Millionen-Umbau fertig – doch Palmas Paseo Marítimo kämpft um seine Gäste
Die Richtung für Palmas Ufer-Boulevard nach dem Millionen-Umbau ist klar: gehobener und ruhiger. Doch Minimarkets, Parkplatzmangel und die fehlende Vermarktung bremsen den Neustart

Der neue Paseo sucht Publikum / Nele Bendgens
Es ist die erste richtige Saison für ein langwieriges Millionenprojekt: Palmas neuer Prachtboulevard Paseo Marítimo kann sich nach der mehrere Jahre dauernden Umgestaltung derzeit erstmals so richtig unter Urlaubern, Anwohnern, Gastronomen, Hotel- und Nachtclub-Betreibern beweisen. Hört man sich bei den verschiedenen Parteien um, wird schnell klar: Jeder ist noch dabei, seinen Platz zu finden und muss sich auch noch mit so manchen nicht perfekten Gegebenheiten arrangieren. Bei den Vorschlägen für Verbesserungen sind sich alle einig. Hier sind vor allem die Stadtverwaltung und die Hafenbehörde gefragt. Der Blick in die Zukunft ist dennoch positiv, die Linie klar: Der Umbau hat den Weg dafür geebnet, dass es an Palmas Paseo Marítimo nun deutlich niveauvoller und gehobener zugehen kann als noch vor einigen Jahren.

Der neue Paseo sucht Publikum
„Der langwierige Umbau hat einige Lokalbetreiber schwer getroffen. Viele mussten lange Zeit schließen, einige haben gar nicht überlebt. Das hat dazu geführt, dass sich ein Großteil der Besucher in andere Ausgehzonen abgewandert ist, etwa Portixol. Eines der Ziele ist es nun, dieses Klientel zurückzugewinnen“, sagt Tomeu Más vom Branchenverband CAEB Restauración. Im Frühjahr 2026 war der Paseo Marítimo fertiggestellt. Die Wiederbelebung des Nacht- und Geschäftslebens lief nur schleppend an. Mittlerweile würden sich die Geschäfte und Lokale langsam von dem Einschnitt erholen.
Schwierige Parkplatzsituation
Ein Grund für ausbleibende Kunden sind auch die nun fehlenden Parkplätze. Der Umgestaltung sind circa 1.200 Parkplätze zum Opfer gefallen. Die Auswirkungen kann man sich in einer Stadt, in der ohnehin schon jedes belebte Viertel ein Parkplatzproblem hat, ausmalen. „Vor dem Umbau gab es in jede Richtung drei Fahrspuren. Auf jeweils einer von ihnen haben Autofahrer oft einfach direkt vor den Lokalen geparkt“, weiß Antonio Ruiz, Vorsitzender der Nachbarschaftsvereinigung des Paseo Marítimo. Seit der Umgestaltung gehe es zwar deutlich geordneter zu. Allerdings hätten nicht nur Gäste, sondern auch die Anwohner nun Probleme, Parkplätze zu finden.
Einer der Vorschläge, die im Raum stehen: Besucher der Geschäfte und Lokale am Paseo Marítimo sollen zu vergünstigten Preisen in den Parkhäusern vor Ort parken können, etwa im Parking Marqués de la Sénia, so Tomeu Más. Valerio Petrillo vom balearischen Nachtleben-Verband ABONE betreibt am Paseo Marítimo selbst drei Lokale (Quentin’s American Bar, Best Pizza Palma, Made in Brasil). Auch er hat seinen Gästen zumindest während der Bauarbeiten Parktickets erstattet, damit sie zu ihm kommen. Mittlerweile kämen durch das hohe Urlauber-Aufkommen auch so genügend Kunden.
Dennoch muss sich etwas tun: Palmas Behörden prüfen derzeit, wo sie neue Parkflächen oder -häuser einrichten können.
Ausbau der Öffis
Neben Parkplatzalternativen ist den Mitgliedern des Verbands der Händler und Gewerbetreibenden am Paseo Marítimo (ACOIPAM) auch eine gute Anbindung durch die öffentlichen Verkehrsmittel ein Herzensanliegen. Laut dessen Geschäftsführerin Jas Mejia hätte sich der Verband etwa dafür eingesetzt, dass es neben der L1 (Porto Pi-Sindicat) eine weitere Buslinie gebe, die den Paseo Marítimo abfährt. Dem sei die Stadt mit der Linie 30, die seit Herbst 2025 in Betrieb ist, nachgekommen. „Da sie zwischen dem Kongresszentrum und dem Marivent-Palast fährt, können Besucher ihre Autos jeweils dort abstellen und sich dann mit dem Bus weiterbewegen“, so Mejia. Derzeit setze sich der Verein noch dafür ein, dass die Fahrzeiten in die Nacht hinein erweitert werden. Denn kurz nach 21 Uhr ist Schluss. Und die Nachtbuslinie N1 verkehrt erst ab 0.30 Uhr.
Was den geplanten Wasserbus betrifft, ist etwa ACOIPAM zwar für das Projekt, die Mitglieder haben jedoch am Nutzen für den Paseo Marítimo ihre Zweifel. „Das Parkplatzproblem wird er nicht lösen. Wir denken auch, dass die Wasserbusse voller Kreuzfahrttouristen sein werden und für andere daher kaum mehr Platz sein wird“, so Mejia.

Schicker, aber weniger Parkplätze und problematische Minimarkets. / FOTOS: NELE BENDGENS
Gemeinsam gegen Minimarkets
In einer weiteren Sache sind sich die Befragten ebenso einig: Statt Saufgelage zu unterstützen, sollen die Lokale und Geschäfte zunehmend auf Qualität und entsprechendes Klientel setzen. Die Minimarkets, kleine Supermärkte, die oft bis in die frühen Morgenstunden geöffnet sind, würden nicht dazu beitragen. „Ab 0 Uhr dürfen sie eigentlich keinen Alkohol mehr verkaufen. Wir haben allerdings Stichproben durchgeführt und dabei herausgefunden, dass sie das sehr wohl tun“, so Antonio Ruiz von der Nachbarschaftsvereinigung, die die Vorfälle zur Anzeige gebracht hat. Die so entstehenden Saufgelage auf der Straße hätten Müll-Probleme zur Folge und auch, dass sich statt gehobenerem Klientel Sauftouristen am Paseo Marítimo herumtreiben. Hier muss die Polizei härter durchgreifen, fordert etwa auch Valerio Petrillo stellvertretend für den Verband.
Ältere und gehobenere Kunden
Während vor einigen Jahren der Großteil der Lokale mit Reggaeton-Musik ein jüngeres Publikum angezogen hätte, gebe es nun nicht nur musikalisch gesehen mehr Vielfalt. „Mittlerweile kommen etwa auch viele über 30-Jährige“, sagt Petrillo. Die Eröffnung des Fitz Club im ehemaligen Tito’s und später Lío sorge ebenfalls für gehobeneres Publikum. „Die Gruppe hat auch ein Lokal in Marbella, sie weiß, was ein gutes Image ausmacht“, so Petrillo. Für die kommenden Wochen sei zudem die Wiedereröffnung des Social Club geplant. In das ehemalige Pacha soll laut Petrillo das japanische Edel-Restaurant Roka ziehen. Ob um die Geschäfte ansehnlicher oder die Diskotheken akustisch zu isolieren, viele Betreiber hätten zuletzt viel Geld in Umbauarbeiten investiert. Dass zunehmend große Namen wie die aus den USA stammende Kette Five Guys Burgers and Fries am Paseo Marítimo ansässig sei, werte den Paseo auch auf.
Nun fehle nur noch ein entsprechendes Marketing der Stadt für Palmas neue Ausgehmeile. ACOIPAM etwa sei derzeit mit einigen Institutionen im Gespräch, damit dort Veranstaltungen wie Nachtmärkte, Marathons, Gastro- und Weinmessen stattfinden.
Petrillo: „Die Weichen dafür, dass der Paseo Marítimo zur besten Promenade am Mittelmeer werden kann, sind gestellt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich das herumgesprochen hat.“
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