"Einfach sexy": So geschmeidig war der erste Testflug mit Wasserflugzeug auf Mallorca
Das Luftfahrtunternehmen Isla Air Express hat nach langem Hin und Her am Dienstag (5.11.) Vertreter von Behörden und Presse zu einem Rundflug über Palma eingeladen. Schon bald sollen die Flieger Mallorca und Ibiza verbinden

Bernardo Arzayus
Der Anblick hat etwas von David und Goliath: Links ein mächtiges, monströses Kreuzfahrtschiff im Hafen von Porto Pi, rechts daneben im Windschatten, wie ein Spielzeug, das nur 17 Meter lange Wasserflugzeug. "Ich finde eigentlich, das ist das tollste Bild heute: mein kleines Flugzeug neben dem riesigen Kreuzfahrtschiff. Das gibt einen Kontext und zeigt, worüber wir eigentlich reden", sagt ein deutscher Investor, der nicht namentlich genannt werden möchte.
Gemeinsam mit Klaus Dieter Martin und dem Spanier Sergio Nuñez ringt der Deutsche bereits seit mehr als sechs Jahren um die Lizenzen, um mit den Propeller-Maschinen, die im Wasser als Boote gelten, Flüge zwischen den Baleareninseln anbieten zu können. Ein zäher Prozess für solche kleinen Maschinen, auch deshalb, weil die Gründer, die allesamt aus dem Flugzeuggeschäft kommen, damit in Südeuropa Neuland betreten. Deshalb habe niemand so recht gewusst, welche Dimensionen die Maschinen hätten und wie sehr sie den Betrieb des viel frequentierten Hafens beeinträchtigen würden. "Die Behörden sind natürlich sehr streng, und das ist auch gut so", betont der Investor. "Wir haben wirklich lange gekämpft und gewartet."
Wie der Beginn einer Abenteuerreise
Nun seien sie "zu acht Zehntel da" und haben ein Jahr lang auf diesen großen Tag hingearbeitet: Am Dienstag (5.11.) stehen drei Testflüge an. Beim zweiten davon darf die MZ mit an Bord – insgesamt passen 19 Menschen hinein, plus Pilot und Co-Pilot. Heute sind es 15, die über den Steg in den Flieger hineinkrabbeln, wo recht beengte Verhältnisse herrschen: Der Gang in der Mitte ist nicht einmal hüftbreit. Es fühlt sich nicht an, als würde man ein normales Verkehrsmittel benutzen, sondern wie der Beginn einer Abenteuerreise. Kinder der 90er denken unweigerlich an Käpt'n Balu.

Blick auf dem Hafen aus dem Wasserflugzeug. / Nele Bendgens
Der echte Kapitän ist indes ein Sunnyboy aus Vancouver, der die Gäste auf Englisch begrüßt und sich freut, selbst "den besten Platz" in der Maschine zu haben. Sein Co-Pilot fühlt sich sichtlich sowohl in der Luft als auch auf dem Meer zu Hause: Als sich erst der rechte, dann der linke Propeller anfängt zu drehen und sich das Flugzeug langsam in Bewegung setzt, springt er in Seelenruhe noch einmal hinaus auf die Stützschwimmer, um das Seil zu lösen, mit dem der Flieger festgemacht war.
"Die Landung ist das Spektakulärste"
Dann steigt den Fluggästen Treibstoffgeruch in die Nase und der Trip beginnt zunächst wie eine gemächliche Bootsfahrt. Geruhsam tuckern wir rund zehn Minuten hinaus aufs Meer. Die Bahnen zum Start und zur Landung sind laut dem Investor vorgegeben, zudem hätten die Behörden auf Begleitbooten bestanden, die sicherstellen sollten, dass das Flugzeug die richtige Richtung einschlägt. Auch die Guardia Civil ist auf einem Schlauchboot mit von der Partie.
Unvermittelt schwenkt das Wasserflugzeug nach recht ab, es dröhnt sehr laut, Wasser spritzt links und rechts. Die Maschine nimmt an Fahrt auf und erhebt sich geschmeidig in die Luft, um schließlich eine Ehrenrunde über Palma, entlang der Küste bis nach Illetas und zurück zu drehen. Der Panoramablick ist traumhaft, der Flug ruhig und ohne Wackelei. "Die Landung ist eigentlich das Spektakulärste von allem", hört man von hinten.
Und so ist es auch. Die englischen Durchsagen beim Landeanflug - "500! 200! 100! 50, 40, 30, 20, 10..." - lassen das Adrenalin in die Höhe schnellen. Ein umgekehrter Raketen-Countdown. Dann gleitet das Flugzeug wie ein eleganter Schwan sanft auf die Wasseroberfläche. Erneut spritzt es links und rechts, doch es schaukelt kaum. "Welcome back to Palma", sagt der Pilot. "So, who wants to go to Barcelona?"

Der Pilot aus Vancouver. / Nele Bendgens
Verbindung nach Ibiza und Zukunftspläne
Bis das möglich ist, wird es noch ein wenig dauern. Die heutigen Testflüge waren für die Presse, vor allem aber für die Behörden: "Wenn wir sie jetzt überzeugen, dass wir seriös und professionell sind - was wir auf jeden Fall sind - dann könnte es theoretisch schon zu Ostern losgehen", sagt der deutsche Investor. Zuerst sei die nur die Strecke Mallorca-Ibiza geplant, ein rund halbstündiger Flug. Als nächsten Schritt visiert Isla Air Express weitere Verbindungen zwischen den Balearen-Inseln an. Erst danach kommt das spanische Festland an die Reihe.
Wenn sie nun grünes Licht bekommen, wollen die Gründer die bislang zwei Maschinen der Firma fest auf der Insel stationieren - an diesem Morgen ist der Flieger aus Marseille eingetroffen. Danach sollen weitere Flieger hinzukommen. Warum die Deutschen an ihr Projekt glauben? "Weil niemand anderes es macht. Es ist ein Nischengeschäft", so der Investor. "Wir sind verrückt nach Flugzeugen, ganz einfach. Und wenn ich so ein Flugzeug sehe, finde ich: Das ist einfach sexy!"

Wieder in der Luft: Der Flieger bei seinem dritten Testflug. / Nele Bendgens
Wendig und wetterfest
Die Unternehmer werden nicht müde, die Vorteile der Propellermaschinen zu betonen. Es sei ein einfacher, schneller und sicherer Weg, um von A nach B zu kommen ("Man kommt an, in zwei Minuten gehen die Triebwerke aus, die Leute gehen raus") und habe dazu den Erlebnisbonus wegen des Starts und der Landung auf dem Wasser. Was die Nachhaltigkeit betrifft, so braucht das Gefährt im Wasser keinen Anker und verursacht daher keine Schäden am Meeresboden. Und zum Thema Emissionen sagt Klaus Dieter Martin: "Grundsätzlich ist es ja ein sehr kleines Flugzeug mit hochmodernen Triebwerken und verbraucht damit nur sehr wenig Treibstoff." Nach Ibiza seien es etwa 180 Liter. Transport sei nun einmal gefragt, also gelte es, selbigen zu optimieren.
Ein weiterer Vorteil: Laut dem anderen deutschen Investor sind Wasserflugzeuge sehr wendig - sie können rückwärts fliegen, auf der Stelle drehen und im Zweifelsfall auch einer Yacht ausweichen. Und sie seien ziemlich wetterfest, kämen auch mit höheren Wellen und Regen zurecht. Den gibt es an diesem Testflugtag glücklicherweise nicht, was man aktuell durchaus als gutes Omen betrachten kann.
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