Beliebte Plattform Hotelbreak hat dicht gemacht: Was Verbraucher jetzt wissen müssen
Die Plattform, auf der man Tagespässe für Aktivitäten wie Spa-Aufenthalte oder Yoga-Sessions kaufen konnte, hat ihre Aktivität eingestellt. Nur vorübergehend?

Im Sheraton Mallorca Arabella gibt es unter anderem einen lichtdurchfluteten Innenpool. / Sheraton
Wer dieser Tage dem Februar-Wetter entfliehen und sich über die Plattform Hotelbreak etwa einen Tag im Spa gönnen wollte, hat sich wohl schon gewundert: Die App, in der man noch bis vor Kurzem Tagespässe in Hotels für verschiedene Aktivitäten buchen konnte, zeigt die Fehlermeldung „Ups, algo ha fallado“ (Ups, da ist etwas schiefgelaufen) an. Buchungen kann man dort aktuell keine tätigen. Ruft man die Webseite auf, wird man direkt mit der Hiobsbotschaft begrüßt: Die Verantwortlichen würden es bedauern, ihren Kunden mitteilen zu müssen, dass sie die Aktivität des Unternehmens aufgrund der finanziellen Situation einstellen müssten, heißt es in einer dreisprachigen Nachricht. Eine E-Mail-Adresse, an die sich Kunden wenden können, oder anderweitige Kontaktdaten findet man dort nicht.
Ärgerlich! Schließlich hatte Hotelbreak bis vor wenigen Tagen online und per Sammelmail noch Angebote beworben, etwa teure Pakete anlässlich Valentinstag oder die Wiedereröffnung des Luxushotels St. Regis Mardavall am 8. Februar. Auch ein Gutschein, den die MZ-Redakteurin geschenkt bekommen hat, wurde erst vor einem Monat ausgestellt. Ob sie die 50 Euro wiedersehen wird? Viele andere Kunden, die im Worst Case schon mehrere teure Pakete in den kooperierenden Vier- oder Fünf-Sterne-Unterkünften gebucht haben, trifft es womöglich noch härter.

Auch Tagespässe für Hotels mit Rooftop-Pool wie dem INNSiDE by Meliá Calviá Beach in Magaluf konnte man auf der Plattform buchen. / Simone Werner
Einziges Angebot dieser Art
Gegründet wurde die Plattform 2019 als Start-Up von Cristian Alcoba und Maxime Renaudin. Die Idee: Hotelbreak listet quasi in Echtzeit verfügbare Tagesangebote in Hotels auf. So soll Urlaubshungrigen der Aufwand erspart bleiben, sich bei den einzelnen Anbietern selbst zu informieren und dort individuell Termine zu buchen. Gerade im Winter war der Mehrwert groß. Wohl kaum ein Resident hat einen inselweiten Überblick darüber, welche Unterkünfte in der Nebensaison geöffnet sind. Bis zuletzt war Hotelbreak der einzige Anbieter, bei dem man ein sicher angebotenes Erlebnis – etwa einen Spa-Besuch, einen Brunch oder eine Yoga-Session – an einem konkreten Tag buchen konnte. Mitbewerber bieten lediglich Gutscheine für Aktivitäten in Hotels an. Besucher müssen vor dem Einlösen allerdings erst noch die Verfügbarkeit abfragen.
Auch auf den anderen Baleareninseln sowie den Kanaren und dem spanischen Festland kooperierte Hotelbreak mit einer Vielzahl unterschiedlicher Unterkünfte, darunter ländliche Fincas, große Resorts aber auch Stadt- oder Luxushotels. Dass sich auch Kunden von dort veräppelt vorkommen, bekommt dieser Tage Alfonso Rodríguez von der balearischen Verbraucherschutzorganisation Consubal mit. Längst nicht nur auf Mallorca ansässige wütende Verbraucher lassen dieser Tage die Telefonleitungen bei ihm heiß laufen. „Ich bekomme derzeit täglich bis zu einem Dutzend Anrufe von Verbrauchern, die ihr Geld von Hotelbreak zurückhaben wollen. Auch der ein oder andere aus Barcelona ist dabei“, so Rodríguez am Freitag (21.2.).

Hotelbreak hatte auch Kooperationen mit vielen Hotels an der Playa de Palma, etwa der Kette Hoteles HM / Simone Werner
"Betroffen sind Hunderte"
Alleine 55 Verbraucher von Mallorca hätten sich bei der Organisation gemeldet. „Betroffen sind aber Hunderte auf der Insel“, schätzt er. Jeden Tag würden mehr Menschen vom Aus des einstigen Start-Ups mitbekommen und sich melden. Viele würden dann das Wort „estafa“ (Betrug) in den Mund nehmen. „Damit strafrechtlich gesehen ein Betrug vorliegt, muss es eine Täuschungsabsicht gegeben haben. Dass Hotelbreak vorsätzlich gehandelt hat, müsste man der Plattform erst einmal nachweisen“, gibt der Consubal-Chef zu bedenken.
Er vermutet, dass es bei der Finanzierung kurzfristig Problem gegeben haben könnte, die es unmöglich gemacht haben, dass die Verantwortlichen weitermachen. „Erst kürzlich hatte ich den Fall bei einem Möbelgeschäft. Die Verantwortlichen hatten einen Kredit bei der Bank beantragt, der ihnen zugesichert wurde. Tags darauf hieß es plötzlich, dass daraus doch nichts wird. Bei Hotelbreak könnte dasselbe passiert sein“, mutmaßt Rodríguez. Auf mehrmalige MZ-Anfrage per E-Mail und Telefon hat sich bisher keiner der beiden Verantwortlichen gemeldet. Stattdessen kam ein Standardtext zurück.
Rodríguez rät betroffenen Kunden, sich zunächst an Hotelbreak zu wenden. Fragt sich nur, unter welcher Adresse. Die Emailadresse Atencionalcliente@hotelbreak.com existiert nicht mehr. Auch die sozialen Netzwerke gibt es nicht mehr. „In dem Schreiben sollte die konkrete Summe aufgeführt werden, die Hotelbreak einem schuldet. Zudem sollten Kunden den Zahlungsbeleg anhängen“, rät Rodríguez. Er weiß nur von zwei oder drei Kunden, die ihr Geld bereits zurückbekommen haben. „Es waren Fälle aus den allerersten Tagen nach Bekanntwerden der Pleite.“
Auch bei Consubal können sich Betroffene samt der Belege und ihrer persönlichen Daten (Namen, NIE) kostenlos melden (informacion@consubal.org). „Wir werden Anfang kommender Woche im Namen aller eine Sammelklage beim hiesigen Verbraucherministerium einreichen.“ Teilweise betragen die geforderten Summen bis zu 400 Euro. Ob Kunden sie zurückbekommen werden? „Das kann ich nicht sagen. Bisher wissen wir noch nicht einmal, ob Hotelbreak vielleicht doch weitermachen wird“, so Rodríguez.
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