Straßenkünstler auf Mallorca: Unzivilisiert oder ein Beitrag zum kulturellen Miteinander?
David Peralta kämpft seit Jahren für die Rechte der Straßenkünstler, durch die neuen Benimmregeln der Stadt Palma befürchtet er wieder Ungemach

David Peralta bei einer Straßenaufführung auf dem Passeig del Born in Palma. | FOTO: PRIVAT
Mit Hand- und Fußfesseln steht ein Clown vor dem Rathaus in Palma. Der Straßenkünstler protestiert an diesem 30. Januar gegen die geplanten neue „Ordenanza cívica“ der Stadt Palma. Der Stadtrat wird sie an diesem Tag in einer ersten Abstimmung mit den Stimmen der konservativen PP und der rechtsextremen Vox verabschieden. Es geht darin um „das zivilisierte Verhalten“ der Bürger auf Mallorca, also auch der Straßenkünstler oder der Urlauber bei organisierten Stadtführungen.
Der aktivistische Clown
Seit 30 Jahren ist David Peralta als Clown auf den Straßen Palmas unterwegs. Einige haben ihn vielleicht bereits an der Plaça Major gesehen. Bei seinen etwa 25-minütigen Auftritten benutzt er einen Mülleimer mit eingebautem Lautsprecher und agiert als Reinigungskraft. Die Show umfasst fünf verschiedene Tricks und bezieht das Publikum mit ein.
Der Clown steck tief drin in David Peralta, der zum Interview mit weiß bemaltem Gesicht und baumelnder Clownnase um den Hals erscheint. Ebenso tief wie der Aktivist. Peralta kämpft mit seinen Kollegen vom Nou Circ Social für die Rechte der Straßenkünstler. Im Gespräch zeigt er der Reporterin Bilder von 2008/2009. Schon damals saß er mit Clownnase in der Plenarsitzung im Rathaus von Palma und hielt ein Schild hoch: „No a la represión de trabajadores en la calle“ (Gegen die Unterdrückung der Arbeiter auf der Straße).

David Peralta (mit Fesseln) protestiert gegen die neue Ordenanza Civica vorm Rathaus in Palma / Guillem Bosch
Warum protestieren Straßenkünstler gegen die neuen Benimmregeln?
Nun also diese neuen Benimmregeln, die in den kommenden Wochen endgültig ausgehandelt und in Kraft treten sollen. Peraltas zentraler Kritikpunkt ist, dass zumindest in Bezug auf die Straßenkünstler Textpassagen aus einer 2014 vom Obersten Gerichtshof aufgehobenen Verordnung übernommen wurden. Dieses Gesetz wurde damals für verfassungswidrig erklärt, weil es die Rechte der Bürger auf Nutzung des öffentlichen Raums verletzte. Die Formulierungen seien unklar und würden zu Missverständnissen bei der Polizei führen, so Peralta. Etwa: „Die Behörden können vorsorglich die eingesetzten Instrumente beschlagnahmen. Es sei nicht genau definiert, was als „eingesetzte Instrumente“ gilt und unter welchen genauen Bedingungen eine solche Beschlagnahmung erfolgt.
Peralta stört sich auch an dem folgenden Unterpunkt: „Der Künstler darf keine Handlungen ausführen, die zur Gewalt aufrufen“ – „eine absurde Regel , wenn man bedenkt, dass es sich um Clowns, Jongleure oder Einradfahrer handelt“, sagt der Sprecher von Nou Circ Social.
Problematik zwischen Straßenkünstlern und der Polizei
David Peralta hat so seine Erfahrungen mit der Polizei. Erst am 1. Januar bekam er eine Geldstrafe aufgebrummt, wegen angeblicher fehlender Lizenz. Nach den aktuellen Bestimmungen dürfen nur genehmigte Straßenkünstler auftreten. Dafür müssen sie bei der Stadt Palma eine Bescheinigung beantragen, eine Gebühr bezahlen und ein Dossier mit konkreten Angaben zu ihren Auftritten vorlegen. „Es kann doch nicht sein, dass ich alles richtig mache und trotzdem bestraft werde“, beschwert sich der Clown. Als Sprecher des Nou Circ Social kenne er die Regelungen genau, wisse, welche Art von Spektakeln wo erlaubt seien, und halte sich daran.
Straßenkünstler würden von der Polizei oft wie Bettler behandelt: „Wenn ich nach meiner Show durch das Publikum gehe, Applaus bekomme und ein Polizist zu mir sagt: ‚Du darfst hier nicht betteln‘, dann finde ich das respektlos“, sagt Peralta. „Oder wenn die Polizei meine Auftritte unterbricht, um meine Genehmigung zu überprüfen.“
Durch die neuen Benimmregeln fühle er sich von der Politik im Stich gelassen. „Wir gelten als unzivilisiert“, sagt er. Dabei verstehe er seine Arbeit als Beitrag zu einem familiären und kulturellen Miteinander: „Ich biete Kindern eine Freizeitaktivität, die es sonst so nicht auf den Straßen Mallorcas gibt.“
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