Ikke Hüftgold zu den Nazi-Problemen am Ballermann: "Die deutsche Musik zieht leider auch immer wieder viele Idioten an"
Der Sänger bezieht zu den großen Diskussionspunkten in diesem Jahr an der Playa Stellung

Ikke Hüftgold tritt nur noch selten auf Mallorca auf. | FOTO: NELE BENDGENS
Als Künstler selbst tritt Ikke Hüftgold alias Matthias Distel nur noch selten an der Playa de Palma in Erscheinung. Zu viel Arbeit gebe es in Deutschland. Der Inselaufenthalt falle somit meist kurz aus. Mit seiner Plattenfirma Summerfield Records vertritt er aber viele Ballermann-Sänger und plant bereits die neue Saison. Ein Gespräch über die wichtigsten Debatten in der Urlauberhochburg.
Ein Sprecher der Ortspolizei sprach von einer erhöhten Polizeipräsenz dieses Jahr am Ballermann. War davon etwas zu spüren?
Da war ich tatsächlich positiv überrascht. Die Polizeipräsenz hat sich deutlich gesteigert. Leider war es in Sachen Kontrollen alles beim Alten. Ich finde es für ein EU-Land eine Frechheit, dass Straßenhändler Drogen und gefälschte Markenartikel fast ungestört verkaufen können. Wenn so viele Polizisten da sind, muss da auch durchgegriffen werden.
Mai und Juni sind die schlimmsten Monate in Sachen Exzesse. Ist es ratsam, in der Zeit die Partyzone zu meiden?
Das stimmt, dass es die wildesten Monate sind. Das liegt wohl an der hohen Männerquote, die durch die vielen Fußballvereine erreicht wird. Dann sind es bestimmt 90 Prozent männliche Urlauber. Dass sich die Herren nicht so kultiviert wie die Frauen besaufen, zeigt die Erfahrung. Da gebe ich den Männern die Schuld.
Immer wieder wird an der Playa auch rechtsradikales Gedankengut verbreitet. Hat der Ballermann ein Nazi-Problem?
Ich habe deswegen einen Oberbayern-Auftritt abgesagt. Viele Leute haben den Kopf falsch herum aufsitzen. Da wundert es mich nicht, dass es so verbreitet an der Playa ist. Die deutsche Musik zieht leider auch immer wieder viele Idioten an. Einige Künstler entwickeln sich in diese Richtung, siehe Melanie Müller. Im Bierkönig und Megapark wird Wert darauf gelegt, dass diese Gruppen nicht die Oberhand gewinnen. Das finde ich sehr gut. Auch in Deutschland erleben wir einen Rechtsruck, den überwiegend junge Männer verursachen.
Immer mehr schicke Restaurants und Fünf-Sterne-Hotels machen in der Gegend auf. Verdrängt der Luxus die Partyurlauber?
Auf kurz oder lang gibt es da keine Alternative. Ich bin sogar ein Stück weit begeistert, dass viele schöne Hotels entstanden sind. Die Frage ist, ob die reichen Leute in den kommenden Jahren an die Playa fahren, nur weil der Luxus angeboten wird. Oder suchen sie sich die Ecken, wo es keinen Partytourismus gibt? Das kann ein großes Eigentor sein, was zu Leerstand führt. Wir sind noch sehr weit weg von einem Urlaubsparadies für reiche Leute.
Die Stadt Palma plant eine Renaturierung der Playa, das kleine Mäuerchen am Strand soll weitestgehend verschwinden und mehr Dünenlandschaft entstehen. Wie wichtig ist der beliebte Sitzplatz für die Partymeile?
Schon 1989 brüllten wir in Deutschland: „Die Mauer muss weg!“ Da zieht Mallorca nun nach. Ich bezweifle, dass wir tolle Dünenlandschaften wie auf Borkum erleben werden. Es ist ein langer Prozess. Ich fand die Mauer immer nett als Sitzmöglichkeit. Man kann dort ja auch Zeit verbringen und auf das Meer schauen, ohne den Strand zuzumüllen. Wenn die Politik sie aber abreißen will, sollen sie halt machen. So sehr hänge ich dann doch nicht an der Mauer.
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