So kommen Sie an eine kostenlose Unterkunft für Ihren Mallorca-Urlaub
Das Zuhause mit dem anderer Nutzer tauschen, um günstig zu urlauben – das geht auf vielen Plattformen. Ein Erlebnisbericht von Mallorca

Ist für viele reizvoll: die Wohnung auf Mallorca gegen eine woanders eintauschen. / DPA
Esther Z. hat Glück, an einem so beliebten Reiseziel wie Mallorca zu leben. Für die Osterwoche hat die Schuldirektorin schon über 30 Anfragen von Reiselustigen bekommen, die die Feiertage gerne in ihrer Wohnung in Sineu verbringen würden. „Bisher ist nicht geplant, dass ich selbst verreise, daher muss ich den Leuten wohl absagen“, so Esther Z.
Die 41-Jährige, die 2009 vom spanischen Festland nach Mallorca gezogen war, nutzt seit zwei Jahren häufiger die Plattform HomeExchange. Es ist eine von vielen, dank derer man quasi umsonst verreisen kann. Die Idee: Man tauscht die eigene Wohnung oder das eigene Haus mit anderen Reisenden und wohnt währenddessen in deren Wohnung oder Haus. Der Tausch kann auch zeitversetzt stattfinden oder nur eine Seite überlässt ihr Zuhause beziehungsweise die Zweitimmobilie oder verreist.
Die Vorteile
Die Spanierin liebt es, zu verreisen. Doch ob für Flugtickets, Hotelübernachtungen oder die Verpflegung: Schnell kommen bei einer Reise hohe Summen an Geld zusammen. „Der Haustausch ist bis auf die Mitgliedschaft bei der Plattform, 160 Euro pro Jahr, kostenlos. Abgerechnet wird durch ein Punktekonto, die GuestPoints. Dank des Angebots kann ich deutlich häufiger reisen, als ich es mir sonst leisten könnte“, sagt Esther Z., die aktuell mit ihrer Tochter in der Wohnung von HomeExchange-Nutzern in Island untergebracht ist. Ihre Wohnung in Sineu steht dieses Mal leer.

Esther Z. mit ihrer Tochter in Island. / Privat
Fast wie ein Einheimischer
Auch, dass man ein Land so auf eine andere Art und Weise kennenlernt, schätzt Esther Z. an dem Angebot. „Ich sehe etwa, welche Haushaltsgeräte die Bewohner verwenden oder was sie essen. Auch durch andere Details bekomme ich Einblicke darüber, wie die Leute im Zielland leben. Es ist ein großer Unterschied, ob man von anderen Urlaubern umgeben in einem Hotel unterkommt oder wie ein Einheimischer in einem Anwohnerviertel“, sagt Esther Z. Dass man wie bei einem Airbnb eine Küche oder häufig auch Netflix oder Bücher zur Verfügung hat, seien weitere Annehmlichkeiten. „In Island wird es um 17 Uhr dunkel. So können wir abends in Ruhe zu Hause kochen“, sagt die Mutter einer Tochter.
Manchmal dürfe man sogar das Auto der Hausbesitzer nutzen. Aber Achtung: Wer sein Auto anbieten will, sollte zuvor prüfen, unter welchen Bedingungen das Verleihen laut seiner Police zulässig ist. Ab und an muss man kleinere Dienste übernehmen, etwa die Haustiere füttern oder die Pflanzen gießen. „Jeder Nutzer legt beim Einstellen seiner Wohnung die Bedingungen für deren Nutzung selbst fest“, so die Spanierin. Angegeben sei etwa auch, ob Familien mit Kindern oder Raucher akzeptiert werden oder ob sich die Wohnung für Remote-Arbeiter eignet.

Genießen ihren Island-Urlaub dank der Plattform HomeExchange: Esther Z. und ihre Tochter. / Privat
Die Vorbereitungen
Jeder bereitet seine Wohnung, wenn Besuch ansteht, anders vor. „Dass man einen Teil im Kleiderschrank freiräumt, ist das Mindeste“, findet Esther Z., die vor jedem Besuch extra noch einmal die Putzfrau kommen lässt. Manchmal verstaue sie Wertgegenstände im Haus ihrer Mutter. „Fotos hänge ich nicht extra ab.“ Sie hat eigene Bettwäsche, Handtücher und Putzlappen für die Besucher.
Die Schlüsselübergabe wird entweder über Bekannte abgewickelt oder durch ein Schloss an der Wohnung, das sich per Zahlencode öffnen lässt. Letzteres, das man auch von der Ferienvermietung auf Airbnb kennt, hätten vor allem Nutzer, die regelmäßig von Housesitting-Plattformen Gebrauch machen. „Bei unserem Aufenthalt in Dänemark ähnelte die Suche nach dem Schließfach mit dem Schlüssel am Flughafen einem Aufenthalt im Escape-Room“, erinnert sich Esther Z. lachend.
Die Spanierin empfiehlt Neulingen, ihre Haustausch-Reise nicht erst kurzfristig zu planen: „Oft braucht es mehrere Anfragen, bis man eine positive Zusage bekommt.“
Die Risiken
Der fast kostenlose Urlaub birgt auch Risiken: Man muss damit rechnen, dass auch mal etwas kaputtgeht und man den Schaden eventuell nicht erstattet bekommt. „Bei mir hat mal das Kind einer Familie meine teure Holzarbeitsplatte komplett verkratzt. Ein anderes Mal war die Bettwäsche voller roter Flecken und wir haben uns gefragt, ob das Blut, Wein oder Haarfarbe ist“, erzählt Esther Z.
Auch Teile ihrer Gesellschaftsspiele seien schon verschwunden. Andersherum fand sie selbst in ihrer eigenen und dann auch in der Wohnung ihres Gegenübers mitten im Sommer hohe Müllberge vor. Beschwerden kann man dann auf der Plattform melden, spätestens wenn man den Aufenthalt bewerten soll. HomeExchange arbeitet auf Wunsch mit einer Kaution und bietet auch eine Versicherung im Schadensfall oder bei Diebstählen an.

So sieht die Startseite von HomeExchange aus. / Screenshot Webseite
Kuriose Anfragen und neue Reiseideen
Schmunzeln musste Esther Z. bei der ein oder anderen kuriosen Anfrage. „Erst vor Kurzem hat mir eine Familie geschrieben. Sie wollte unbedingt in Sineu untergebracht sein, da die Kinder große Fans der IB3-Serie ‚Pep‘ sind. Ich kannte die gar nicht. Sie spielt offenbar in Montuïri, also nicht weit entfernt von meinem Dorf“, erzählt Esther Z., die auch schon Anfragen aus den USA oder Mazedonien bekommen hat. „Das gibt dir dann auch selbst neue Reise-Ideen. Mazedonien zum Beispiel hatte ich gar nicht auf dem Schirm.“
Eine Auswahl an Anbietern
Plattformen gibt es zuhauf. HomeExchange rühmt sich damit, weltweit die Nummer eins auf dem Markt zu sein. 200.000 Mitglieder in 155 Ländern sind laut Angaben auf der Web- site dabei. Auch auf Mallorca gibt es bis auf den Südosten inselweit so viele Angebote wie auf keiner anderen Plattform. Je nach Ausstattung, Lage und Größe kosten sie mehr oder weniger sogenannte GuestPoints (GP). Viele schlagen mit um die 200 GP/Nacht zu Buche. Auch eine Luxusvilla für 455 GP/Nacht in Selva ist dabei. In der Ein-Jahres-Mitgliedschaft für 160 Euro ist ein 24 Stunden erreichbarer Betreuungsdienst und der Zutritt zu privaten Facebook-Gruppen der Plattform enthalten.

Esther Z. nutzt die Plattform HomeExchange. / Privat
Schon seit 1953 gibt es das in Deutschland gegründete Angebot HomeLink. Die Plattform führt auch Angebote für Langzeit- oder Sabbatical-Haustausche (ab drei Monaten beziehungsweise während eines Semesters/Jahres) und Jugendaustausche auf. Auf Mallorca gibt es aktuell 14 Angebote. Ein Großteil der Nutzer ist in Palma ansässig. Auch dieser Anbieter arbeitet mit lokalen Vertretern zusammen, die Nutzer im Fall von Problemen kontaktieren können. Das 30-Tages-Probeabo ist kostenlos. Die Ein-Jahres-Mitgliedschaft kostet 140 Euro.
Auch die 1953 ins Leben gerufene Marke Intervac gehört zu den Pionieren. Auf der Website ist von 30.000 Mitgliedern die Rede. Beim MZ-Test am Mittwoch (26.2.) tauchen nur zwei Angebote auf Mallorca auf. Die Chancen, einen Tauschpartner zum selben Zeitpunkt zu finden, sind damit also eher gering. Vielleicht auch deswegen gibt es die Option „offen für alle Angebote“, die man anwählen kann. Das 21 Tage gültige Probeabo gibt es kostenlos. Das Ein-Jahres-Abo schlägt hier mit 140 Euro zu Buche.
Für Tierfreunde
Kostenlose Logis gegen die Versorgung von Haustieren gibt es bei Trusted Housesitters. 93 auf Mallorca ansässige Tiersitter sind registriert. Aktuell werden fünf Unterkünfte von Tierliebhabern auf der Insel angeboten. Das Basis-Paket fürs unlimitierte Tier- und Housesitting kostet 209 Euro pro Jahr.
Anbieter (Auswahl):
– es.intervac-homeexchange.com
– Facebook-Gruppen: „House Sitting Europe“, „House & Pet Sitting Spain and Portugal“
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