Das ZDF kommt für eine aufwendige Fernsehproduktion nach Mallorca – so können Sie mit dabei sein
Am 19. April überträgt der Sender den deutschsprachigen evangelischen Gottesdienst – nicht nur für die beiden Pfarrer ein ganz großes Projekt

Die „Glaskirche“ macht als Kulisse für einen Fernsehgottesdienst einiges her: Martje Mechels und Holmfried Braun in der Porciúncula an der Playa de Palma. | FOTO: DANYEL ANDRÉ PHOTOGRAPHER
Die rund 1.600 Besucher der ökumenischen Christvesper, vor denen Martje Mechels und Holmfried Braun an Heiligabend 2025 in der Kathedrale standen, sind nichts dagegen: Am 19. April um 9.30 Uhr wird das evangelische Pfarrerehepaar in der Porciúncula-Kirche an der Playa einen Gottesdienst abhalten, der live vom ZDF übertragen wird. Bei den Fernsehgottesdiensten, die es schon seit 1979 gibt, schalten wöchentlich zwischen 700.000 und 900.000 Menschen ein. Eine ganz schöne Hausnummer. Und auch eine Ehre für Mechels und Braun. Denn nur ein- bis zweimal pro Jahr schaffen es Gottesdienste aus dem Ausland in das Format. Und der Gottesdienst in der Porciúncula ist erst der zweite Mallorca-Gottesdienst der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde auf den Balearen in der Geschichte des Formats. 2003 übertrug der öffentlich-rechtliche Sender einen Gottesdienst aus der Strandkirche San Fernando an der Playa.
Bitte pünktlich da sein
Mallorca-Urlauber und Residenten müssen sich die aufwendige Live-Produktion nicht im Fernsehen ansehen. Sie können sogar live dabei sein, sofern sie sich im Vorfeld einen der 250 Plätze sichern. Dafür müssen sie ab dem 2. März auf der Website der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde der Balearen eine Anfrage stellen. „Wer kommt, sollte damit einverstanden sein, dass er womöglich gezeigt wird“, betont Pfarrerin Martje Mechels. Wichtig sei auch, dass die Interessenten schon vor 9 Uhr vor Ort sind. „In der halben Stunde Vorlaufzeit wird etwa noch erklärt, dass man nicht in die Kamera schauen und auch nicht winken soll“, sagt ihr Mann.
Die beiden haben sich sehr gefreut, als im Sommer 2025 die Anfrage für das Format kam. Zu verdanken war sie auch dem Auslandsbischof Frank Kopania, der mit der Evangelischen Deutschen Kirche (EDK) verbundene Gemeinden auf verschiedenen Kontinenten betreut. Er habe die deutschsprachige evangelische Gemeinde auf den Balearen und die in Madrid vorgeschlagen. „Beides sind große Gemeinden. Wir haben zuerst zugesagt“, so Braun. Auch der Sender habe sich über die Zusage gefreut. „Unter den Redakteuren oder Technikern gab es niemanden, der nicht gerne auf Mallorca arbeiten wollte“, sagt Braun.
25-köpfiges Team vor Ort
Der Mallorca-Gottesdienst wird für den Sender aufwendiger und kostspieliger ist als so manch anderer. Mit vier Lastwagen und einem 25-köpfigen Team aus Technikern und Redakteuren kommt das ZDF auf die Insel. Bereits im Januar waren unter anderem Techniker und Beleuchter gemeinsam mit dem für die ZDF-Fernsehgottesdienste verantwortlichen Pfarrer Christof Enders zu einer ersten Vorbesichtigung der Porciúncula nach Mallorca gereist.
Auch für die deutschsprachige evangelische Gemeinde auf Mallorca ist die Organisation des Fernsehgottesdienstes ein großes Ding. „Wir haben schon mehrere Teams gebildet. Eines kümmert sich um die Verpflegung des 25-köpfigen Teams, ein anderes um die Öffentlichkeitsarbeit. In einem dritten Team sind Kabelträger, die technisch unterstützen“, sagt Mechels. Dadurch, dass das Format live gesendet wird, müssten am großen Tag jeder Handgriff, jedes Detail und auch jedes Wort sitzen.

Sind noch bis August 2029 auf Mallorca im Einsatz: Holmfried Braun und Martje Mechels. | FOTO: DANYEL ANDRÉ
44 Minuten, 30 Sekunden
Auch die Pfarrer stellt das vor eine ganz neue Herausforderung. Besonders tricky: Der zeitliche Rahmen ist ganz genau vorgegeben. Einen Einspieler miteingerechnet, der am Vortag auf Mallorca gedreht wird, hätten sie genau 44 Minuten und 30 Sekunden Zeit. Heißt: höchste Präzision. Braun etwa predigt eigentlich gerne frei. Dieses Mal muss er sich allerdings genau an die vorher mit der Produktion abgestimmten Sätze halten. Vom Teleprompter wird er sie dennoch nicht ablesen. „Wir haben Moderationskärtchen“, so der 57-Jährige. Und noch etwas sei am 19. April anders als sonst: „Normalerweise stehen wir beim Predigen hinter einem Pult oder auf der Kanzel. Beim Fernsehgottesdienst stehen wir vor dem Altar und werden zudem gemeinsam predigen“, sag Mechels.
Sogar das „richtige“ Gestikulieren und Sprechen haben die beiden Pfarrer bei einem dreitägigen Workshop in Berlin gelernt. „Wenn wir vor einer größeren Menschenmenge sprechen, etwa in der Kathedrale, sind unsere Bewegungen ausschweifender. Vor der Kamera sollen es eher kleinere Gesten und Bewegungen sein, da sie anders wirken. Die Kamera ist viel näher dran“, so Mechels. Zudem braucht es beim Fernsehgottesdienst kein besonders lautes Sprechen. Gut, dass es am Vortag einen kompletten Probelauf gibt, bei dem auch die Zeit gestoppt wird.
In Mallorcas zweitschönster Kirche
Der gebürtige Schwabe und die Bremerhavenerin sind dankbar, dass sie den Gottesdienst in Mallorcas (nach der Kathedrale) „zweitschönster Kirche“ abhalten dürfen. „Gott sei Dank sind Pater Jordi und der Prior der Franziskaner gegenüber dem Projekt so positiv gestimmt. Sie freuen sich auch, dass ihre Kirche mit den wunderschönen Fenstern bald auch vielen Tausend Menschen in Deutschland bekannt ist“, so Mechels. Ursprünglich sollte der Gottesdienst, der den Beititel „Sonne und Salz“ trägt, im März stattfinden. „Pater Jordi meinte aber, dass das in die Kirche einfallende Licht im April noch deutlich schöner sei“, erzählt Braun, der daraufhin beim ZDF eine Verschiebung des Datums anfragte.
Auf den Kirchenfenstern, die im April für ein buntes Lichtermeer sorgen sollen, ist auch der Sonnengesang von Franz von Assisi dargestellt. „Daher darf das passende Lied dazu, ‚Laudato si‘, in unserem Gottesdienst natürlich nicht fehlen“, merkt Mechels an. Darin wird Gottes Schöpfung besungen. Als musikalische Begleitung sind im Gottesdienst auch Chand Llamas (Gitarre), Daniyella (Gesang), Sheela Gathright (Gesang), Norbert Fimpel (Saxofon) und Ruth Albrecht (Orgel) zu hören. „Wir wollten bewusst keinen Super-Chor bestellen. Uns war wichtig, dass die Künstler dabei sind, mit denen wir auch sonst zusammenarbeiten“, so Braun, der auch aufgeregt sein wird, weil viele Freunde aus Deutschland und Mitglieder aus Gemeinden, in denen das Paar schon tätig war, einschalten werden. „Wir hatten und haben für den Fernsehgottesdienst zwar viel mehr Proben als etwa für die Gottesdienste in der Kathedrale. Aber live ist eben live“, sagt er.
SO BESONDERS IST DIE KIRCHEDES FERNSEHGOTTESDIENSTES
Die Kirche La Porciúncula liegt auf dem Gelände des Franziskanerordens, auf dem auch die deutschsprachige Eurocampus-Schule ansässig ist. Wegen ihrer besonderen Fenster ist sie auch als „la Iglesia de Cristal“ (Kristallkirche) bekannt. Verantwortlich für den Bau der Kirche von 1964 bis 1968 war der mallorquinische Architekt Josep Ferragut. Er entwarf eine runde Struktur aus Stahlbeton und Eisenrahmen. Diese stützt die 39 farbigen Glasfenster. Darauf gestaltete der Künstler Juan Bautista verschiedene Szenen aus dem Leben Christi und anderer Heiliger sowie bekannter Franziskaner-Motive. Scheint die Sonne, entsteht in der Kirche ein buntes Lichtermeer.
Live vor Ort oder im TV zuschauen: kirche-balearen.net (Anmeldungen ab dem 2. März), 19. April, 9.30 Uhr, Porciúncula, Avinguda de Fra Joan Llabrés, 1, Palma oder live im ZDF sowie später in der Mediathek des Senders (zdf.de)
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