt von einem historischen Wachturm. Als im Netz skurrile Fotos einer vermissten deutschen Influencerin auftauchen und wenig später eine weitere Person verschwindet, beginnt für das Ermittlerteam ein Wettlauf gegen die Zeit.

Lucia de la Vega verbindet auch in dem dritten Krimi der Reihe Thriller-Elemente mit mallorquinischem Flair und führt die Leser über die Insel. So beginnt die Geschichte an der idyllisch gelegenen Torre Picada. Der Wachturm liegt in Port de Sóller, dem Heimatdorf der Autorin.

Zudem findet ein Teil der Handlung in dem bei Deutschen sehr beliebten Urlaubsort Cala Ratjada statt. Und schließlich kommen auch Geschichtsfans auf ihre Kosten, denn auch die frühzeitlichen Talaiots zwischen Sencelles und Costitx sind Teil des Plots. „Mit ihren wunderschönen Landschaften lädt die Insel ja geradezu dazu ein, sie in einem Buch Revue passieren zu lassen“, findet die Autorin. Oder eben, wie täglich zu sehen, in den sozialen Netzwerken.

9,99 Euro (Taschenbuch, E-Book), 240 Seiten, Knaur TB, unter anderem bei der deutschen Buchhandlung Akzent in Palma

Cover des dritten Buchs der Reihe. Verlag

Aus der ganzen Welt auf die Insel

Sein Autoren-Debüt gibt mit „Die Diebin und der Koch: Valeria & Santiago“ der aus der Schweiz stammende Mallorca-Teilzeit-Resident Christian Glanzmann. Für den gelernten IT-Manager war das Buch ein Pandemie-Projekt. Ein zweiter und dritter Teil sollen bald folgen. „Ich dachte mir, dass ich mir durch das Schreiben eine Parallelwelt aufbauen kann und alles, was ich mir wünsche, in die Geschichte einflechten kann. Das hat mich sehr fasziniert und in der Zeit auch sehr gefordert“, so Glanzmann, dessen Hobby neben dem Reisen bisher eher die Fotografie war.

Dass er viel herumgekommen ist in der Welt, ist unverkennbar: Die Abenteuer – mysteriöse Unfälle, Betrugsfälle, Diebstähle und sogar ein Tsunami – spielen sich auf vier Kontinenten ab. Die beiden Protagonisten, die Diebin Valeria und der Koch Santiago, wie auch eine Sängerin und ein Pilot, haben jeweils ihr ganz eigenes Schicksal. Doch die Vorsehung bringt sie zusammen und führt sie nach Mallorca. Handlungsorte sind hier etwa Colònia de Sant Jordi oder Cas Concos. „In Cas Concos waren wir selbst während der Pandemie festgesessen“, so Glanzmann, der seit knapp zehn Jahren in wechselnden Orten auf der Insel einen Wohnsitz hat.

8,45 Euro (Taschenbuch), 13,80 Euro (gebundenes Buch), 194 Seiten, Eigenverlag, u. a. bei Amazon

Mit dem Werk gibt der Autor sein Debüt. Privat

Von Port de Sóller in den Bayerischen Wald

Auf der Kulturfinca Son Bauló aus seiner Novelle „Die Bärin“ gelesen hat kürzlich Gernot Hackl, der hauptberuflich als Designer von Innenarchitektur arbeitet. Der Ursprung für das Buch war ein Traum, in dem der Langzeit-Resident jemandem im Wald begegnete. Ein Großteil der Handlung spielt im Bayerischen Wald, die Geschichte beginnt und endet aber auf Mallorca.

In Port de Sóller berichtet eine Restaurantbesitzerin dem Ich-Erzähler davon, dass ihr Vater im Bayerischen Wald eine Jagdhütte hat. Daraufhin besinnt sich der Erzähler darauf zurück, dass er auch Wurzeln dort hat und beschließt, diesen nachzugehen. Als er dorthin fährt, stehen schnell alle Zeichen auf Abenteuer: In einem Wirtshaus wird er Zeuge einer Diskussion, in der es darum geht, einen Bären, der im Wald herumstreunt, zu erlegen. Dabei hat niemand das Tier bisher gesehen.

Trotzdem zieht die Gruppe los, und die Jagd beginnt. „Die Geschichte beginnt als Abenteuer und endet nach einer besonderen Begegnung sehr besinnlich und nachdenklich. Unterschwellig geht es um viele Dinge, die aktueller denn je sind, etwa dass Menschen auf der Flucht sind“, so Hackl, der damit auch auf die russische Invasion der Ukraine anspielt.

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7 Euro (Taschenbuch), 2,49 Euro (Kindle), 72 Seiten, Neopubli GmbH, u. a. bei Amazon

Aus "Die Bärin" hat Autor Gernot Hackl bereits auf der Kulturfinca gelesen. Privat