Mallorca Zeitung

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"Grenzt an Nötigung und Körperverletzung": Zehn Stunden im Ryanair-Flieger festgehalten

Weinende Mütter, keine Versorgung und nur ein Klo: Ein Deutscher schildert, wie es am Dienstag (11.6.) in einer der Ryanair-Maschinen zuging, die während des Unwetters auf Mallorca nach Barcelona umgeleitet werden mussten

Symbolfoto einer Ryanair-Maschine Ryanair

Das Unwetter am Dienstag (11.6.), bei dem der Flughafen von Palma de Mallorca teilweise überschwemmt und lahmgelegt worden ist, hat zu vielen Flugumleitungen geführt. Nicht immer wurde dabei auf das Wohlergehen der Passagiere geachtet. Schon fast einen Albtraum erlebten die Fluggäste eines Ryanair-Fliegers, wie ein MZ-Leser berichtet.

"Was sich dort abgespielt hat, ist mit Worten kaum zu beschreiben", so der Mann aus NRW, dessen Name der MZ bekannt ist. Er hatte einen Ryanair-Flug vom Flughafen Münster-Osnabrück nach Palma gebucht. Gegen 12.20 Uhr am Dienstagmittag konnten die Reisenden an Bord gehen - nicht ahnend, dass sie die Maschine erst nach über zehn Stunden spät am Abend wieder verlassen würden.

Busse und Verpflegung erst angefordert, dann abbestellt

"Im Anflug auf Mallorca wurde der Flug wegen des Unwetters nach Barcelona umgeleitet. Das kann passieren und damit kann ich leben. Keinesfalls leben kann ich mit dem, was anschließend passiert ist", schreibt der Deutsche in einer der MZ vorliegenden Mail an die Fluggesellschaft. Die "Verantwortungslosigkeit" und das "mangelhafte Krisenmanagement" von Ryanair sei "schockierend".

Zunächst habe man die voll besetzte Maschine etwa zwei Stunden lang auf dem Vorfeld des Flughafens in Barcelona stehen lassen. Mergelmeyer berichtet: "Dann meldete sich der Kommandant, dass er es nicht mehr verantworten könne, die Passagiere (viele mit kleinen Kindern) weiterhin in der Kabine zu halten. Ohnehin hätten die Passagiere ein Anrecht, nach dieser Wartezeit Verpflegungskosten gegenüber Ryanair geltend zu machen. Während der Wartezeit gab es keine Möglichkeit, Getränke oder Snacks zu erwerben. Er habe Busse bestellt, die die Passagiere hierzu ins Terminal bringen sollen. Etwaige Kosten sollten die Passagiere später bei Ryanair geltend machen."

Doch die Busse aber kamen nie. Stattdessen wurde die Crew ausgetauscht. "Der neue Kommandant hat offensichtlich auf Anweisung von Ryanair die Busse wieder abbestellt. Die Passagiere mussten weiterhin an Bord bleiben. Lediglich eine der drei Toiletten war zu benutzen, da angeblich die Abwassertanks voll waren", schreibt der Deutsche.  

Weinende Mütter

So mussten alle an Bord verharren. "Ab etwa 19 Uhr war die Crew dann bereit, Getränke und Snacks auszugeben. Aber nicht wie man annehmen sollte kostenlos, sondern nur gegen teure Bezahlung. Das ist schlichtweg eine Frechheit! Die Gänge waren derweil gefüllt mit weinenden Müttern und Kindern, die sich im Vorfeld unmöglich auf einen so langen Aufenthalt an Bord vorbereiten konnten", berichtet der Passagier.

Gegen 21.30 Uhr sei dann der Weiterflug nach Palma gestartet, um etwa 22.30 Uhr konnten die Passagiere die Maschine auf Mallorca verlassen. "Das sind über zehn Stunden (!!!), in denen sie die Passagiere an Bord festgehalten haben, und es grenzt an Nötigung und Körperverletzung", findet der MZ-Leser, der noch einmal betont: "Gegen Unwetter sind Sie machtlos. Aber ich denke, dass die Passagiere es verdient haben, dass man würdevoll mit ihnen umgeht. Und das ist hier nicht geschehen. Seitens Ryanair war dies eine bodenlose Frechheit."

Die Schilderungen des Deutschen sind kein Einzelfall. Auch zahlreiche andere Reisende litten am Dienstag unter dem schlechten Krisenmanagement in Barcelona.

 

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