Schlicht und einfach gut: Einkehr in der Bar Menfis
Fernab vom Chichi der Altstadt gibt es sie noch, die altbewährten spanischen Cafeterías

Schmeißen gemeinsam mit der Köchin Flora das Lokal im Stadtviertel Pere Garau: Joan Miquel Ferrer und seine Tochter Ainhoa. / Bendgens
Hausmannskost. Klassisch spanisch-mallorquinisch, authentisch – und günstig. Das umreißt in etwa den Küchenstil der Cafetería-Bar Menfis, die in einer Seitenstraße des Carrer Aragón unweit des Marktes Pere Garau in Palma liegt. Ob Tapas, Tagesmenü oder auch nur ein Bier – hier treffen sich Arbeiter und Unternehmer, Jung und Alt, Marktbesucher und Nachbarn. Es ist trubelig und voll, der Fernseher läuft, die Tageszeitungen liegen aus, in der Vitrine sind die Tapas aufgereiht.
Das Menfis gibt es seit 1986, geführt von den Eltern von Joan Miquel Ferrer Segui, denen auch die Bar Alberca gehörte, die fußläufig knapp fünf Minuten entfernt liegt. Nach dem Tod der Mutter 1996 übernahmen die Söhne Pedro und Joan Miquel Ferrer zunächst die Bar Alberca.
Die Brüder hatten oft Streit – „das ist aber schon längst vorbei, heute verstehen wir uns blendend“, sagt Joan Miquel –, also zog Joan Miquel nach dem Tod des Vaters in die Bar Menfis um, die wir heute vorstellen. Ein Missverständnis sei zuvor ausgeräumt: Der Name hat nichts mit der Stadt Memphis in den USA zu tun, sondern bezieht sich auf die altägyptische Stadt Memphis, heute noch als Ruinen vorhanden, in der Nähe der Pyramiden von Gizeh. „Der Name stammt noch von dem Vorbesitzer, der plötzlich verstarb. Was er mit Ägypten zu tun hatte, weiß keiner“, sagt Ferrer.
Der 52-Jährige ist ein leutseliger Typ, kennt alle seine Gäste, ihre Geschichten und ihre Vorlieben. Da wird die Autorin rasch vorgestellt und erfährt, dass viele bereits seit 25 Jahren nahezu täglich vorbeikommen. Jeder kennt jeden, und doch hat sich einiges geändert: „Angefangen haben wir eher als Bar, man kam, rauchte und trank. Essen war zweitrangig. Mit der Zeit wurde es wichtiger, und die Zahl der Betrunkenen ging zurück“, sagt Ferrer freimütig. Heute kämen die Gäste vorrangig wegen des Essens, schließlich schließe man auch um 21 Uhr.

Hackbällchen mit Bratkartoffeln / Zender
Neben den Stammgästen kann Ferrer auch viele neue Gäste begrüßen, was wiederum der Pandemie geschuldet ist. „Ich habe damals Take-away eingeführt, fast als Einziger hier in der Gegend. Da kamen dann auch andere Gäste, viele holen sich bis heute ihr Essen für zu Hause ab“, erzählt er. Und noch eine Änderung, vielmehr eine Verbesserung gibt es: „Mittlerweile kochen wir Marktgerichte.“ Nahezu alle Produkte kämen von den Landwirten, die dreimal die Woche am Pere-Garau-Markt einen Stand haben. Landeier, Gemüse, Obst, auch Fleisch und Fisch kaufe er dort ein. Ab und an kehren hier nun auch ausländische Residenten ein, die das authentische Ambiente mögen. Und auch die Tradition, denn hier gibt’s noch eine Mini-Tapa aufs Haus, wenn man etwas Alkoholisches bestellt.
Unterstützt wird Ferrer seit Juli und noch bis nächsten Juli von seiner Tochter Ainhoa. Die 23-Jährige steht werktags hinterm Tresen, widmet sich dann aber wieder ihrem eigentlichen Beruf, der Physiotherapie. Samstags kocht seine andere Tochter Maria, sodass die verdiente Köchin Flora ihren freien Tag genießen kann. Es ist trubelig, Ruhepause gibt’s nur wenige, alle sind permanent in Bewegung, doch Joan Miquel verliert weder die Nerven noch den Überblick. „Und wenn ich etwas vergesse, dann laufe ich halt noch einmal“, sagt Joan Miquel Ferrer.

In die Bar Menfis kommen viele Stammgäste. / Bendgens
Die Preise sind typisch für eine Vorstadt-Bar: Tapas oder Variat werden in drei Größen angeboten für 6, 7 und 9 Euro. Belegte llonguets kosten 3,50 oder 5 Euro. Für das täglich wechselnde, dreigängige Mittagsmenü mit Auswahlmöglichkeit zahlt man werktags 13 Euro, das halbe Menü kostet 9 Euro (samstags mit besserer Auswahl 10 und 15 Euro). Tipp 1: Mittwochs steht Lammschulter auf der Karte, donnerstags Paella und samstags arròs brut. Tipp 2: Sie sollten unbedingt das Mandel- oder Zitronen-Granizado (Halbgefrorenes) probieren.
Authentisch: Cafetería-Bar Menfis, geöffnet Mo.–Sa. 6–21 Uhr. C/. Torcuato Luca Tena, 37, Palma. Tel.: 971-27 82 60, FB: Cafetería Menfis
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