"Mein Gewinn beim Glücksspiel hat mich nicht davor bewahrt, Fehler zu machen": Kultwirtin Hermine Reisinger zum Saisonstart in Peguera ganz privat
Die 67-Jährige geht in ihre 43. Mallorca-Saison - und hofft, dass jemand ganz Besonderes ihr Lokal "Bei Hermine" übernimmt

Macht erstmal weiter: Hermine Reisinger. / Privat
Heimlich, still und leise hat Kultwirtin Hermine Reisinger am Freitag (6.3.) die Winterpause beendet und in Peguera ihre Kultbar "Bei Hermine" wiedereröffnet. Im November 2025 hatte das Lokal wie jedes Jahr seine Winterpause eingeläutet. "Am Eröffnungsabend war es ruhig. Es waren ein paar Stammgäste und auch ein paar neue Gäste da. In Peguera haben zwar schon einige Hotels geöffnet, es sind aber noch nicht so viele Urlauber da. Zudem ist es abends auch noch sehr kalt", so Reisinger, die am Eröffnungstag um 23.30 Uhr ihre Bar abgeschlossen habe, zur MZ.
Ob sie das Kultlokal im März schon täglich öffnet oder einen Ruhetag einlegt, habe sie noch nicht endgültig entschieden. Im März tritt an allen Öffnungstagen die kubanische Sängerin Karen auf. "Sie singt deutsche, südamerikanische und internationale Lieder", so die 67-jährige Bar-Betreiberin. Ab April sind dann auch wieder die anderen Sänger und Bands am Start, die schon im Vorjahr bei der Kultwirtin zu Gast waren. Ob Country-Musik oder andere Stilrichtungen: "Es ist ein buntgemischtes Potpourri."

Hat ihr Kultlokal in Peguera kürzlich wiedereröffnet: Hermine Reisinger. / Nele Bendgens
Kauf teurer als Pachtung
2022 hatte Hermine Reisinger erstmals angekündigt, ihr Lokal abgeben zu wollen. Da sich in den Jahren danach kein ernsthafter Interessent gefunden hat und auch, weil ihr das Gastronomen-Dasein weiterhin viel Spaß bereitet, machte die Langzeit-Residentin selbst weiter. Daran hat sich auch zuletzt nichts geändert. Nachfragen gebe es zwar weiterhin. "Es erschien mir aber keine ernsthaft genug, um weiter nachzuhaken", so Reisinger. Auch ein Problem, das auch andere Lokalbesitzer haben, sei daran schuld: Die potenziellen Nachfolger leben größtenteils noch nicht auf der Insel und finden angesichts der hohen Immobilien- und Mietpreise keinen Wohnraum.
"Viele denken, hier ist es billiger als zu Hause, aber dem ist nicht so." Hinzu käme, dass Reisinger keinen Pächter sucht, sondern jemanden, der der Eigentümerin das Lokal abkauft. "Etwas zu 'traspasieren' ist immer preiswerter, als Eigentum zu kaufen", weiß sie. Die genaue Summe, die sie für das Lokal aufruft, will sie gegenüber der MZ nicht nennen.

Hermine Reisinger mit ihrer Adoptivtochter Georgina. / Privat
Übernimmt Reisingers Adoptivtochter?
Und dann ist da auch noch Reisingers Adoptivtochter Georgina, von der sie hofft, dass sie das Lokal vielleicht übernimmt. So bliebe es immerhin im Familienbesitz. Die Mitte-Zwanzig-Jährige arbeitet weiter in der Gastrobranche in der Schweiz. "Sie plant, nächstes Jahr wieder zurückzukommen. Vielleicht hat sie ihre Meinung dann geändert. Ich möchte die Türe nicht vorher zuschlagen", stellt Reisinger klar. "Wenn Gesundheit, Kraft und Kopf mitmachen, werde ich noch acht Saisons machen. Das wäre bis 2033. Dann hätte ich die 50 Jahre Arbeit in Peguera voll."
Reisingers Mann José Saavedra werden Gäste in diesem Jahr wohl eher nicht in dem Lokal antreffen. "Er ist aus schweren gesundheitlichen Gründen verhindert", so die Wirtin, die auf ein Wunder hofft. "In meinem Leben sind schon ein paar Wunder passiert."

Hermine Reisinger (1. von links) und José Saavedra (3. von links) auf einem aktuellen Foto mit ein paar Freunden im "Bei Hermine". / Reisinger
Beim Glücksspiel gewonnen
Auf die Frage, welche, verrät Reisinger, dass sie als leidenschaftliche Glücksspiel-Spielerin 1999 mal eine höhere Summe an Geld gewonnen hätte. Von dem Gewinn habe sie ihren Familienmitgliedern selbstverständlich etwas abgegeben. "Dass ich beim Glücksspiel gewonnen habe, hat mich aber nicht davor bewahrt, Fehler zu machen", sagt Reisinger. Welche Fehler genau sie meint, will sie nicht genauer erläutern.
Schon seit 43 Jahren investiere sie regelmäßig Geld in Glücksspiele. "Es ist wie Kaffee-Trinken zu einer Art Ritual geworden. Pferderennen und Sportwetten mache ich aber nicht."

Georgina mit José Saavedra und Hermine Reisinger. / Privat
Dass sie nach einem Jahre lang andauernden und auch kostspieligen Prozess endlich ihre mittlerweile Adoptivtochter Georgina adoptieren konnte, sei für sie ein weiteres Wunder. Seit Georgina dreieinhalb Jahre ist, lebe sie bei Reisinger. Eigene leibliche Kinder zu bekommen, hatte die Kultwirtin zuvor vergeblich versucht, auch mittels künstlicher Befruchtung. Irgendwann habe sie beschlossen: "Einen dritten Versuch mache ich nicht. Gott will offenbar nicht, dass ich Kinder bekomme." Bei einem Nachbarn sei sie damals mit Georginas leiblicher Mutter in Kontakt gekommen, die ihr ihre Lebensgeschichte erzählt habe. Erst kümmerten sich beide Frauen um Georgina, später wollte ihre leibliche Mutter, dass Reisinger sie offiziell adoptiert. Das gelang der Langzeit-Residentin erst vor zehn Jahren, als Georgina 16 Jahre alt war.

Aufnahmen von Hermine Reisinger und Georgina aus längst vergangenen Zeiten. / Privat
Auch sonst schätzt sich Reisinger glücklich: "Ich habe einen tollen Mann, treue Gäste, ein gutes Geschäft. Ich bin rundum zufrieden mit dem, was das Leben mir gegeben hat."

Hermine Reisinger mit ein paar Gästen. / Privat
In die 43. Mallorca-Saison gestartet
2026 ist für Reisinger die 43. Saison auf Mallorca, und die 29. an ihrem jetzigen Standort im Carrer Eucaliptus. Hermine Reisinger gelangte im Herbst 1983 nach Mallorca. „Ich bin von Österreich erst nach Deutschland und habe dort viereinhalb Jahre lang in einem Tennis-Restaurant bei Heidelberg gearbeitet. Die Eigentümer haben eine Tennisanlage in Peguera gebaut", erzählte sie der MZ. "Ich wollte die Gastro dort machen, doch am Ende hat es jemand aus deren Familie übernommen." Mit ihrem damaligen Partner zog sie daraufhin nach Jordanien, bevor sie bei einem Österreich-Urlaub der Anruf erreichte, ob sie nicht doch nach Mallorca kommen wolle. Nach einem Kurzbesuch auf der Insel packte sie in Österreich all ihre Sachen und zog nach Peguera.

Das "Bei Hermine" in Peguera ist längst Kult. / Reisinger
Peguera war fortan nicht nur ihr Arbeitsort. Sie wurde dort auch sesshaft und war schon schnell nicht mehr wegzubekommen – vor allem nicht, seit sie im März 1991 im Carrer de les Malgrats ein Lokal pachtete. Darin eröffnete sie das erste "Bei Hermine". 1997 zog die Kneipe dann in ein neues, von ihr erworbenes Lokal im Carrer Eucaliptus um.
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