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Warum es in Mallorcas schrillster Showbühne keine Sticker auf die Handy-Kameras gibt

Der Chef der Showbühne Lío, Julio Bruno, über die anstehende Saison, Unterhaltung in Zeiten von Handy-Kameras und das jähe Ende von Son Amar

Genuss auf dem Teller und auf der Bühne: Moment einer Showeinlage im Lío Mallorca im vergangenen Jahr.  | FOTO: LÍO MALLORCA

Genuss auf dem Teller und auf der Bühne: Moment einer Showeinlage im Lío Mallorca im vergangenen Jahr. | FOTO: LÍO MALLORCA

Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

14 Jahre ist es her, dass auf Ibiza die erste Showbühne mit dem Namen Lío eröffnet wurde. Mittlerweile ist daraus ein weltweit agierendes Unternehmen geworden. Auch am Paseo Marítimo in Palma gibt es eine Dependance – dort, wo jahrzehntelang das berühmte Tito’s zu finden war. Am Donnerstag (17.4.) geht das Lío Mallorca mit dem Clubbereich und Mitte Mai mit der Showbühne in seine dritte Saison.

CEO der Lío-Gruppe ist seit Anfang 2024 Julio Bruno. Der aus Nordspanien stammende Kulturmanager, der schon an der Eröffnung des ersten Lío beteiligt war, macht keinen Hehl daraus, dass die Showbühne sich vor allem an eine zahlungskräftige Kundschaft wendet, betont aber auch: Für das Geld gibt es auch wirklich Qualität.

Die dritte Saison steht vor der Tür. Wie ist die Stimmung?

Sehr positiv. Vor allem, weil die Umbauarbeiten am Paseo Marítimo endlich bald beendet sind. Nun können die Menschen zurückkehren an diesen Ort. Wir haben eine spektakuläre Location, mit „Back To The Future“ eine aufregende neue Show und mit „Nostalgia“ eine eigene neue Partyreihe, in der es die Musik der 70er- und 80er-Jahre zu hören gibt. Musik, zu der man richtig tanzen kann, keine „Instagram-Musik“.

Das Prinzip Lío funktioniert folgendermaßen: Den Anfang macht eine interaktive Show mit Künstlern und Musikern auf der Bühne. Sie wird von einem Menü begleitet, das vom mallorquinischen Sternekoch Andreu Genestra erdacht wurde. Sobald die Show vorbei ist, verwandelt sich das Lokal in einen Club. Das Publikum kann verweilen, Drinks nehmen und tanzen. Gleichzeitig werden die Türen auch für ein Publikum geöffnet, das die Show nicht gesehen hat.

Lío ist ein international agierendes Unternehmen. Gibt es eigentlich Unterschiede zwischen den einzelnen Líos?

Nun, jedes Lío hat seine eigene Show, die speziell von uns entwickelt wird. Nach einer Saison zieht diese weiter an einen anderen Standort. Gleichzeitig kommt jedes Jahr eine neue Show hinzu. Was in Palma besonders ist, ist, dass der Clubbereich weitaus länger auf hat als an anderen Orten. Die Saison beginnt hier diese Woche, die letzte Party des Jahres findet an Silvester statt. Wir glauben, dass die Nachfrage für qualitativ hochwertige Cluberfahrungen in Palma jenseits der Hauptsaison vorhanden ist.

Chef de Lío-Gruppe: Julio Bruno.

Chef de Lío-Gruppe: Julio Bruno. / Lío

Die Ansprüche des Publikums

Was muss eine Show heute haben, um den Ansprüchen des Publikums gerecht zu werden?

Es ist nicht leicht. Denn durch Talentshows und Social Media sind wir alle zu Experten für künstlerische Qualität geworden. Deshalb muss bei uns alles top sein: von den Stimmen über die Choreografien und den Klang bis hin zur Lichtshow. Und natürlich muss auch der Service entsprechend sein.

Viele Clubs haben Probleme, Personal zu finden. Sie auch?

Nun, natürlich haben wir auch den einen oder anderen Engpass. Aber wir haben das Glück, dass wir als attraktiver Arbeitgeber gelten mit internationalem Renommee – zumindest für diejenigen, die Ambitionen haben. Gerade für die Tänzer und Sänger gibt es nicht viele Gelegenheiten, auf Broadway-Niveau zu arbeiten und zugleich sechs, sieben oder acht Monate am Stück engagiert zu werden.

Ab Ende April ist Mallorca um eine Showbühne ärmer. Was bedeutet die Schließung von Son Amar für die Insel?

Ich bedauere die Schließung sehr, denn eine Showbühne mit Restaurant ist etwas sehr Besonderes. Es gibt nicht viele davon. Und Son Amar war ein wunderschöner Ort. Auch wenn das Publikum ein anderes war, finde ich, dass Konkurrenz immer positiv ist. Die Menschen müssen die Wahl haben. Deshalb würde ich mich freuen, wenn jetzt neue Lokale am Paseo Marítimo entstehen.

Werden Sie Künstler von Son Amar im Lío anstellen?

Bei Lío gibt es Castings für die einzelnen Shows, für die anstehende Saison sind sie natürlich schon beendet. Aber ich weiß, dass einige Künstler von Son Amar schon bei uns angefragt haben.

Es heißt, die jungen Leute würden immer weniger Alkohol trinken, wenn sie ausgehen. Das bringe manche Clubs bereits in finanzielle Nöte.

Unser Publikum ist älter, es trinkt eher Alkohol. Allerdings bemerken wir auch, dass die alkoholfreien Getränke immer beliebter werden.

Was zeichnet das junge Publikum aus?

Das Internet, insbesondere Social Media, hat viel verändert in den vergangenen Jahren. Man lernt seine Partner nicht mehr in einer Bar kennen, sondern per App. Und dennoch: Egal, ob man tausend Apps und Plattformen hat, irgendwann kommt der Moment, wo man rausgehen und Spaß haben möchte, unter Menschen sein will.

Alles auf Social Media

Apropos: Wie gehen Sie bei Lío damit um, dass alles gefilmt und auf Social Media geteilt wird?

Wir stören uns nicht daran, dass die Menschen filmen. Es gehört heute dazu, dass man die Momente teilt, in denen man Spaß hat. Es ist Teil der Kultur. Gleichzeitig wollen wir mit unserer neuen „Nostalgia“-Partyreihe die Leute ermuntern, das Handy in der Tasche zu lassen und einfach mal zu tanzen.

Also gibt es bei Ihnen keine Sticker auf die Handykamera, damit im Lío bliebt, was im Lío passiert?

Nein. Ich finde das mit den Stickern auch sehr niveaulos. Ich lebe in London und bin Mitglied in Clubs, wo Fotos unerwünscht sind. Das wird von allen akzeptiert. Da braucht es keine Sticker.

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