Blick in die Vergangenheit: Auf der Event-Finca Son Amar traten einst sogar Tiger auf
Am Dienstag (1.4.) war bekannt geworden, dass die Kultinstitution nahe Palmanyola all ihre Shows streicht und 150 Angestellte entlassen muss. Wie der Ort zu dem wurde, was er heute ist

Auf Son Amar gab es mal eine Show mit vier Tigern. / DM
Die Ankündigung, dass die Showbühne Son Amar all ihre Shows streicht und mittels des Massenentlassungsverfahrens ERE (Expediente de Regulación de Trabajo) auch 150 Angestellten kündigen musste, hat viele Urlauber und Einheimische überrascht und traurig gestimmt. "Wie traurig, sie hatten die besten Shows der ganzen Insel", schrieb etwa Nutzer Steve Riches auf Facebook. "Wir haben uns letztes Jahr die Ojalá-Show angesehen. Es war spektakulär. Ich habe mich schon auf die nächste Show gefreut", kommentierte Jill Millen. "Eine Institution. Hab' wunderbare Erinnerungen und Fotos, wenn gleich sie einige Jahre zurückliegen", waren die Worte von MZ-Leserin Gabriele A. unter dem geposteten Artikel über die Neuigkeiten der Showbühne.
Zurück zu den Anfängen
In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich die Showbühne mit angegliedertem Restaurant mit seinen Dinnershows auch außerhalb der Insel einen Namen gemacht. Der Weg bis dorthin war mitunter steinig. Doch zurück zu den Anfängen...
Die Geschichte des heutigen Kultveranstaltungsortes begann mit Damián Seguí. Dessen Opa gehörten die Landgüter Son Amar und Font Seca. 1982 kam Seguí, ein mittlerweile verstorbener mallorquinischer Unternehmer und Volleyball-Verrückte, auf die Idee, das Landgut Son Amar aus dem 16. Jahrhundert samt seines über 135.000 Quadratmeter großen Grundstücks zu kaufen. Zusammen mit seinem Bruder Cristóbal eröffnete er ein Restaurant, das auf gewürztes Huhn und Spanferkel spezialisiert war. Das erste Jahr sei "katastrophal" gelaufen. Eine neue Idee musste her. Seguí traf sich mit einem dänischen Reiseveranstalter. Ihm bot er ein Paket aus Mahlzeiten und einer Show mit mallorquinischen Tänzen an.

Auf Son Amar war über die letzten Jahre hinweg einiges geboten. / DM
Tiger und viele Promis
Anfangs kamen nur zwei Reisebusse pro Woche zu dem Restaurant. Später wurden es zunehmend mehr. Anfangs gab es nur Grillgerichte in dem Lokal. Doch das reichte nicht aus, um das Restaurant international bekannt zu machen. Laut der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" soll Seguí etwa nach Paris gereist sein, um den besten Beleuchtungstechniker zu engagieren. Auch ließ er einen Seitenflügel des Gutshofes auf Mallorca zu einem riesigen Show-Theater mit 4.000 Sitzplätzen ausbauen. Dort wollte er fortan mehrmals pro Jahr Tanz- und Akrobatik-Shows veranstalten. Davor wurde den Zuschauern – zu 90 Prozent Busladungen voller Pauschaltouristen – ein Mehrgänge-Menü serviert. Auf Las-Vegas-Reisen inspirierte er sich, um zu sehen, wie die Profis vor Ort arbeiteten. Sein Ziel war es schließlich, Son Amar auch in Europa bekannt zu machen.
Doch dafür brauchte es auch international bekannte Künstler. Seguí engagierte unter anderem die vier afroamerikanischen Sänger, die als "Drifters" bekannt sind, oder das Ballett von Carmen Motta. Es gab sogar Auftritte mit vier Tigern. Darüber hinaus fungierte die Showbühne inklusive Restaurant als Veranstaltungsort für zahlreiche Treffen hoher Politiker und bekannter Geschäftsleute, etwa dem früheren balearischen Ministerpräsidenten Jaume Matas oder dem ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Sergejewitsch Gorbatschow. Letzterer soll gekommen sein, weil er vor der hervorragenden Qualität der Tomaten gehört hatte, die Seguí im Garten des Restaurants anbaute.

Auch Politiker und Parteien nutzten die Räumlichkeiten für Feiern. / DM
Besitzerwechsel
2007 verkaufte Seguí seine Goldmine dann aus Altersgründen an die englische Unternehmerin Margaret Whittaker. Die Frau mit den markanten Silbersträhnchen, die mit dem Vertrieb von Diät- und Naturheilmitteln ein Vermögen gescheffelt hatte, war bereits 1996 auf der Insel gelandet, um hier Geld auszugeben. Unter anderem für den Erwerb eines heruntergewirtschafteten Restaurants in erster Meereslinie bei Puerto Portals, das sich unter ihrer Führung in den glamourösen Mood Beach Club verwandelte. Danach sollte Son Amar dran sein.
„Irgendwann habe ich mit meinem Mann eine Dinnershow besucht", erzählte Whittaker einst beim Videocall-Interview mit der MZ. Location und Show habe sie dermaßen begeistert, dass sie mit Seguí ins Geschäft kam. Seit 2012 war sie die alleinige Besitzerin der Showbühne. Unter ihrer Leitung wuchs die Event-Finca immer weiter. 2020 holte Whittaker Martyn Smith, den Leiter des Social Club, ins Boot. Im selben Jahr verzeichnete das Unternehmen wegen der Pandemie die höchsten wirtschaftlichen Verluste in seiner Geschichte. Ein Großteil der Angestellten musste gekündigt werden.

Margaret Whittaker kam in den 90er-Jahren nach Mallorca. / Son Amar
Millionenschwerer Umbau
Später renovierten Whittaker und Smith Son Amar komplett, auch um die Sicherheitsbestimmungen einhalten zu können. Die Betreiber kündigten an, dass sie neben Shows künftig Hochzeiten, Konferenzen, Tagungen und Geschäftskongresse, Konzerte internationaler Bands und Auftritte von Top-DJs veranstalten würden. Auch das Oktoberfest Mallorca und das Weihnachtswunderland wurden auf der Event-Finca veranstaltet. Aktuell führt auch Whittakers Sohn Son Amar.
Anfang Februar verstarb Margaret Whittaker im Alter von 76 Jahren. Ihr Tod löste auf der Insel große Betroffenheit aus.
Nun steht Ende April also die letzte eigene Son-Amar-Show an. In einem Schreiben von Dienstag (1.4.), das Smith der MZ schickte, heißt es auch: "Die finanzielle Unterstützung und die Liebe, die die Eigentümerin Margaret Whittaker nicht nur für Son Amar, sondern auch für Mallorca aufgebracht hat, waren wirklich außergewöhnlich. Im Laufe der Jahre wurden rund 50 Millionen Euro investiert, um diesen Kult-Veranstaltungsort am Leben zu erhalten. Da wir weiterhin um Margaret trauern, ist es umso herzzerreißender, diese Nachricht zu überbringen. Son Amar ist ein wichtiger Teil der Geschichte Mallorcas und sollte immer als solcher in Erinnerung bleiben."
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