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„Ist das wirklich noch mein Bierkönig?“: Was im Partytempel am Ballermann jetzt alles anders ist

Der Bierkönig auf Mallorca hat nach Renovierungsarbeiten wieder geöffnet, wobei der ehemalige DJ Düse die Veränderungen kritisch betrachtet, während die Gäste geteilter Meinung sind

Der neue Bierkönig-Platz.

Der neue Bierkönig-Platz. / Ingo Wohlfeil

Ingo Wohlfeil

Ingo Wohlfeil

Mittwochmittag in der Schinkenstraße. Mit leichtem Stechen im Kopf schlurft DJ Düse in seine alte Wirkungsstätte, den Bierkönig. Erst vor wenigen Stunden war Düse letzter Mann in der Rutschbahn, der ältesten Disco am Platz. Doch für die Wiedereröffnung „seines“ Bierkönigs hat er sich extra den Wecker gestellt. 

Knapp 15 Jahre war der Leipziger DJ im Bierkönig. Jetzt zurück am alten Arbeitsplatz sieht man ihm seine Skepsis an. „Ist das wirklich noch mein Bierkönig?“, fragt er sich. Zu seiner Zeit wurde der Bierkönig in ‚Wohnzimmer’ umbenannt. Die Stammgäste waren Menschen, die bereit gewesen wären, spontan den verhassten Megapark abzufackeln, hätte Düse dazu aufgerufen. DJ Düse wurde in den Zehner-Jahren Kult im König. Sieben Tage die Woche legte er dort auf, trank kübelweise Kümmerling und beleidigte über das Mikro das Publikum. Im sogenannten alten Bereich. Das ist insofern wichtig, da der Bierkönig so groß ist, dass die Teilbereiche eigene - inoffizielle - Namen haben: alter Bereich, Biergarten, neuer Bereich. Jetzt ist ein weiterer Name hinzugekommen: Bierkönig Platz. So nennt sich der Raum um die neue Bühne im frisch sanierten Biergartenbereich.  Und eben dieser Bereich wurde am Mittwoch eröffnet, nachdem bereits in der letzten Saison der ‚neue Bereich‘ saniert wurde. Es ist etwas verwirrend.

Der Eingangsbereich im Bierkönig.

Der Eingangsbereich im Bierkönig. / Ingo Wohlfeil

Diese wurde geändert

Doch was hat sich eigentlich geändert? 

  • Die Bodenfliesen wurden teilweise ausgebessert. Stellenweise sind sie immer noch kaputt – seit Jahren
  • Die Innenbars wurden versetzt
  • Die Biergarten-Bühne ist größer und zentraler
  • An der integrierten Grillmeisterbude wurden XXL-Bratwurst und Frikadelle wurden jeweils einen Euro teurer und kosten jetzt 6,99 Euro
  • Die Treppen und Balustraden um den alten Bereich wurden abgerissen
  • Die Fenster im alten – unteren – Bereich wurden entfernt. Der aus Stein gebaute Bereich kann jetzt Richtung Biergarten mit Schiebetüren verschlossen werden
  • Auch an der Akustik soll gearbeitet worden sein. Das ist zunächst allerdings nicht herauszuhören. Vielleicht auch deshalb verschiebt sich der Zeitpunkt des ersten angekündigten Auftritts um gute 25 Minuten.
Frenzy sieht die Sonne. Die 33 Jährige eröffnete den „Biergartenplatz".

Frenzy sieht die Sonne. Die 33 Jährige eröffnete den „Biergartenplatz". / Ingo Wohlfeil

Um 12.24 Uhr betritt das Bierkönig-Aushängeschild die Bühne. Es heißt Frenzy und begrüßt die knapp 500 Anwesenden mit „einen wunderschönen guten Abend“. Dann fällt ihr auf, dass irgendetwas nicht stimmt. Es ist taghell. Gar nicht so ihre Uhrzeit. Und es klingt auch alles etwas anders als gewohnt. „Mehr Sound aufs Mikro und auf die Monitore“, ruft sie den Technikern zu, deren neuer Platz dort ist, wo einst der Balkon hing. Frenzy singt drei Lieder. Und dann ist alles wie immer. „Für mich war letzte Woche noch gefühlt Closing“, sagt die 33-Jährige nach ihrem Auftritt. „Es fühlt sich so an, als wären wir nie wirklich weg gewesen.“ Dem Umbau kann sie durchaus etwas abgewinnen. „Mein erster Eindruck: das ist unser Bierkönig geblieben, einfach nur ein bisschen optimiert.“ 

Das sagen die Gäste

Die Gäste, die meisten langjährigen Schinkenstraßen-Connaisseure sind da gewohnt etwas kritischer, aber mild. „Der Bierkönig ist unser Wohnzimmer und es ist so, als hätte jemand die Möbel umgestellt“, sagt Mira. „Es sieht zwar schön aus, aber der Sound muss noch optimiert werden“, findet Andreas (33) aus Fritzlar. Sein Freund Eugen (40) hat da ein ganz anderes Problem: „Was ich nicht schön finde, ist, dass es jetzt kein König Pilsener mehr gibt. In einen König gehört ein König Pilsener“. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Bierkönig nach 37 Jahren seine Stammbrauerei gewechselt hat. Jetzt wird dort ein anderes deutsches Gerstenprodukt serviert.

DJ Düse war 15 Jahre land DJ im Bierkönig.

DJ Düse war 15 Jahre land DJ im Bierkönig. / Ingo Wohlfeil

Das ist DJ Düse egal. Er hat in seinen Schichten immer nur Kümmerling und stilles Wasser getrunken. Er drückt seine Menthol-Zigarette in der Schinkenstraße aus, begrüßt die Türsteher mit Handschlag und schreitet durch den Eingang. Er verharrt und blickt sich um. „Es ist nicht mehr der Bierkönig“, sagt er, als er in den alten entglasten Bereich guckt, wo einst sein DJ-Pult stand. „Man muss aber auch mit der Zeit gehen. Vielleicht bin ich auch zu alt“. Letzte Frage: ob er dem Namen „Bierkönigplatz“ etwas abgewinnen kann? „Da halt ich mich raus“, sagt der Mann, der jetzt im Megapark arbeitet. Dann verharrt er kurz. Und hält sich nicht mehr raus. „Kacke“, sagt er und verschwindet in der Menge

Der Bierkönig feiert an diesem Wochenende sein Saison-Opening. Er ist täglich von 10 bis 4 Uhr geöffnet. 

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