Großbaustelle Bulevar in Deutschenhochburg Peguera: Was Urlauber jetzt wissen müssen
Laden- und Lokal-Betreibern bleiben wegen der Baustelle auf einem Teilstück der Hauptverkehrsader die Kunden weg. Auch das Urlaubsfeeling ist getrübt. Dabei ist es die erste Bauphase von mehreren

Die erste Bauphase des Bulevar betrifft das Stück vom Torà-Strand bis zur Einmündung mit dem Carrer Gavines. | FOTO: NELE BENDGENS
Gute Laune und Vorfreude auf die bevorstehende Saison sieht anders aus. Tomas von einem Supermarkt, der direkt am Bulevar von Peguera liegt, an dem am Freitag (24.4.) immer noch fleißig gewerkelt und ausgebessert wird, macht einen betrübten Eindruck. Mitte März hat er sein Geschäft, einen Monat später als sonst, geöffnet. „Wenn ich geschlossen bleibe, muss ich die 2.000 Euro Miete trotzdem zahlen. Auch bei den Müllgebühren kommt uns das Rathaus nicht entgegen. Dabei können wir unseren Müll aktuell hier nicht einmal direkt entsorgen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Tausende Euro Umsatz wir durch die ausbleibende Kundschaft schon verloren haben“, sagt der Ungar, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Gerade einmal fünf bis zehn Kunden betreten den von Baulärm, Staub und herumliegendem Baumaterial gebeutelten Laden pro Tag. Am Freitag hat er bis zum MZ-Besuch am Mittag erst 5 Euro Umsatz gemacht.
Staub, Lärm und verwirrte Kunden
Während Tomas der MZ sein Leid klagt, kommen zwei potenzielle Kunden in das Geschäft, gehen wenige Sekunden später aber wieder. „Der Lärm stört einfach. Zudem fliegt immer wieder Staub herein“, so Tomas. Auch unzählige Produkte mit Haltbarkeitsdatum habe er aufgrund der ausbleibenden Kundschaft schon wegwerfen müssen. Er schaut kurz in seinem Kassensystem nach und stellt fest, dass er genau ein Jahr vorher am 24. April 600 Euro Umsatz gemacht hat. „Einen Lohn kann ich mir gerade nicht auszahlen. Eigentlich haben meine Partner und ich sogar Mitarbeiter. Doch wann die in diesem Jahr einsteigen, hängt ganz davon ab, wann die Bauarbeiten endlich beendet sind“, sagt Tomas.
An diesem Tag sollen die Bauarbeiten zu Ende sein
Im Rathaus bittet man noch um Geduld. Joan Thomàs, der zuständige Gemeinderat von Calvià, lässt wissen: „Am 31. Mai sind die Bauarbeiten beendet, zumindest ein Großteil. Vorher auf keinen Fall. Es ist eine komplizierte Baustelle, auch weil die Leitungen an manchen Stellen in bis zu neun Metern Tiefe verlegt werden müssen. Passanten sehen das nicht.“
Im Winter 2026/2027 geht ’s weiter
In den kommenden Wintern soll der bekannte Bulevar in mehreren Bauphasen weiter ausgebessert und aufgehübscht werden. Die aktuelle erste Bauphase betrifft lediglich das 300 Meter lange Teilstück vom Torà-Strand bis zur Einmündung mit dem Carrer Gavines. Im Winter 2026/2027 geht es dann von dort aus gen Westen weiter. Dann dürfte es ungemütlich werden im Außenbereich von Krümels (Marion Pfaff) Lokal Schatzi (ehemals La Tasca), das sie erst vor wenigen Wochen direkt am Bulevar eröffnet hat. Denn ab hier beginnt der zweite Bauabschnitt.
Pfaff ist schon jetzt genervt von den Bauarbeiten. Der Grund: Vor ihrem Hauptlokal, Krümels Stadl, das nur wenige Meter entfernt ist, stehen momentan Bauzäune. Auch die Lieferanten stöhnten, da sie nur schwer zu dem Lokal kämen. „Im Moment leben wir von Stammgästen und Urlaubern, die direkt hinter dem Stadl in Hotels untergebracht sind. Potenzielle Laufkundschaft bleibt meist vor der Baustelle stehen und findet dann den Weg nicht“, sagt die bekannte Gastronomin.

Gastronomin Marion Pfaff vor ihrem Stadl. / Bendgens
Auch eine Gruppe von Rennradfahrern aus Dresden staunt am Freitag (24.4.) nicht schlecht, als der Bulevar plötzlich endet und der Weg offenbar nur über eine Treppe weiterführt. „Das Navi hat uns hier hingeschickt, doch jetzt geht es plötzlich nicht weiter“, sagt einer der Männer. Das GPS ist offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand. Dann werden die Räder eben getragen. „Unten am Strand kann man entlangfahren“, sagt ein Passant.

Der Radausflug endet abrupt. / Nele Bendgens
Viele Geschäfte und Hotels sind nur schwer zu erreichen
Hier führt auch der Umweg für die Mitarbeiter entlang, die von einer Wohnung nahe des Lokals La Hacienda zu den Lokalen von Pfaff kommen wollen. Fußgängerbrücken gibt es auf dem 300 Meter langen Bauabschnitt nämlich keine. Viele Lokale, Geschäfte oder Hotels sind dadurch nur sehr beschwerlich zu erreichen. „Jeder dort hat hohe finanzielle Einbußen. Manche Lokale haben normalerweise ganzjährig geöffnet“, weiß Pfaff. „Ich finde es ja gut, dass der Bulevar verbessert wird, denn viele hatten hier regelmäßig Probleme mit Abwasserrohren und Co. Die Teilstücke sollten aber kleiner sein.“ In diesem Fall würden die Bauphasen dann jeweils nur von November bis Februar gehen. „Wie viele Winter das dauert, ist dann fast egal“, findet Pfaff.
Das sagen die Urlauber
„In ein Restaurant direkt an der Baustelle würde ich mich nicht hinsetzen“, bestätigt Urlauberin Sandra Link aus Gelsenkirchen, die mit ihrem Mann Karsten in einem Hotel am anderen Ende von Peguera untergebracht ist. „Die Ausmaße der Baustelle sind extrem. Das Urlaubsfeeling ist etwas getrübt. Allerdings nicht so, dass ich direkt wieder nach Hause fliegen würde“, finden die Urlauber Thorsten und Dirk an der Plaza Torà. Vor allem Dirk war schon öfter da, zuletzt im Februar. „Falls ich wiederkomme, würde ich mich genau informieren, wo dann gebaut wird. In ein Hotel direkt an der Baustelle würde ich nicht gehen, selbst wenn es dort Vergünstigungen gibt“, weiß er sicher.

Die Urlauber Karsten und Sandra Link. / Nele Bendgens
Nicht so schlimm wie erwartet
Die Unterkunft eines Hoteliers, den die MZ interviewt hat, liegt zumindest zum Teil am betroffenen Bauabschnitt. „Ich habe mir den Lärm der Bauarbeiten schlimmer vorgestellt“, so der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Zudem würden die Bauarbeiter um 17 Uhr die Arbeit niederlegen. Wenn viele Urlauber von ihren Wanderungen oder Ausflügen zurückkommen, seien sie daher gar nicht mehr von den Arbeiten beeinträchtigt.
Zu seinem Hotel komme man auch durch einen Eingang an einer anderen Straße. Kunden, die sich gestört fühlen, werden in eines der nicht an der Baustelle liegenden Gebäude umgebucht. „Manche wollen die Zimmer zum Bulevar hinaus aber explizit, da es die einzigen mit Meerblick sind. Am Ende darf man nicht vergessen, dass keinesfalls ganz Peguera von den Bauarbeiten betroffen ist, sondern lediglich ein 300 Meter langes Teilstück.
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