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"Bali, das Mallorca Australiens": Instagram-Video trifft mit bissiger Kritik am Tourismus einen Nerv

Der Indonesier Ramalauw vergleicht in einem satirischen Video die Mittelmeerinsel mit dem asiatischen Reiseziel

Der indonesiche Instagrammer Ramalauw.

Der indonesiche Instagrammer Ramalauw. / Instagram/Ramalauw

Mehr als 35.000 „Gefällt mir“-Angaben hat ein Video eines indonesischen Content Creators Ramalauw erhalten, in dem er – nicht ohne Sarkasmus – die Erfahrungen australischer Touristen auf Bali mit denen europäischer Urlauber auf Mallorca vergleicht. Das Video hat sich rasant in den sozialen Netzwerken verbreitet und eine Debatte über Massentourismus, den Respekt gegenüber lokalen Kulturen und die zunehmende Gentrifizierung in paradiesischen Reisezielen ausgelöst.

Überlaufener Tourismus und Influencer in Tempeln

Ramalauw beginnt mit einem Ton voller Ironie und erklärt, dass Bali – bekannt als „die Insel der Götter“ aufgrund seiner tief verwurzelten religiösen und spirituellen Tradition – für viele Touristen längst zu etwas ganz anderem geworden ist: einem exotischen Hintergrund für Instagram-Fotos.

Zwei Mallorquinerinnen sitzen auf Bali fest

Der Vergleich mit Mallorca lässt nicht lange auf sich warten: „Bali ist das Mallorca der Australier“, sagt er und spielt damit auf die geografische Nähe Balis zu Australien und die Art und Weise an, wie Besucher den Ort verändert haben. In dem Video, das bereits mehr als eine halbe Million Aufrufe zählt, listet Ramalauw eine Reihe typischer Verhaltensweisen auf, die für unkontrollierten Tourismus stehen – und sowohl auf Bali als auch auf Mallorca zutreffen könnten.

Zu diesen Verhaltensweisen gehören:

  • die Forderung, dass Einheimische Englisch sprechen sollen – obwohl man in deren Land ist,
  • rücksichtsloses Fahren mit Mietrollern oder -autos, ohne Rücksicht auf lokale Verkehrsregeln,
  • sich nach einer Yogastunde oder dem Besuch eines Tempels als spiritueller Guru zu inszenieren,
  • Avocado-Toast und Eiskaffee zu bestellen, als ob man das nicht auch zu Hause haben könnte,
  • sich über das lokale Recht hinwegzusetzen, indem man Regeln des Zusammenlebens ignoriert,
  • die Kultur und Traditionen des Ortes zu missachten oder sich diese ohne Verständnis anzueignen,
  • sich selbst als „Expat“ oder „digitaler Nomade“ zu bezeichnen, obwohl man eigentlich ein privilegierter Einwanderer ist,
  • zur Gentrifizierung beizutragen, indem man Mieten in die Höhe treibt und Einheimische verdrängt,
  • und besser behandelt zu werden als die Einheimischen – nur weil man Tourist ist.

Mallorca und Bali: Zwei Seiten derselben Medaille

Die Kritik, wenn auch in humorvollem Ton vorgetragen, lenkt die Aufmerksamkeit auf eine gemeinsame Realität erfolgreicher Tourismusdestinationen wie Mallorca und Bali: die Verwandlung von Orten mit eigener Identität in Themenparks für den globalen Reisenden. In den Kommentaren zum Video geben viele Nutzer aus verschiedenen Ländern an, sich in der Satire wiederzuerkennen, während andere über ihre eigene Rolle als Touristen nachdenken.

Mit einem bissigen, aber treffenden Stil gelingt es Ramalauw, auf die Folgen eines Tourismusmodells hinzuweisen, das mehr auf Konsum und Privilegien als auf Respekt gegenüber Kultur, Gemeinschaft und Natur setzt. Mallorca, wie auch Bali, bleibt ein Traumziel – solange es nicht zum Albtraum für jene wird, die dort leben.

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