Deutsche Juwelierin mit mallorquinischen Stammkunden in Manacor: "Fast betrachte ich mich selbst auch nicht mehr als Deutsche!"
Jessica Janke hat sich in der Pandemie neu erfunden. In Manacor verhilft die Schmuckdesignerin Paaren zu unvergesslichen Momenten

Jessica Janke in ihrem Geschäft in Manacor. / Sebastià Sansó
Die Deutsche Jessica Janke (Bremen, 1975) betreibt schon seit November 2024 ein Kunsthandwerksgeschäft im Carrer Mercadal in Manacor. Das nach ihren drei Kindern genannte Geschäft Circle3 ist ein besonderer Ort mit eigenem Schmuck, aber auch mit Taschen und Vasen, die Janke selbst entworfen hat. Manchen Kunden wird Circle3 wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben: Bei Workshops mit der Deutschen können Paare hier ihre eigenen Ringe entwerfen und anfertigen.
Wie kommt eine Deutsche nach Manacor, um ein Kunsthandwerks-Juweliergeschäft zu eröffnen?
Hier habe ich das Verkaufslokal und stelle auch einige Stücke her, aber meine Hauptwerkstatt befindet sich in Porreres. Ich habe dort eine Zeit lang verkauft, aber da es dort wenig Laufkundschaft gab, wollte ich ein Lokal eröffnen, das mehr Sichtbarkeit hat. Ich kam schon früher in diese Geschäftsräume, als Kundin, als es noch ein Concept Store war. Als die Besitzerin in den Ruhestand ging, fragte sie mich, ob ich diese Räumlichkeiten übernehmen wolle, um mein Kunsthandwerk zu verkaufen. Das erschien mir eine großartige Idee … und hier bin ich.
Stammen Sie aus einer Juweliersfamilie?
Ich habe auf Mallorca als Innenarchitektin angefangen, aber die Pandemie hat mich – wie auch viele andere Menschen – dazu gebracht, bestimmte Dinge und Zielsetzungen zu verändern. Unter anderem habe ich über meine Arbeit reflektiert und ganz neu überlegt, was ich machen will. Ich ließ alles hinter mir und begann eine Ausbildung im Schmuckdesign. Ich liebe es, zu gestalten, und habe darin meine wahre Leidenschaft entdeckt. Das, zusammen mit meiner früheren Arbeit als Industriedesignerin, gab mir das Know-how und eine gewisse Ausgangserfahrung, um mit verschiedenen Materialien zu arbeiten.
Sie bieten auch Workshops an, damit Paare ihre personalisierten Eheringe entwerfen können. Wie läuft das ab?
Ich finde, Schmuckdesign sollte eine kreative und unterhaltsame Handwerkskunst sein. Wir organisieren Workshops, damit ein Paar seine eigenen Eheringe entwerfen und herstellen kann, aber natürlich steht das auch anderen offen … auch zum Beispiel für einen Freundschaftsring.
Und wie macht man das in so kurzer Zeit?
Normalerweise auf Grundlage eines Wachsmodells, das sich leichter formen lässt und unendliche Möglichkeiten bietet. Es ist einfacher, als direkt mit Feuer und Metall zu arbeiten, auch wenn am Ende jeder das Material auswählt, das er möchte. Zuerst mit Wachs zu arbeiten, ermöglicht es den Teilnehmern, die Idee, die sie im Kopf haben, besser umzusetzen, bevor sie dann zum endgültigen Ring übergehen.
Wie lange dauert es, bis der Ring fertig ist?
Die Workshops dauern normalerweise vier Stunden oder etwas länger, weil wir am Ende meist eine Stunde damit verbringen, den Ring zu polieren und fertigzustellen.
Welche Materialien verwenden Sie?
Ich fertige Stücke aus verschiedenen Materialien an, von Silber bis zu lackiertem oder vergoldetem Messing. Ich nutze auch Vollgold, aber nur auf Bestellung.
Welche Modelle oder Formen bevorzugen Sie? Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Im Allgemeinen ziehe ich architektonische und geradlinige Dinge vor, aber ich kann auch Früchte, Blumen oder kleine Insekten oder Fischchen machen … Es gibt keinen Katalog; ich entwerfe es und verkaufe es direkt.
Es gibt also keine bestimmte Kollektion?
Ich mache jeden Tag etwas Neues … es gibt keine Kollektionen. Ich glaube, ich trage zu viel Kreativität in mir (lacht). Die Designs und Ideen entstehen spontan, während des eigentlichen Schaffensprozesses.
Haben Sie mehr mallorquinische oder mehr ausländische Kunden?
Die Stammkunden sind fast alle Mallorquiner. Ich lebe seit 24 Jahren hier … fast betrachte ich mich selbst auch nicht mehr als Deutsche!
Gibt es Unterschiede im Kaufverhalten?
Die Mallorquiner kaufen viele Geschenke für andere Menschen und beauftragen besondere Schmuckstücke, beispielsweise anlässlich von Geburtstagen. Sie kommen mit Ideen oder besonderen Steinen, die ich dann verarbeite. Die Deutschen hingegen kaufen eher für sich selbst, stöbern im Laden, und wählen aus, was sie selbst schön finden. Dass sie seltener Bestellungen aufgeben, liegt aber natürlich auch daran, dass sie, wenn sie Urlauber sind, nur für kurze Zeit auf der Insel sind.
Verkauft sich Schmuck das ganze Jahr über?
Es gibt in der Zeit nach Weihnachten bis Mitte März immer einen Rückgang, aber danach ziehen die Verkäufe wieder an. Viele Menschen suchen Geschenke, und hier ist ein idealer Ort dafür. Es gibt Kunden, die schon mit einer klaren Idee kommen, die kaufen, ohne den Schmuck anzuprobieren, und andere, die zehn oder fünfzehn Stücke anprobieren und sich trotzdem nicht entscheiden.
Sie haben auch sehr besondere Taschen im Geschäft.
Ja, auch die entwerfe und nähe ich selbst, mit Stoffen, die mir gefallen, und nach einem Schnittmuster, als wäre es zum Beispiel ein großes Portemonnaie. Am Ende ist dies eben ein Kunsthandwerksgeschäft. Die Stücke sind einzigartig, sie wiederholen sich nicht, und das macht sie in diesem Sinne sehr besonders. Ich versuche, anders zu sein.
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