Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Sant Antoni mit Kindern: Einstimmung, Tipps und No-Gos für Unwissende

Sant Antoni ist für Kinder auf Mallorca ein echtes Highlight. Auswanderer-Eltern können nicht immer viel damit anfangen. Wir zeigen, wie Familien das traditionelle Fest gemeinsam erleben können - trotz Bedenken oder Wissenslücken

Schon von klein auf sind die Kinder mit den dimonis in Kontakt - und schwanken zwischen Furcht und Faszination.

Schon von klein auf sind die Kinder mit den dimonis in Kontakt - und schwanken zwischen Furcht und Faszination. / Sophie Mono

Sophie Mono

Sophie Mono

Sant Antoni steht an. Keinem anderen Fest fiebern die mallorquinischen (und auf Mallorca aufgewachsenen Auswanderer-) Kinder mehr entgegen - Weihnachten und die Heiligen Drei Könige einmal ausgenommen. Wer selbst Nachwuchs auf der Insel hat, der weiß: Der Heilige Antonius und vor allem seine symbolischen Gegner, die Teufel (dimonis) haben gerade unter den Kleinsten richtiggehend Kultstatus - vergleichbar mit Spiderman und Paw Patrol.

Lieder und Basteleien

Das ist nicht verwunderlich: Zumindest in den öffentlichen Bildungseinrichtungen wird der Hype um das traditionelle Teufelsfest ausufernd ausgelebt. Schon in den Kindergärten laufen die Sant-Antoni-Lieder in den Tagen vor dem großen Fest am 17. Januar in Dauerschleife. Wer selbst im Bilde sein möchte, sollte sich bei Youtube oder Spotify unbedingt die örtlichen Songs anhören - je nach Dorf variieren die Texte und Melodien nämlich etwas. Kreative Bastelarbeiten rund um die dimonis werden darüber hinaus auch in zahlreichen örtlichen Spielgruppen, Stadtbüchereien und Kinderkreisen angeboten, können aber natürlich auch Zuhause angegangen werden.

Verehrung des Bösen?

Einige Eltern mögen skeptisch sein, was den Teufels-Hype angeht. Letztlich muss natürlich jeder selbst entscheiden, was er seinem Kind nahebringen möchte. Grundsätzlich lässt sich aber sagen: Obwohl die Teufel in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zu den Hauptdarstellern des Festes geworden sind, so fußt das Ganze doch auf kirchlichen Wurzeln. Und keine Angst: Letztlich siegt der Heilige über das Böse - jedes Jahr aufs Neue.

Rundgänge und Kinderbücher

Zur Einstimmung lohnen sich auch gemeinsame Vorab-Rundgänge durch die Hochburgen der Insel. In Artà und Manacor beispielsweise machen die Dekorationen vieler Schaufenster bereits in den Tagen vor der großen Sause Lust auf das Fest.

Wer gemeinsam mit den Kids in Stimmung kommen möchte, kann sich auch durch die zahlreichen Kinderbücher arbeiten, die rund um den Heiligen und die Teufel erschienen sind. Wer selbst kein Geld ausgeben möchte, wird in den Stadtbüchereien fündig. Ein absolutes Muss: der "Atlas de los demonios de Mallorca" (Editorial Susaeta, 14,95 Euro, erhältlich wahlweise auf Katalanisch oder Spanisch). Hier lernt jeder noch etwas über die komplexe Teufels-Welt der Insel.

Enthusiasmus anerkennen

Der Initialfunke ist bei den Kleinen also ohnehin schon da. Und es ist ratsam, die Kinder nicht in ihrem Enthusiasmus zu bremsen, den sie aus der Schule mitbringen - schließlich ist Mallorca ihre Heimat und Sant Antoni Teil ihres Brauchtums - egal, woher ihre Eltern stammen. Wie aber kann man das Volksfest mit dem Nachwuchs am besten verbringen?

Angst oder Abstand? Tipps für die wilden Reigen

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, die Kleinen auch schon zu den wilden Reigen der Teufel durch die Dörfer am 16. Janaur mitzunehmen. Der große Haken bei vielen Kleinkindern: Sie finden die Teufel zwar ungemein aufregend und anziehend - gleichzeitig fürchten sie sich aber auch vor ihnen. Tipp: Viel erklären (schließlich ist es ja kein Geheimnis, dass unter den Masken ganz normale Erwachsene stecken), viel unerschrockenes Anbieten (wer die Teufel bei ihren Reigen durch die Dörfer mit Kind auf dem Arm anspricht und um ein Foto bittet, wird sicherlich nicht abgewiesen), aber kein Zwang. Manchmal reicht es schon, sich den dimonis auf mehrere Meter Abstand zu nähern, um die Begeisterung der Kinder zu befriedigen - und sie nicht gleichzeitig in Angstzustände zu versetzen. Jahr für Jahr kann man sich dann näher herantasten.

Kinderwagen sind im Getümmel der Menschenmassen in den kleinen Gassen übrigens eher hinderlich. Stellen Sie sich also darauf ein, Ihr Kind viel auf die Schultern nehmen zu müssen. Wer sich kleidungstechnisch den Insulanern anpassen will, sollte sich vorher darüber informieren, welcher Dresscode im jeweiligen Ort zu Sant Antoni üblich ist. Die typischen Langarmshorts und Halstücher gibt es auch schon in Babygrößen in den Dorfläden zu kaufen.

Zwischen Funken und Leckereien: die Freudenfeuer

Auch an den abendlichen Freudenfeuern (foguerons) am 16. Januar sind Kinder ausdrücklich willkommen. Hier kommen Freunde und Familien zusammen, der Nachwuchs gehört ganz automatisch dazu. Und keine Angst: In Spanien schaut auch niemand komisch, wenn selbst Kleinkinder bis in den späten Abend hinein noch mit von der Partie sind - erst recht nicht zu Sant Antoni! Selbstverständlich können die riesigen Lagerfeuer, die mitten auf den Straßen angezündet werden, je nach Wind und Wetter auch mal ganz schön qualmen und Funken sprühen.

Als Deutscher mag man sich wundern, wie nah die Flammen teilweise an Stromkabeln oder Häuserwände heranlangen, ohne dass Panik ausbricht. Wundersamerweise passiert aber nie wirklich etwas. Mit etwas Abstand und Achtsamkeit ist das Ganze auch für Kinder nicht übermäßig gefährlich. Und es gibt keine bessere Gelegenheit, den typischen mallorquinischen Wurstwaren noch einmal eine Chance zu geben, als frisch geröstet überm fogueró.

Bauernhof-Feeling vor den Kirchen

Highlight für Kinder sind natürlich auch die Tiersegnungen (beneïdes) am eigentlichen Sant-Antoni-Feiertag, dem 17. Januar. Hier geht es weniger wild zu, als am Vorabend. Wer ein Haustier hat, sollte es unbedingt mit zur Dorfkirche bringen, um es dort vom Pastor mit Weihwasser besprühen zu lassen. Wer keines hat, kann trotzdem seinen Spaß haben - oft kommt zwischen Schafen, Pferden, Kaninchen oder Ziegen richtig Bauernhof-Feeling auf. Nicht zu vergessen der echte Esel, auf dem der Heilige Antonius vor der Kirche umherzureiten pflegt.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents