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Mallorca hat ein neues Highlight: Das Eisenbahnmuseum in Son Carrió ist eröffnet

In Son Carrió hat am Montag (10.11.) die lang geplante Ausstellung eröffnet. Ein 3,7-Millionen-Euro-Projekt, das jährlich gut 90.000 Besucher anziehen soll. Die MZ war vor Ort

Blick ins neue Eisenbahnmuseum in Son Carrió.

Blick ins neue Eisenbahnmuseum in Son Carrió. / Biel Capó

Sophie Mono

Sophie Mono

Mallorca hat eine neue Besucherattraktion: In Son Carrió, rund 15 Kilometer nordöstlich von Manacor, hat am Montag (10.11.) das erste Eisenbahnmuseum der Insel eröffnet. 3,7 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln hat das Projekt gekostet - und viele Jahre der Planung in Anspruch genommen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen: Die Initiatoren rechnen mit rund 90.000 Besuchern im Jahr. Ein MZ-Besuch zeigt: Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Meisterleistungen der Ingenieure

Ja, es riecht genau so, wie man es in einem Eisenbahnmuseum erwartet. Nach Eisen, nach altem Schmieröl - und irgendwie nach Vergangenheit. Es mag an der alten Dampflok liegen, die in der großen Halle steht wie in einem Bahnhof vergangener Jahrhunderte. Ein Gepäckwagen mit historischen Koffern steht am imaginären Bahnsteig. Alles alt, aber ganz real.

Dann plötzlich die Hologramme: Passagiere sind zu sehen, gewandet in Kleidung von einst. Die dunklen Museumswände leuchten auf, zeigen auf einmal den Hintergrund eines Mallorcas, wie man es heute nicht mehr kennt. Da ist Palmas Kathedrale, umgeben von Eselskarren und bäuerlich gekleideter Bevölkerung. Die Vergangenheit zum Greifen nah, möglich durch modernste Technik.

Besucher können sich selbst ans Steuer setzen

Selbst, wer sich bisher wenig für Eisenbahnen im Allgemeinen und Mallorcas Schiennetz im Speziellen interessiert hat: Im neuen Eisenbahnmuseum wird man schnell angesteckt. Von der Nostalgie um Meisterleistungen der Ingenieure, aber auch von der Leidenschaft um ein Verkehrsmittel, das es in dieser Form so nicht mehr gibt.

Das neue Eisenbahnmuseum in Son Carrío

Das neue Eisenbahnmuseum in Son Carrío / Sophie Mono

"Mehr als ein Museum ist es eine Zeitreise, um die mallorquinische Eisenbahn von einst zu erleben", heißt es in einer Broschüre, die im Eingangsbereich ausliegt. Auch im ersten Stock geht es modern und interaktiv weiter. Zahlreiche Touchscreens informieren über die Dampf- und die Dieselloks, die einst über die Insel rollten. In fünf Sprachen - Spanisch, Mallorquinisch, Deutsch, Englisch und Französisch - kann sich jeder Besucher selbst durch die intuitiv und ansprechend aufbereiteten technischen und historischen Details scrollen - bequem sitzend auf Bänken, die alten Zugabteilen nachempfunden sind. Wer will, kann sogar selbst das Steuer übernehmen - und eine virtuelle Zugfahrt durch das Mallorca von heute unternehmen. Originale Relikte aus jener Zeit, ausgestellt in klassischen Vitrinen, runden den Besuch ab.

Lange Planung

Man merkt schnell: All das, was ab sofort in Son Carrió zu bestaunen ist, ist nichts, was mal eben so aus dem Boden gestampft worden ist. Im Gegenteil. 16 Jahre ist es her, dass die Idee für ein Eisenbahnmuseums in Son Carrió zum ersten Mal aufkam. Seitdem kämpft die Stifung Ferrocaib dafür, diese auch in die Tat umzusetzen. Wichtiger Meilenstein, um die öffentlichen Institutionen auf ihre Seite zu ziehen, war eine Nachfragestudie im Jahr 2016, basierend auf Umfragen unter Touristen.

Das Ergebnis: Potenziell könnte das neue Museum rund 90.000 Besucher pro Jahr anziehen. Berücksichtigt wurde, dass es in der näheren Umgebung rund 70.000 Gästebetten und eine Rotation von mehr als einer Million Touristen gebe. Die Studie war wohl ausschlaggebend dafür, dass aus einer Idee Realität wurde.

"Wir kämpfen seit 16 Jahren und bringen unsere ganze Anstrengung und Leidenschaft ein, um die rechtliche Anerkennung dieses Themas zu erreichen", erklärte Eugenio Moreno, Vorsitzender der Vereinigung Historischer Eisenbahnen Spaniens (AFCHE), dem die Stiftung Ferrocaib angehört, im Juni. Auch an diesem Montag (10.11.) ist er da, Seite an Seite mit dem Ferrocaib-Vorsitzenden Guillem Febrer. Beide sichtlich stolz auf das, was sie erreicht haben. Statt selbst Reden zu schwingen, überlassen sie den Politikern das Wort.

Das neue Eisenbahnmuseum in Son Carrió

Das neue Eisenbahnmuseum in Son Carrió / Sophie Mono

"Guillem Febrer hat unermüdlich seine Leidenschaft für den Schienenverkehr zu uns getragen, und dafür danke ich ihm", betonte die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens, die ebenfalls zur Eröffnung kam. "Der Zug ist nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch unsere Gegenwart und Zukunft", sagte die konservative Politikerin, die auf das aktuelle Vorhaben der Landesregierung anspielte: die geplante Zugverbindung von Sa Pobla nach Alcúdia. "Wir werden auch weiterhin auf das Verkehrsmittel Zug setzen - neben guten und sicheren Straßen", so Prohens vor zahlreichen Eisenbahnfreunden.

Ansprechen solle das neue Museum Einheimische und Urlauber zugleich, erläuterte der Bürgermeister von Sant Llorenç, Jaume Soler. "Die Menschen sollen wieder die Magie des Zuges spüren, Mallorquiner ebenso wie Touristen", so Soler.

Die Dampflok fährt noch: Bei der Eröffnung des Eisenbahnmuseums in Son Carrió.

Die Dampflok fährt noch: Bei der Eröffnung des Eisenbahnmuseums in Son Carrió. / CAIB

Hintergrund: 150 Jahre Eisenbahn auf Mallorca

Mallorcas Eisenbahngeschichte, die in diesem Jahr 150 Jahre alt ist, ist geprägt von Veränderungen. Die erste Eisenbahnlinie der Insel war die von Palma nach Inca im Februar 1875, rund 50 Jahre nach Eröffnung der ersten regulären Linie in England und 40 Jahre nach der deutschen Eisenbahn-Premiere. Mallorcas Netz wuchs schnell: Schon 1878 reichten die Schienen bis Sa Pobla, 1879 bis Manacor und 1897 bis Felanitx, bevor dann 1912 auf einer separaten Strecke, aber mit gleicher Spurbreite, die Strecke Palma–Sóller in Betrieb ging.

Die Umstellung auf Elektroantrieb war eine weitere Neuheit für die Insel, zu sehen erstmals im Fall der Straßenbahn von Sóller, die 1913 den Betrieb aufnahm, sowie auch der Straßenbahn von Palma, die 1916 auf Pferde-, Maultier- und Dampfantrieb verzichtete. Doch der Boom hielt bekanntlich nicht ewig an. Ab Mitte der 1950er-Jahre war die Blütezeit von Mallorcas Eisenbahn vorbei, das Netz schrumpfte – mal abgesehen vom Roten Blitz – mehr und mehr, bis nur noch die Hauptstrecke Palma–Inca bleiben sollte. Stattdessen dominierte immer mehr der Pkw-Verkehr.

Eine Renaissance der Eisenbahn auf der Insel gab es dann ab dem Jahr 2000, als die heutige Eisenbahngesellschaft SFM die Linien nach Sa Pobla und Manacor wieder in Betrieb nahm, Palmas Zentralbahnhof unter die Erde verlegt wurde, eine Metro zur Balearen-Universität an den Start ging und die Wiederinbetriebnahme der Strecke Manacor–Artà geplant wurde. Statt dieser steht nun unter der jetzigen konservativen Landesregierung die Wiederbelebung der Strecke Palma–Llucmajor auf dem Programm. Zudem sieht ein Großprojekt der Prohens-Regierung eine Zugverbindung bis nach Alcúdia vor. Die Geschichte der Eisenbahn auf Mallorca - sie dürfte noch lange nicht zuende sein.

Das neue Eisenbahnmuseum ("Museu Ferrocarril Mallorca") liegt im Carrer Estació in Son Carrió. Öffnungszeiten im Winter: mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. In der Eröffnungswoche ist der Eintritt frei. Mehr Infos und Karten unter www.museuferrocarrilsfm.org

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