Von Schaukelpferden und Beton-Ballermännern: So lief das Bierkönig-Opening am Ballermann
Fünf Tage Dauerparty sind vorbei. Jetzt heißt es kurz Bilanz ziehen und sich vorbereiten auf die nächste Makroparty – dem Opening im Megapark

Unter Schaukelpferden: Sänger Schuerze auf dem „Bierkönigplatz". / Ingo Wohlfeil
Voll, voll, voll und alle zufrieden. So könnte das vergangene Partywochenende fix zusammengefasst werden. Im Bierkönig am sogenannten Ballermann war die letzten fünf Tage Opening. Zehntausende von erlebnisorientierten Urlaubern und Residenten feierten ausgelassen den Start in die knapp 200 Urlaubs-Tage dauernde Saison. Aufatmen bei den Gastronomen, die eine schwierige Saison befürchteten. Gefühlt war es nie so früh so voll am Ballermann. Rund um die Uhr waren Restaurants, Bars, Kneipen und Biergärten bis auf den letzten Platz gefüllt.
Im Bierkönig gab es in den Abend- und Nachtstunden kein vor und zurück mehr. Um von einem Bereich in den anderen zu gelangen, benötigten die Gäste fast eine halbe Stunde. Auch zu den Toiletten gab es kaum ein durchkommen. Dicht an dicht standen die Menschen, die angereist waren, um ihre Idole wie Frenzy, Julian Sommer oder Tim Toupet zu bejubeln. Einlassstopps meldeten auch das Bamboleo oder der Megapark. Der lädt zwar erst in der nächsten Woche zu seinem offiziellen Opening, aber er profitierte ganz massiv von dem Bierkönig-Ansturm. Um Menschen aus dem Bierkönig in die eigene Lokalität zu locken, bot der Megapark seine größten Stars auf: Mia Julia, Mickie Krause, Pietro Lombardi, Isi Glück, Lorenz Büffel oder den umstrittenen Michael Wendler.
Zwei Sänger - gleicher Hit
Jedoch, von keiner der genannten Personen geht momentan die musikalische Inspiration aus, die die Gemeinde veranlasst, vom Ballermann-Hit der Saison zu sprechen. Der meist gespielte, meist gegrölte Song des Jahres heißt bisher „Mon Amour“ und stammt von der Schweizer Band „Hecht“. Da die helvetische Mundart an der Playa allerdings nicht von jedem verstanden wird, haben sich gleich zwei Sänger daran gemacht, diesen Song Ballermann-kompatibel zu arrangieren. Im Megapark wird er von Social Media Star Marc Eggers gesungen, im Bierkönig von Tobee, der bekanntermaßen im Hauptberuf Zahnarzt ist. Dieser Song bleibt hängen. „So lang ich noch Luft in meinen Lungen hab, brennt mein Herz für dich für immer lichterloh. Du bist für immer mon amour“. So schallt es von morgens bis abends durch die Gassen. Liebeslieder am Ballermann, die nicht von Mallorca handeln, das hat tatsächlich Seltenheitswert.

Sänger Schürze umgeben von goldenen Schaukelpferden. / Ingo Wohlfeil
Beeindruckendster Moment am Wochenende: die Sänger Schürze und Partycrasher zogen mit rund 200 Anhängern vom Balneario 6 in den Bierkönig. Jeder bewaffnet mit einem goldenen Luftballon im Schaukelpferd-Look. „Schaukelpferd“, so heißt der aktuelle Hit der beiden Bierkönig-Entertainer. „Jeder musste den Ballon selbst aufblasen“, sagt Sänger Schürze, der nach wie vor von der goldenen „Polonaise“ beeindruckt ist. „Wir haben auf Helium verzichtet, um den Flugverkehr nicht zu gefährden“. So viel vorausschauendes Verantwortungsbewusstsein hätte man von den Ballermännern gar nicht erwartet. So wurde sogar ein Aufräumdienst organisiert, um jegliches Müllaufkommen zu vermeiden. Fazit des Sängers: „es war unglaublich friedlich und positiv“. Und sehr schön anzusehen.
Die Beton-Ballermänner
Wildester Ort am Wochenende war die Latino Bar zwischen den Balnearios 7 und 8, dem Treffpunkt der Beton-Ballermänner. Also jenen Traditionalisten, die jegliche Neuerung und Veränderung ablehnen und diese sogar bekämpfen. In der Latino Bar sieht man Männer um die fünfzig in rosa T-Shirts mit der Aufschrift „Eskalationsteam“. Sie trichtern. Mit einem Trichters und einem Schlauch wird der „Trinkgenuss“ unter Zuhilfenahme der Schwertkraft beschleunigt. Für promenierende Feingeister ein Kulturschock, für alte Ballermänner mittlerweile ein Bild mit Seltenheitswert. Fast überall hat sich mittlerweile der Qualitätstourismus festgesetzt. Nicht hier, auf dieser kleinen Insel voller teutonischer Widerstandskämpfer. Mitten in der Latino Bar liegen auf einem Tisch trophäenartig übereinandergestapelt 40 leere Schnapskartons. Das sind grob überschlagen tausend Schnapsfläschchen. Ballermänner haben Geld, soviel steht fest, das sie bereit sind, unter die glücklichen Gastronomen zu bringen.

Leere Schnapskartons in der Latino Bar bezeugen die Kaufkraft der Party-People. / Ingo Wohlfeil
Spannend ist die Frage ob das Geld auch noch für das nächste Wochenende reicht. Dann feiert der nächste Großclub seine Saisoneröffnung. Der Megapark. Die Trichter-Jungs aus der Latino Bar werden bis dahin abgereist sein. Während der Bierkönig zumindest noch ein bisschen für verklärte Ballermann-Tradition steht, gilt der Megapark längst als der Treiber des Party-Fortschritts. Eine Location, die sich stets versucht neu zu erfinden und zu übertreffen. Das ist dann doch etwas zu viel Innovation für Trink-Nostalgiker.
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