"Ich bin einfach nur fertig. Wenn wir hier endlich wegkommen, haben wir 25 Stunden auf dem Flughafen Barcelona verbracht. Keiner hat uns geholfen, niemand war ansprechbar. Man hat uns hier einfach sitzen lassen", beschwert sich eine deutsche Urlauberin gegenüber der MZ. Wegen des Unwetters auf Mallorca am Dienstag (11.6.) wurde ihr Eurowings-Flug von Köln, der nach Palma gehen sollte, umgeleitet. Eigentlich sollte die Urlauberin längst auf dem Tui-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 2" sein. Das wartet nun auf die fehlenden Passagiere.

Die Deutsche aus Bad Honnef ist mit ihrem Mann und drei befreundeten Pärchen unterwegs. Im Flieger kam die Durchsage, dass der Flug wegen der Überflutung auf dem Flughafen Palma nach Barcelona umgeleitet wird. "Wir dachten uns dabei erstmal nichts", sagt die Urlauberin. 15.45 Uhr landeten sie in der katalanischen Metropole, anderthalb Stunden verbrachten sie im Flugzeug auf dem Rollfeld. "Der Pilot machte eine Ansage, dass er hoffe, Überstunden machen zu dürfen, um uns noch nach Palma zu bringen." Das war dann aber nicht der Fall. Eine Ersatzcrew stand nicht parat. "Dann kam die Durchsage: Die Reise endet hier."

Wie der Starkregen den Flughafen Mallorca unter Wasser setzte

Wie der Starkregen den Flughafen Mallorca unter Wasser setzte

Alle Notrufnummern nicht erreichbar

Im Flughafen erhofften sich die Passagiere Antworten, wie es weitergehen soll. "Wir haben alle Notrufnummern durchtelefoniert: Tui Cruises, Eurowings, selbst die Polizei. Niemand war erreichbar", sagt die Urlauberin. In einer Whatsapp-Gruppe hatten sich die Urlauber mittlerweile zusammengeschlossen, "auch um eine Sammelklage vorzubereiten".

"Wir wussten nicht, ob unsere Koffer vom Reiseveranstalter zum Schiff transportiert werden oder ob wir sie beim Gepäckband abholen sollten." Letzteres war schließlich der Fall. Taschendiebe nutzten die Hilflosigkeit der Deutschen aus. "Ich hatte einen Rucksack zwischen meinen Füßen stehen. Plötzlich kam mein Mann und fragte: 'Wo ist denn mein Rucksack hin?'" Insgesamt sechs Rucksäcke seien abhanden gekommen. Ein Passagier erwischte den Taschendieb. "Es kam zu einer blutigen Schlägerei. Der Mann wälzte sich mit dem Dieb auf dem Boden. Von der Polizei war weit und breit nichts zu sehen", sagt die Deutsche.

Dort stand zuvor ein Rucksack, der gestohlen wurde. Privat

Erst 1.29 Uhr kam die Info, wann der Flug nun starten soll

Um 20.31 Uhr gab es endlich eine SMS von Tui Cruises: "Selbstverständlich kümmern wir uns um eine Ersatzbeförderung. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten." Einzelheiten gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Weder wurden Verzehrgutscheine verteilt, noch eine Unterbringung im Hotel veranlasst. " Eine Männergruppe ist auf eigene Faust auf eine Fähre umgestiegen. Das hätten wir wohl auch tun sollen", so die Deutsche.

Ihre Reisegruppe verbrachte die Nacht auf dem Flughafen. "Andere hatten nach Hotels geschaut. Im Umkreis von 30 Kilometern war aber alles ausgebucht", so die Urlauberin. Solange es ging, warteten sie in den Restaurants. "Uns wurden förmlich die Stühle unter dem Hintern im Burger King weggezogen, weil die schließen wollten." Um 1.29 Uhr gab es weitere Anweisungen: "Der neue Flug nach Palma ist um 16.20 Uhr vorgesehen. Mein Schiff 2 wartet auf Sie."

"Jetzt ist für heute das nächste Unwetter angesagt. Ich hoffe, dass sich die Geschichte nun nicht wiederholt", so die Deutsche. Laut Medienberichten fehlten dem Tui-Kreuzer, der am Dienstagabend ablegen sollte, 1.000 Passagiere. Ein Sprecher dementierte die Zahl gegenüber der MZ, wollte aber keine genauen Angaben machen. Für die Betreuung der Urlauber am Flughafen sei Eurowings als Airline zuständig. Tui selbst hat auf dem Flughafen Barcelona keine Basis und konnte nicht eingreifen.

Mitarbeiter planscht am überfluteten Flughafen Mallorca

Mitarbeiter planscht am überfluteten Flughafen Mallorca Redaktion DM

Was Eurowings dazu sagt

Eurowings bedauerte auf MZ-Anfrage die Ereignisse. Hier das komplette Statement seitens der Presseabteilung:

"Der besagte Flug ist gestern aus bekannten Gewittergründen nach Barcelona ausgewichen, da am Flughafen PMI zu dem Zeitpunkt keine Landungen möglich waren. Nach der erforderlichen Ausweichlandung nach BCN war aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten für die Crews ein Weiterflug nach PMI dann nicht mehr möglich. Hinzu kam, dass viele andere Airlines ebenfalls nach BCN ausgewichen sind und der Flughafen überlastet war. Infolgedessen musste der Weiterflug auf den heutigen Mittwoch verschoben werden. Die Abflugzeit war die früheste mögliche unter Berücksichtigung der Mindestruhezeit für die Crew. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um unsere Gäste trotz widriger Umstände schnellstmöglich an ihr Ziel zu bringen - dabei hat aber die sichere Durchführung von Flügen oberste Priorität. Leider standen uns gestern wie heute weder Ersatzmaschinen oder Crews zur Verfügung, um einen früheren Flug zu ermöglichen. Wir bedauern es außerordentlich, dass wir unsere Fluggäste nicht wie geplant nach PMI fliegen konnten und es infolge der außerplanmäßigen Landung in Barcelona zu Unannehmlichkeiten für die Reisenden gekommen ist. Wir haben den Gästen des besagten Fluges Essensgutscheine als digitale Voucher auf ihre Bordkarte ausgestellt. Hierbei wird ein Guthaben auf dem Barcode der Bordkarte hinterlegt. Wir haben die Gäste darüber informiert, dass sie ihren Gutschein in teilnehmenden Flughafenrestaurants/-shops einlösen können. Selbstverständlich ist es unser oberstes Ziel, auch für jeden Fluggast eine Hotelübernachtung zu organisieren - das galt auch für den Abend in BCN, aber da der Flughafen der zentrale Anlaufpunkt für ein Vielzahl von Flügen war, die kurzfristig auf eine begrenzte Hotel-Kapazität gestoßen waren, ist uns das im konkreten Fall leider nicht gelungen, was wir sehr bedauern."

Nicht nur am Flughafen: So viel Wasser kam an der Playa de Palma zusammen

Nicht nur am Flughafen: So viel Wasser kam an der Playa de Palma zusammen Redaktion DM