Bereit für die Invasion: MZ-Besuch auf der Burg von Capdepera, die an diesem Wochenende zum Mittelpunkt von Mallorca wird
Von Freitag (15.5.) bis Sonntag (17.5.) strömen wohl wieder Tausende zum Mittelaltermarkt in Capdepera. Ein Blick hinter die Kulissen

Die bereits festlich geschmückte Burg von Capdepera wartet auf den Run zum Mittelaltermarkt / Sophie Mono
„Weiter links“, ruft einer der Männer. Sein Kollege gehorcht, zieht die Halterung fest. Ein weiteres bunt bemaltes Wappen prangt jetzt an der Mauer der Burg von Capdepera. Es ist Montagvormittag (11.5.) und die Mitarbeiter der städtischen Wartungsdienste arbeiten auf Hochtouren. Vier Tage noch bis zum Beginn des Mittelaltermarkts, der am Wochenende erfahrungsgemäß wieder Zehntausende Besucher nach Capdepera locken wird.
Die Burg der Bürger

Schöner Ausblick, schöne Atmosphäre: Der Besuch im Castell de Capdepera lohnt sich nicht nur zum Mittelaltermarkt / Sophie Mono
„Es ist noch einiges zu tun“, bestätigt Maria Pilar Díaz Villafaina. Nicht nur, aber vor allem rund um die Burg. Die Lokalpolitikerin der links-ökologischen Regionalpartei Més ist als Gemeinderatsdezernentin für alle Angelegenheiten rund um das Castell de Capdepera zuständig. Dieser Tage ist sie besonders stark eingespannt. Trotzdem führt sie die MZ bereitwillig vor dem großen Spektakel über das Burggelände. Man merkt ihr an, dass sie nicht nur geschichtsinteressiert ist, sondern auch durch und durch gabellina, wie die Einwohnerinnen von Capdepera heißen. „Die Burg ist für uns alle hier sehr wichtig. Sie ist unser Symbol und stärkt unsere Identität“, sagt sie.
Schon als Kind sei sie zu religiösen Anlässen mit ihren Eltern in die alte Kapelle gegangen, die mitten in der Festungsanlage liegt, berichtet Díaz. „Dort habe ich auch geheiratet. Und meine Freundinnen haben während meiner zwei Schwangerschaften zu der alten Marienstatue gebetet, dass alles gut verläuft. Mit Erfolg.“ Dabei mutete die Burg in ihrer Kindheit noch ganz anders an als heute. „Bis 1983 war das Gelände in Privatbesitz und total heruntergekommen und vernachlässigt“, erinnert sich Díaz. Eine der ersten Amtshandlungen des nach der Franco-Diktatur gebildeten Gemeinderats sei es damals gewesen, den Kauf der Burg in die Wege zu leiten.
Gepflegt, restauriert, gesichert

Neben einer Palmflechtausstellung sind auch sakrale Artefakte dauerhaft in der Burg von Capdepera ausgestellt / Sophie Mono
„Seitdem hat sich hier viel verändert. Damals hausten hier Ziegen, die Feigenkakteen wucherten, auch die befestigten Wege gab es so nicht“, so Díaz weiter. Heute ist alles gepflegt, restauriert, gesichert. Der Stolz der gabellins – und ein ganzjähriger Publikumsmagnet für Auswärtige. „Im Jahr 2025 hatten wir gut 119.000 zahlende Besucher, rund 40 Prozent davon Deutsche“, sagt die Gemeinderätin. Schulklassen und Anwohner, die kostenlos Eintritt haben, nicht mitgerechnet. Angeleitete Führungen gibt es nicht, dafür viele QR-Codes aufgestellt, anhand derer die Besucher Infos auf ihre Smartphones laden können. In wenigen Monaten soll noch Virtual Reality hinzukommen. Dann kann man die Gemäuer von damals auf dem Handy virtuell wieder auferstehen lassen.
Doch auch ohne die neueste Technik lohnen sich die drei Euro Eintritt allemal. Allein schon die Aussicht über Capdepera, Cala Ratjada und sogar hinüber bis nach Menorca ist spektakulär. „Heute genießen wir sie. Unsere Vorfahren dagegen nutzten sie zu ihrer eigenen Sicherheit“, sagt Díaz und zeigt auf einen der Türme. Ganz früher habe es hier nur diesen Wachturm gegeben, den Torre de’n Nunis. „Er stammt aus der Zeit vor dem 13. Jahrhundert.“ Einer Zeit, als das Meer für die Küstenbevölkerung Mallorcas vor allem Gefahr bedeutete und die Angriffe von Piraten häufig waren.

Von der Burg aus kann man bis nach Menorca hinüberschauen / Sophie Mono
Alle anderen Bauwerke und die Festung selbst entstanden später. „1300 veranlasste König Jaume II, der damals über Mallorca herrschte, aus strategischen und militärischen Gründen rund um den Turm eine Festungsmauer zu errichten und die damals verstreut lebenden Bauern dazu zu bringen, in kleine Häuser innerhalb der Mauern zu ziehen.“ Gut 40 Häuschen entstanden damals auf dem Areal. Ausgrabungen in den vergangenen Jahren förderten einige der Grundmauern wieder zutage. Im 17. Jahrhundert siedelten sich die Menschen wieder außerhalb der Burg am Fuße des Berges an und suchten nur im Angriffsfall Schutz. Später, im 18. und 19. Jahrhundert, nutzte das Militär die Burg als Kaserne. Aus dieser Zeit stammt auch das damalige Gouverneurshaus – das am besten erhaltene Gebäude der Anlage.
Alle machen mit

Die Wappen für den Mittelaltermarkt sind handbemalt. / Sophie Mono
„Wieder ein Wappen fertig“, sagt einer der städtischen Mitarbeiter. Díaz nickt zufrieden. „Alle handbemalt, von Schulen, Kindergärten und Seniorenzentren aus dem Ort“, erklärt sie mit Blick auf die Holzschilder. Seit der Mittelaltermarkt vor 26 Jahren ins Leben gerufen wurde – damals anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Burg – ist er in das lokale Brauchtum eingegangen. Stets ist man bemüht, trotz der Besuchermassen auch die Anwohner teilhaben zu lassen: Freitagvormittag ist der Markt Kindern und Senioren aus den Gemeindeeinrichtungen vorbehalten. „Sie sollen Stände und Kunsthandwerker in Ruhe erleben. Leider respektieren das die Auswärtigen immer weniger und kommen schon vor der offiziellen Eröffnung am Freitagnachmittag, sagt Maria Pilar Díaz.
Dass es dann nicht nur an der Burg, sondern im ganzen Ort richtig voll wird, nehmen die meisten Anwohner mit einer Mischung aus Freude und Genervtheit hin. „Manch einer stöhnt wegen des Ausnahmezustands, genießt das Fest aber selbst“, so Díaz. Und einmal im Jahr der Nabel der Insel zu sein, hat ja auch seinen Reiz.
Likör und Kecks am Traditions-Stand
Unterhalb der Festungsmauer, wo die Männer nun die letzten Wappen aufhängen, flattert eine Tischdecke aus mallorquinischem Flammenstoff. Der Stand der gemeinnützigen Vereinigung Can Planetes ist der erste, der im Aufbau ist. Für alle Einheimischen ist es während des Mercat Medieval ein Muss, hier einen selbst gemachten Kräuterlikör samt Keks zu vertilgen – und die Burg zu genießen. Ihre Burg, in all den Jahren. Trotz der auswärtigen Invasion zum Mittelaltermarkt.
Anfahrt und Programm
Der Mittelaltermarkt wird am Freitag (15.5.) um 18 Uhr offiziell eröffnet. Bis Sonntagabend (17.5.) erstrecken sich zahlreiche Stände über das Ortszentrum. Details zum Programm auf Deutsch finden Sie hier. Wer von auswärts mit dem Auto kommt, sollte entweder im Industriegebiet parken und den Rest laufen. Alternativ kann am Sportplatz (polideportivo) geparkt werden. Auch am Carrer Nord und Carrer Ses Roses stehen Parkplätze zur Verfügung, diese sind erfahrungsgemäß aber schnell belegt. Tipp: In Artà oder Cala Ratjada parken und von dort mit dem Bus oder dem Bummelzug nach Capdepera hineinfahren.
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