"Sehen aus wie panierte Schnitzel": Deutsche Urlauber können sich Strand auf Mallorca ohne Liege kaum vorstellen
Zweiter Teil des MZ-Reports über die Hamacas. Nehmen sie zu viel Platz im Sand weg?

Strandliegen, wohin man nur schaut. / DM
Gibt es zu viele Liegen an Mallorcas Stränden? Im ersten Teil des MZ-Reports ging es um die rechtlichen Bestimmungen. Im zweiten Teil kommen die deutschen Urlauber zu Wort. Viele möchten die Liegen an den Stränden nicht missen.
„Ich erinnere mich gar nicht mehr, wie es ist, auf einem Handtuch im Sand zu liegen – und ich vermisse es auch nicht“, sagt Barbara Schmand, die es sich an Cala Ratajdas Stadtstrand Son Moll auf einer der beigen Liegen bequem gemacht hat. Über ihr der Strohsonnenschirm, neben ihr der Ehegatte auf einer separaten Liege. „Egal ob Türkei, Griechenland oder eben Mallorca – wir liegen in all unseren Urlauben eigentlich täglich stundenlang am Strand. Da ist es für uns gar keine Frage, dass wir es dann natürlich auch bequem haben wollen.“ Das Geld für die Liegenmiete gehöre zu den Standard-Fixkosten der Schmands. Zwei Liegen und ein Schirm kosten auf Mallorca in der Regel knapp 20 Euro pro Tag.
„Ich bewundere die Familien, die sich auf Strandtücher legen, die nach fünf Minuten voller Sand sind. Meist sehen die dann schnell aus wie panierte Schnitzel. Das wäre nichts für mich. Ich habe gerne Sand unter mir – aber mit mehreren Zentimetern Abstand“, so Schmand. Dass es Menschen gibt, die etwas dagegen haben könnten, dass durch das Liegengeschäft viel kostenlos nutzbare Strandfläche weggenommen wird, darüber hat Barbara Schmand noch nie nachgedacht. „Es ist trotzdem genug Platz für alle da, und es wird niemandem verboten, selbst eine Liege zu mieten.“
Strände ohne Liegen sei was für Naturburschen
Auch Oliver Becker, ein paar Liegen weiter, kann sich einen Strandtag ohne den Liegenkomfort kaum vorstellen. „Ich habe Rücken“, erklärt der 56-Jährige, der offensichtlich nicht das erste Bier in der Hand hält. Er ist mit einer Gruppe Freunden angereist. „Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten, da kann man sich den Luxus schon mal gönnen“, sagt er. Ohnehin sei er kein „Naturbursche“. „Im wahren Leben habe ich schon genug Stress, da will ich es im Urlaub einfach bequem und unkompliziert haben.“ Auch eine idyllische Naturbucht braucht er nicht. „Hauptsache, ich habe das Meer vor mir und das Pils in der Hand. Aber wem es hier zu viele Liegen sind, der kann ja gerne stundenlang durch die Natur wandern. Auf der Insel gibt es doch bestimmt auch Strände ohne Bewirtschaftung, oder?“
Maria Pons sieht das anders. Sie hat sich auf einem Handtuch am Rand der Son Moll ausgebreitet, ihr Nachwuchs buddelt im Sand. „Mich stören die vielen Liegen schon. Aber mit zwei Kindern ist es nunmal einfacher, hier an den Stadtstrand zu kommen, als mit Sack und Pack in eine einsame Bucht zu fahren“, sagt die Mallorquinerin. „Außerdem arbeite ich in einem Hotel. Ich habe einen zweigeteilten Arbeitstag, kann also nur in meiner Pause für ein Stündchen zum Strand gehen, da lohnt es sich gar nicht, eine Liege zu mieten.“
Ähnlich sieht es der Dauerurlauber Kevin Kirchheim (MZ berichtete). „Ich finde, es sind an den Hotspots mittlerweile viel zu viele Liegen. Schöner ist es in ruhigen Buchten oder abgelegeneren Strandabschnitten auf dem Handtuch im Sand. Und es ist gratis. Dadurch bleibt mehr Budget für andere Urlaubsaktivitäten.“
María Gómez ist da relaxter. Die Argentinierin sitzt direkt im Sand in der Brandung, genießt in vollen Zügen das Wasser, das sie umspült. „Mich interessiert das gar nicht, was andere am Strand machen. Wer auf einer Liege liegen will, soll es tun, wer nicht, der nicht. Letztlich findet doch jeder sein Fleckchen hier. Leben und leben lassen.“
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