Kinderbetreuung mal anders: Warum es so viele Familien in diesen kleinen Küstenort zieht
Die Deutsch-Niederländerin Caroline Conradi hat in Cala Sant Vicenç ein Kreativstudio aufgebaut. Eine erfrischend spritzige Kinderbetreuung

Kinderspaß bei den "Little Lemons" in der Cala Sant Vicenç / privat
Kunterbunte Kollagen auf Leinwand, fantasievolle Bastelarbeiten aus Pappkarton, knusprige Küchlein aus gesunden Zutaten und dazu viele fröhliche Kinder – allein schon die Bilder, die Caroline Conradi von ihrem Projekt „Little Lemons“ zeigt, machen Lust, selbst dabei zu sein. Die 44-jährige Deutsch-Niederländerin bietet seit knapp einem Jahr Kinderbetreuung an, wie es sie in dieser Form auf der Insel nur selten gibt. Auf Englisch, in Kleingruppen und mit leidenschaftlicher Hingabe.
Kreativstudio statt Tauchschule

Kreativität steht bei den Little Lemons im Vordergrund / privat
„Es ist ein sehr erfüllendes Projekt“, sagt Conradi. Ein Projekt, das ihr die Rückwanderung leichter macht. Denn eigentlich hatte Conradi, die bereits 2008 nach Mallorca ausgewandert war und mit ihrem Mann Stephan bis 2018 eine Tauchschule in Cala Sant Vicenç führte, sich bereits wieder gut an ihr Leben in Deutschland gewöhnt, in das die Familie nach elf Jahren Mallorca zurückgekehrt war. Doch der Aufenthalt im Norden sollte nur von kurzer Dauer sein: Mann und Kinder drängten zurück auf die Insel, und Conradi gab nach. „Seit Sommer 2023 sind wir nun wieder auf Mallorca“, so die promovierte Pädagogin.
Wieder eine Tauchschule zu eröffnen, kam für sie nicht infrage. „Und um als Lehrkraft ins öffentliche Bildungssystem aufgenommen zu werden, müsste ich meine Katalanischkenntnisse stark ausbauen und viele Auswahlverfahren durchlaufen.“ Stattdessen kam ihr die Idee, in dem kleinen Küstenort bei Pollença ein Kreativstudio aufzubauen, in dem sich nicht nur ihre kleinen Kursteilnehmer gerne aufhalten, sondern auch sie selbst. Dass die Nachfrage nach ihren Projekten in dem abseits gelegenen Örtchen so groß sein würde, hätte sie ursprünglich gar nicht zu hoffen gewagt. „Es sind tatsächlich fast alles Kinder aus mallorquinischen Familien, die meisten aus Pollença“, so Conradi erfreut. Aber natürlich sei jede Nationalität willkommen. „Alles ist auf Englisch. Oder so viel auf Englisch, wie eben möglich. Ich passe mich dem Niveau der Kinder an. Wenn jemand gar nichts versteht oder sich unwohl fühlt, kann er einen Notknopf drücken, den ich in jeder Gruppe einführe“, so die Auswanderin. Denn der Wohlfühlfaktor steht bei den „Little Lemons“ an erster Stelle.
Kindergeburtstage mal anders

Caroline Conradi mit ihrem Kreativkoffer / privat
Die Workshops sind nach Alter und Interessen aufgeteilt. Die jüngsten Teilnehmer sind vier Jahre alt, die ältesten zwölf. Auf einer Bühne können die Kinder kleine Darbietungen vorführen, in der Küche wird gemeinsam gebacken und gekocht, in der Kreativecke liegen Mal- und Bastelutensilien sowie viele Naturmaterialien bereit. Nicht alles, was hier entsteht, gibt Conradi vor. „Die Kinder können viel mitentscheiden.“ Erst neulich habe sie einen Stop-Motion-Film mit den Kids gemacht. Der Fantasie seien kaum Grenzen gesetzt.
Neben den wöchentlich stattfindenden Kursen, die über das ganze Schuljahr gehen, und den morgendlichen Angeboten während der Ferien bietet Conradi seit ein paar Monaten auch alternative Kindergeburtstage an. „Es ist bewusst etwas anderes als die typische Feier in einem Chiquipark“, so die Initiatorin. Gesünderes Essen, pädagogisch wertvollere Beschäftigungen und alles individuell abgestimmt auf das Geburtstagskind und seine Gäste. Auch außer Haus bietet Conradi kreative Kinderbetreuung an, auf Events oder Fincas. Dann bringt sie ihren Kreativkoffer mit – und einen Kopf voll Ideen.
Mehr Infos auf www.instagram.com/little.lemons_la.cala
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