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Bewohner und Urlauber sorgen sich um Traditionslokal von Kultwirtin Hermine Reisinger in Peguera

Eigentlich wollte die 66-Jährige ihr Lokal schon vor zwei Jahren abgeben. Doch an den Eintritt in ihre wohlverdiente Rente denkt sie aktuell gar nicht. Wie es mit ihrer Bar weitergeht und wie sie die Winterpause genutzt hat

Nutzt die Wintermonate, um sich zu erholen (dieses Mal auf Teneriffa: Hermine Reisinger.

Nutzt die Wintermonate, um sich zu erholen (dieses Mal auf Teneriffa: Hermine Reisinger. / Reisinger

Simone Werner

Simone Werner

"Wer weiß, wann Hermine wieder öffnet?" "Gibt es das 'Bei Hermine' noch?" "Bei Google steht 'dauerhaft geschlossen' und sie hat immer öfter über das Aufhören gesprochen". Urlauber und Bewohner der Deutschenhochburg Peguera haben sich zuletzt in Facebook-Gruppen Sorgen um die Zukunft des Traditionslokals von Hermine Reisingergemacht. Zurecht: Bereits 2022 hatte die Kultwirtin angekündigt, ihr Lokal abgeben zu wollen. Unter anderem da sich bisher noch kein Nachfolger gefunden hat, startet Hermine Reisinger am Freitag (7.3.) selbst in eine weitere Mallorca-Saison. Nach ganzen vier Monaten Winterpause wird sie das Traditionslokal wieder eröffnen und ist motiviert wie nie.

Endlich wieder Routine

"Ich bin froh, dass ich wieder in eine Routine komme und jeden Tag meine Verpflichtungen habe. Ich brauche Aufgaben, möchte nicht jeden Tag zu Hause sein und nichts tun. Der Job macht mir einfach Spaß", betonte die 66-Jährige gegenüber der MZ.

Wirklich traurig, dass sich noch niemand für das bekannte Lokal gefunden hat, ist Reisinger nicht. Sie habe es bewusst auch nirgendwo inseriert oder an einen Makler abgegeben, denn so ganz loslassen kann sie offenbar noch nicht. Zudem hat sie die Hoffnung, dass ihre Adoptivtochter Georgina es irgendwann übernimmt. "Ich will sie nicht drängen oder dazu zwingen, es wäre einfach mein Traum", so Reisinger. Die 24-Jährige arbeitet derzeit mit ihrem Partner in der Gastrobranche in der Schweiz.

Dass Hermine Reisinger noch keinen Nachfolger für ihr Lokal in Peguera gefunden hat, ist ihr auch ganz recht.

Dass Hermine Reisinger noch keinen Nachfolger für ihr Lokal in Peguera gefunden hat, ist ihr auch ganz recht. / Bendgens

Noch vier Jahre weitermachen?

Und Hermine Reisinger? Die Kultwirtin dürfte in diesem Jahr eigentlich offiziell in Rente gehen. Doch davon will sie erst einmal nichts wissen. "Ich habe alles mit den Behörden abgeklärt und darf weiter arbeiten", so die Österreicherin. Wenn sie geistig und körperlich fit bleibt, will Reisinger noch vier Jahre weitermachen. Sie habe schließlich auch noch eine Hypothek für das Haus in Peguera, das sie 2018 gekauft hatte. "Es ist im Carrer Bosque, am Ortsausgang Richtung Andratx. Als ich vor über 40 Jahren auf die Insel gekommen bin, habe ich nur ein paar Häuser weiter in einer Wohnung gelebt", so Reisinger. Seither habe sie immer in Peguera gelebt und auch gearbeitet.

Ab Freitag (7.3.) empfängt die Kultwirtin in ihrem Lokal wieder Gäste.

Ab Freitag (7.3.) empfängt die Kultwirtin in ihrem Lokal wieder Gäste. / Reisinger

Geöffnet sein wird das "Bei Hermine" ab Freitag (7.3.) wie gewohnt ab 19.30 Uhr. "Vielleicht mache ich im März noch nicht täglich auf, sondern ein bis zwei Ruhetage pro Woche", überlegt Reisinger im MZ-Gespräch. Zuletzt hätten die Gäste nicht mehr wie einst bis tief in die Nacht hinein bei ihr Spaß gehabt. "Manchmal war ich erst um 4 Uhr oder später zu Hause, dass wir nun manchmal schon um 23.30 Uhr zu machen, ist für mich optimal", so Reisinger.

Verzögerter Start in die Saison?

Derzeit sei Peguera noch recht unbelebt. "Ich meine, dass es vergangenes Jahr um die Zeit schon voller war. Einige Hotels sind schon auf, bei uns in der Straße fehlen noch zwei", so Reisinger, die bald wieder acht Monate lang täglich durcharbeiten wird. An wie vielen Tagen es in der aktuellen Saison Live-Musik geben wird, wisse sie noch nicht.

Um das Lokal für die Saison flottzumachen, hat die Auswanderin unter anderem in die Instandhaltung des Außendachs investiert. "Ich hatte 26 Jahre lang keine Probleme damit. Doch zuletzt war es undicht. Es hat nun eine neue Abdichtung bekommen und auch ein paar andere Teile wurden ausgetauscht", so Hermine Reisinger.

Nach 26 Jahren wurde das Außendach im "Bei Hermine" repariert.

Nach 26 Jahren wurde das Außendach im "Bei Hermine" repariert. / Reisinger

So hat sich die Kultwirtin die Zeit während der Wintermonate vertrieben

Wer das Leben der Kultwirtin schon seit Jahren mitverfolgt, weiß: Im Winter ist die Auswanderin gerne auf Reisen und besucht Familie und Freunde in Österreich und auf dem spanischen Festland. "Ich war in diesem Jahr zwei Wochen auf Teneriffa. Dort kann ich einfach mal nichts tun, habe keine (familiären) Verpflichtungen. Das werde ich im kommenden Jahr auf jeden Fall ausweiten", so Reisinger.

Hat ihren Urlaub auf Teneriffa sehr genossen: Hermine Reisinger.

Hat ihren Urlaub auf Teneriffa sehr genossen: Hermine Reisinger. / Reisinger

In der Nähe von Granada, bei Guadix, hat die Auswanderin zusammen mit ihrem Partner die Außenterrasse ihres Höhlenhauses fertiggestellt.

Gemütlich: Einblick in das Höhlenhaus.

Gemütlich: Einblick in das Höhlenhaus. / Reisinger

Gerne lernt sie vor allem die Verwandten und Freunde ihres Partners zu Partys dorthin ein. "Im Januar waren wir 50 Leute. Mein Mann hat sieben Geschwister, von denen noch sechs leben. Alle haben Kinder und Enkelkinder", so Reisinger.

Aufnahme von einer Familienfeier im Außenbereich des Höhlenhauses von Hermine Reisinger.

Aufnahme von einer Familienfeier im Außenbereich des Höhlenhauses von Hermine Reisinger. / Reisinger

Krebserkrankung überstanden?

Grund zum Feiern gab es allemal: Hermine Reisingers langjähriger Partner, der Andalusier José Saavedra, hat seine Krebserkrankung überstanden. "Er ist vor zwei Jahren an Prostatakrebs erkrankt und hatte am 9. Januar seine letzte Chemotherapie. Dieser Tage wird untersucht, ob alles gut ist", so Reisinger. Der 73-Jährige sei früher oft in dem Lokal gewesen, brauche nun aber Ruhe und werde sich weniger blicken lassen. "Viele Gäste freuen sich, wenn sie ihn mal sehen, weil er mir hilft, fragen, wie es ihm geht", so Reisinger.

Hermine Reisinger (1. von links) und José Saavedra (3. von links) auf einem aktuellen Foto mit ein paar Freunden im "Bei Hermine".

Hermine Reisinger (1. von links) und José Saavedra (3. von links) auf einem aktuellen Foto mit ein paar Freunden im "Bei Hermine". / Reisinger

Die Liebesgeschichte der beiden können Sie hier nachlesen:

2025 ist für Reisinger die 42. Saison auf Mallorca, und die 28. an ihrem jetzigen Standort im Carrer Eucaliptus. Hermine Reisinger gelangte im Herbst 1983 nach Mallorca. „Ich bin von Österreich erst nach Deutschland und habe dort viereinhalb Jahre lang in einem Tennis-Restaurant bei Heidelberg gearbeitet. Die Eigentümer haben eine Tennisanlage in Peguera gebaut", erzählte sie der MZ. "Ich wollte die Gastro dort machen, doch am Ende hat es jemand aus deren Familie übernommen." Mit ihrem damaligen Partner zog sie daraufhin nach Jordanien, bevor sie bei einem Österreich-Urlaub der Anruf erreichte, ob sie nicht doch nach Mallorca kommen wolle. Nach einem Kurzbesuch auf der Insel packte sie in Österreich all ihre Sachen und zog nach Peguera.

Das "Bei Hermine" in Peguera ist längst Kult.

Das "Bei Hermine" in Peguera ist längst Kult. / Reisinger

Peguera war fortan nicht nur ihr Arbeitsort. Sie wurde dort auch sesshaft und war schon schnell nicht mehr wegzubekommen – vor allem nicht, seit sie im März 1991 im Carrer de les Malgrats ein Lokal pachtete. Darin eröffnete sie das erste "Bei Hermine". 1997 zog die Kneipe dann in ein neues, von ihr erworbenes Lokal im Carrer Eucaliptus um.

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