Kontrastreicher Auftakt des Mallorca Live Festival in Magaluf auf Mallorca: Während die US-Band Blondie ein Stück Rock-Geschichte bot, stellte der Mallorquiner Rels B die von lateinamerikanischen Rhythmen getränkte Gegenwart dar. Der dritte Headliner an diesem ersten Tag des größten Musikfestivals der Insel war die spanische Pop-Band Love of Lesbian. Sie hat eine Generation irgendwo dazwischen geprägt.

Schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Punk" darauf, wobei das schon früher ein Label war, das gar nicht hundertprozentig zu ihr passte, hohe Plateau-Sneaker, ein schwarzes Kleid, Handschuhe: Debbie Harry, die Bandleaderin von Blondie, bewies, dass frau den Rock'n'Roll auch mit 78 noch nicht verlernt. Dass er anstrengender wird, sie war ein wenig heiser, schnappte gelegentlich nach Luft - gemach.

"Dreaming is free!"

Aber Debbie Harry war von "One Way Or Another" über "Call Me" hin zu "Atomic" stets voll da, immer auch ein wenig verrückt, ins Mikro kichernd. In ihrem Rücken Drummer und Blondie-Gründungsmitglied Clem Burke, zwei Gitarren, Bass, Keyboard, alles geschliffen gut. Ihr Set endete nach knapp anderthalb Stunden mit dem wohl bekanntesten ihrer Hits, "Heart of Glass", einem Weltuntergangs-Szenario aus dem Album "Ghosts of Download" von 2014, und dem dann doch versöhnlichen "Dreaming" von 1978. "Dreaming is free!", bedankte sich Debbie Harry am Schluss ein ums andere Mal. Und sah so aus, als ob sie den Auftritt richtig genossen hätte.

Rels B. auf der Bühne des Mallorca Live Festivals 2024 Andrés Iglesias

Wirklich textsicher aber erwies sich das Publikum vor der Hauptbühne erst eine Stunde später, als Rels B. (bürgerlicher Name: Daniel Heredia Vidal) im Trikot des Fußball-Erstligisten Real Mallorca über die Bühne fegte. Der 30-jährige Rapper und Hip-Hopper ist bereits jetzt besonders in Lateinamerika ein Superstar, seine extrem tanz- und mitsingbaren Songs drehen sich eigentlich nur um das Eine, es ist Musik für den Strand, wie er selbst gleich mehrfach betonte - und sie kommt, auch dank dreier hervorragender Background-Sängerinnen, richtig gut an. Anders als bei Blondie blieben bei ihm die Handys des doch eher seiner Alterklasse und darunter zuzuordnenden Publikums so gut wie nicht in der Hosentasche. Junge Frauen brachen in Tránen aus, ihre männlichen Freunde sangen inbrünstig mit.

Gut organisiert

Das Verkehrschaos rund um das Festival hielt sich an Tag 1 in Grenzen. Viele Festivalgänger setzten auf die verschiedenen Zubringerbusse, was die beste Idee war, da die Autobahnausfahrt nach Magaluf gesperrt war. Dennoch kam es auf der Andratx-Autobahn zu 15 bis 30 Minuten langen Verzögerungen.

Auch Einlass und Bändchenausgabe sind gut geregelt. Auffällig war jedoch die strikte Kontrolle seitens der Sicherheitskräfte. Gab es früher gar einen eigenen Stand auf dem Festival, wo mitgebrachte oder gekaufte Drogen auf Reinheit überprüft werden konnten, filterte die Polizei mit Spürhunden nun alle Gäste heraus, die verbotene Substanzen in den Taschen hatten. Das Abtasten am Einlass beinhaltete auch einen beherzten Griff in den Schritt. - rp

Stimmungsmache gegen die Touristen

Das Publikum am Eröffnungstag: eher einheimisch als international, was vielleicht auch den einen oder anderen der Musiker dazu ermunterte, seinen Beitrag zur Debatte über die Überfüllung der Insel beizusteuern. Zum musikalischen Konzept passte das etwa bei den katalanischen Elektro-Punkern La Élite: "Lasst uns auf Katalanisch reden, damit uns die Guiris nicht verstehen" (Guiris ist ein etwas abfälliger Ausdruck für ausländische Touristen). Eher populistisch kam es bei dem sich in seiner Arbeiterkind-Pose gefallenden Millionär Rels B. rüber, der sich darüber beschwerte, dass ihm die Strände zu voll sind und zu sehr nach Sonnencreme riechen: "Die Scheiß-Deutschen haben uns erobert", rief er. Die Leute johlten, manche von ihnen vielleicht auch, weil sie das dann doch ein wenig übertrieben fanden.

Maria Hein auf der Bühne des Mallorca Live Festivals Xavi Torrent

Zumal schon der Auftakt des Tages gezeigt hatte, wie kurz solche Parolen greifen. Die Ehre der Festivaleröffnung gebührte der 20-jährigen Mallorquinerin Maria Hein, Tochter eines Deutschen und einer Mallorquinerin, in Felanitx geboren und laut Auskunft der Pressesprecherin des Festivals die am meisten für Interviews angefragte Künstlerin des Mallorca Live. Mit ihrem ein wenig püpppchenhaften Auftreten und ihren sorgfältig einstudierten leichtfüßigen Songs ist sie auch auf dem Festland ein Shooting-Star. So etwas wie eine heutige Debbie Harry. Die Zukunft.