"Verpisst euch in die Pause": Was wirklich beim Ballermann-Musical in Duisburg zu erleben ist
MZ-Ballermann-Experte Ingo Wohlfeil über "Malle Olé – das Musical... das ballert" im Theater am Marientor

Ballermann-Musical in Duisburg: Die besten Szenen aus "Malle Olé – das Musical ... das ballert" / Patrick Hoffmann
Ich finde ja Musicals ungefähr so spannend wie Synchronschwimmen. Einige musste ich schon über mich ergehen lassen. Doch für "Malle Olé - das Musical... das ballert" melde ich mich freiwillig. Denn es handelt von meinem Beritt: dem Ballermann. Ich bin Ballermann-Experte. Mein Chefredakteur nennt mich Playa-Reporter. Ich weiß nicht, ob das ein Kompliment ist.
Duisburg am Mittwochabend (7.1.). Dichtes Schneetreiben. Der Wind weht eisig durch den Ruhrpott. Die gefühlte Temperatur liegt bei -8 Grad. Wer wünscht sich da nicht einen kurzen Trip nach Mallorca? Doch Insel und Wärme liegen dieser Tage näher als gedacht. Sonne, Suff und Ballermann finden sich mitten im Herzen der einstigen Montan-Metropole, im Theater am Marientor. Seit dem 3. Januar tönen wahrlich theaterferne Klänge durch das moderne Festspielhaus mit einer Kapazität von 1.527 Sitzplätzen. Premiere ist an diesem Donnerstag (8.1.) Dann steigt das erste Ballermann-Musical, das je das Licht der Welt erblickte, auch offiziell: "Malle Olé - das Musical... das ballert".
Darum geht's
Die Handlung: Alex und Laura sind frisch getrennt. Und doch begegnen sie sich zufällig am Flughafen. Er will nach Malle, um sich mit seinen beiden besten Kumpels den Helm zu lackieren. Laura will mit ihren besten Freundinnen aus ähnlichen Gründen dorthin. Da taucht Viktor (ein schnöseliger Nachfahre von Erzherzog Ludwig Salvator) am Airport auf. Er will den Ballermann vernichten, um "die Insel vom Partypack zu befreien". Viktor träumt von einem Luxus-Ressort. Und davon, Laura zu seiner angetrauten Putzfrau machen.
Soweit die Handlung, die kein Ballermann-Klischee auslässt: der Sauf-Eimer, die Nacht im Malle-Knast ("besser als unser Hotelzimmer"), der Junggesellinnen-Abschied ("Die letzte Nacht in Freiheit, die feiern wir in Geilheit"). Bloß nicht zu viel Tiefsinn, es geht ja um den Ballermann. Da stören doppelte Böden oder hintergründige Botschaften. Und so ist die Story auch nicht allzu wichtig. Es fühlt sich so an, als wäre sie alleine vorhanden, um sich von einem Ballermann-Hit zum nächsten zu hangeln.
Denn der wahre Star des Musicals ist der Sound. Und so erzittert das Festspielhaus unter den Klängen von "Johnny Däpp", "Inselfieber", "Mama Lauda" oder "Mallorca, da bin ich daheim". Alles neu arrangiert und faszinierend anders. "Schatzi, Schenk mir ein Foto" erklingt in einer Swing-Version, "Layla" wird von einem Prostituierten-Chor gesungen, "Blau wie das Meer" ertönt mit Mandolinen-Begleitung. Das ist alles toll gemacht. Ebenso die authentischen Asi-Outfits und das Bühnenbild, dass vollständig KI-generiert ist. "Ansonsten hätte das mindestens eine Million Euro gekostet", sagt Autor und Produzent Sven-Oliver Müller (59).

Die Malle-Musical-Macher: Harald Reitlinger und Sven-Oliver Müller / Ingo Wohlfeil
Von Anfang an wird mitgesungen
Bis vor einem Jahr hatte er nichts mit der Ballermann-Szene zu tun. Dann musste sich der TV-Redakteur und Autor in die Materie einarbeiten. Herausgekommen ist ein zweieinhalbstündiges Stück, das das Publikum von den Stühlen reißt. Von Anfang wird mitgesungen, mitgeklatscht, mitgefeiert. Und das, obwohl (alkoholische) Getränke im Saal verboten sind.
Richtig gefeiert werden darf danach bei der After-Show-Party mit DJ. Begeistert von dem 16-köpfigen Ensemble, einige in Mehrfach-Rollen, springt auch Christa aus Herne nach kurzer Zeit vom Sitz. Die 75-Jährige war das erste Mal am Ballermann, als er noch gar nicht so hieß. Das war 1971. Seitdem kommt sie jedes Jahr. Ein absoluter Party-Profi. Im Schlepptau die halbe Familie. "Wir machen Mädelsabend", lacht sie.

Netter Mädelsabend beim Malle-Musical: Christa (75), Antje (45), Angelique (38) und Ute (61) aus Herne. / Ingo Wohlfeild
Besucher mit weniger Ballermann-Kenntnissen dürften hingegen schockiert sein. Auf der Bühne geht es verbal um Kotzen, Saufen, Ficken und Blasen. Und um Wichser. Dieser Wichser ist der schnöselige Viktor. So benimmt er sich auch gegenüber dem Publikum: "Verpisst euch in die Pause, ihr Kackbratzen", schreit er uns nach einer Stunde Spielzeit an.
Derber Ton, derbe Scherze, die manchmal nicht so ganz den Weg ins Publikum finden. Die Pointen verpuffen häufig. Das liegt an der Akustik, aber auch am Timing. Das ist aber nicht dramatisch. Es geht um Musik, es geht um das besondere Ballermann-Gefühl und es geht auch ein bisschen darum, sich selbst wiederzuerkennen – im peinlichen Party-Urlaub. Einige Besucher outen sich als fachkundig durch ihre Kleidung. Sie tragen Bierkönig- und Megapark-T-Shirts.
Martina schießt den Vogel ab
Martina (65) schießt den Vogel ab mit ihrem Shirt voller Aufkleber: "Stiftung Bumsbar: Testsieger Sexgott", "Malle Schlauch Kombo" oder "Alki" im Stil des Aldi-Logos kleben auf ihrer Brust. Unterschrieben ist das Shirt von Ballermann-Sänger Schäfer Heinrich. Martina ist schon zum zweiten Mal in "Malle Olé", obwohl es erst seit ein paar Tagen läuft. Sie wird zum Bierkönig-Opening wieder an den Ballermann kommen und hält sich bis dahin mit Musicalbesuchen fit. Sie hat ihre Freundin Manuela (60) dabei, die gar keine Ahnung vom Ballermann hat.

Musical-Besucher Manuela (60) und Martina (65) aus Oberhausen / Ingo Wohlfeil
Manuela ist eine Ausnahme im Auditorium, das verschiedene Ballermann-Generationen vereint. Sie bleibt konsequent sitzen, während um sie herum Jung und Alt lautstark singt und tanzt. Mit ihrem Fazit "Geht so" bleibt sie ebenfalls eine absolute Minderheit. "Das war Klasse", sagt Ballermann-Urgestein Christa. "Das macht Vorfreude, Mitte Mai geht es wieder nach Mallorca", sagt die Rentnerin und stapft durch den Schnee davon.
Bis zum 21.2 läuft "Malle Olé" nahezu zweimal täglich im Theater am Marientor. Doch schon jetzt denkt Sven-Oliver Müller weiter. Mindestens bis April könne es in Duisburg klappen. "Wir haben hier ein Einzugsgebiet von 14 Millionen Menschen, viele davon mit Ballermann-Affinität." Und er hat noch die passende Vision parat: "'Malle Olé' als klassenübergreifendes 'Volksmusical‘. Das wäre doch was."
Das sagt der Ballermann-Experte (der übrigens auch sitzen geblieben ist)
Für Ballermann-Fans eine schöne Überbrückung, bis die Saison wieder losgeht. Allen anderen sei vorbeugendes Vorglühen empfohlen oder zumindest der Download der erfolgreichsten Ballermann-Hits der letzten 30 Jahre. Ansonsten könnten Teile dieses Musicals Besucher verunsichern. Auch sollten Kinder vorher einen Grundkurs in Vulgär-Kultur absolviert haben. Wahlweise hält man ihnen die Ohren zu.
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