Lohnt sich eine Fahrt mit dem roten Doppeldeckerbus in Palma?
Vor- und Nachteile dieser unter Urlaubern besonders beliebten Stadtführung

Wer bei der Palma-City-Sightseeing-Tour mitfährt, kann in unter zwei Stunden viele Sehenswürdigkeiten der Stadt besuchen / Nele Bendgens
Für einen Montagmorgen im März auf Mallorca ist auf dem oberen Deck des Sightseeing-Busses in Palma einiges los: Er ist so gut wie voll. Die Fahrgäste - heute sind es vor allem mittelalte Paare und auch ein paar Senioren mit Gehstock - unterhalten sich auf Englisch, Deutsch und Spanisch. Bis es losgeht, dauert es noch etwas. Die Busrundfahrt in Palma scheint unter den Mallorca-Urlaubern ein beliebtes Reiseerlebnis zu sein. Doch lohnen sich die 25 Euro, die man mindestens bezahlen muss? Die MZ-Reporterin ist für sie mitgefahren und zählt die Vor- und Nachteile dieser Stadttour auf vier Rädern auf.
Spontan und flexibel
Ein großer Pluspunkt dieser Art von Touren ist, dass man als Urlauber völlig flexibel und spontan entscheiden kann, wann man sie antreten möchte. Das Ticket ist zwölf Monate gültig und kann auch beim nächsten Mallorca-Urlaub eingelöst werden. Falls man sich doch umentscheidet, kann es kostenfrei storniert werden. Mit dem Online-Ticket kann man an jeder Haltestelle der Rundtour einsteigen und 24 Stunden lang die roten Busse nutzen. Nachdem man ausgestiegen ist und einen der Stopps erkundet hat, muss man nicht lange auf den nächsten Bus warten: Meist kommt im flotten 10-Minuten-Takt der nächste.
Rabatte für Residenten und für weitere Aktivitäten in der Stadt
Residenten haben preisliche Vorteile und zahlen nur 4,50 Euro, wenn sie sich ihr Ticket an einem der Verkaufsstände an der Plaça d’Espanya oder am Borne holen. Schon beim Grundticket gibt es einige Rabatte für andere Besuche und Aktivitäten in der Stadt, etwa im Restaurant Daililì oder bei der Führung im Real-Mallorca-Stadion. Die exklusiveren Tickettarife (ab 35 Euro) bieten zudem kostenfreie Eintritte ins CaixaForum oder ins Museum Palau March.
Wetterfest und im Sitzen
Ein großer Vorteil ist, dass man Palmas Hauptattraktionen bequem im Sitzen betrachten kann. Vor allem für ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern und Personen mit Mobilitätsbeschränkung sind diese Touren ideal. Außerdem sitzt man an der frischen Luft, kann während der Tour etwas snacken und entkommt im Sommer durch die Brise der Hitze. Auch Regen verdirbt den Urlaub nicht, da man im Trockenen die Sehenswürdigkeiten abklappern kann.
Schneller Überblick
Zudem bekommt man in ein bis zwei Stunden einen guten Überblick über die balearische Hauptstadt. Die Route deckt eine großen Bereich ab - von der Altstadt bis zum Castell Bellver. Würde man die gleiche Erkundungstour zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen, würde man mindestens doppelt so lange brauchen. Für Urlauber, die nur einen Wochenendtrip machen, ist diese Tour eine gute Möglichkeit, in kurzer Zeit möglichst viel von der Stadt zu sehen.
Tipps für weitere Sehenswürdigkeiten
Ein weiteres Argument für die Hop-on-Hop-off-Bustouren sind die über die Kopfhörer gegebenen Tipps und Informationen über weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Stopps. So muss man als Urlauber kaum etwas organisieren und kann die Stadt trotzdem gut kennenlernen.
Recht oberflächlich
Trotz der Spontanität und Flexibilität der Touren muss man sich als Mitfahrender nach den anderen Urlaubern richten: Der Bus fährt erst los, wenn genug Leute da sind.
Wer sich einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Stadt und der Insel verschaffen möchte, liegt bei dieser Tour eher falsch. Die Informationen sind recht oberflächlich und beschränken sich meist nur auf die Namen der Gebäude und einige wenige Details zu bestimmten Plätzen und Straßen. Historisches Hintergrundwissen kommt eher selten vor. Erst gegen Ende der Tour geht der Audioguide auf die römische und mittelalterliche Vergangenheit der Stadt ein. Oft dudelt in den Kopfhörern nur Musik, die an die Warteschleife eines Kundenservices erinnert.

Die Urlauber stehen Schlange vor dem Doppeldeckerbus in Palma / Sarah López
Zu schnell
Ein weiteres Manko dieser Art von Tour ist das zu schnelle Tempo. Manche Sehenswürdigkeiten werden erwähnt, aber man hat keine Möglichkeit, sie zu erkennen, weil der Bus bereits vorbeigefahren ist. Mitunter stimmt die Audiobeschreibung auch nicht mit dem tatsächlichen Ausblick überein. Natürlich wäre es interessant, beim Blick auf die Bucht von Palma erklärt zu bekommen, welche Küstenabschnitte zu sehen sind - dafür müsste man die Bucht aber auch tatsächlich sehen und nicht nur die Bäume am Straßenrand.
Wenig Zeit für Fotos
Wer in Ruhe schöne Fotos von seiner Reise machen möchte, sollte an den Stopps aussteigen oder nach der Tour zu seinen Lieblingsorten zurückkehren. Zwar hält der Bus an einigen besonders fotogenen Stellen, aber nur kurz, damit Besucher schnell ein Erinnerungsfoto schießen können.
Fragliche Sehenswürdigkeiten
Ob die Shoppingmöglichkeiten Palmas wirklich zu den Sehenswürdigkeiten gehören, ist Geschmackssache. Die Busse halten in der Nähe des El Corte Inglés an den Avenidas, beim Einkaufszentrum in Porto Pi oder beim Passagierhafen am Paseo Marítimo.
Fazit
Trotz des nicht ganz günstigen Preises kann es sich durchaus lohnen, Palma in den Doppeldeckerbussen zu erkunden - besonders bei Regen, für einen schnellen Eindruck der Stadt oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Wer jedoch mehr Zeit mitbringt und einen umfassenderen Eindruck von Palma gewinnen möchte, sollte es sich nicht nehmen lassen, die Stadt zu Fuß oder in Begleitung eines Tourguides zu erkunden.
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