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Neue Kantine, leere Teller: Warum Mallorcas Flughafenpersonal zur Brotdose greift

Seit vielen Monaten ist die Mitarbeiter-Kantine geschlossen - und kein neuer Betreiber will den Essensdienst übernehmen. Für viele der rund 10.000 Mitarbeiter ist das ein Problem

Solange es keine Kantine gibt, müssen viel Mitarbeiter am Flughafen auf Mallorca auf mitgebrachte Essen zurückgreifen

Solange es keine Kantine gibt, müssen viel Mitarbeiter am Flughafen auf Mallorca auf mitgebrachte Essen zurückgreifen / Raúl Sanz

Die Beschäftigten am Flughafen von Mallorca – in der Hochsaison mehr als 10.000 aus rund 400 Unternehmen – können sich kaum noch daran erinnern, wie es ist, gut, warm und zu erschwinglichen Preisen zu essen – es sei denn, sie bringen ihre Brotdose von zu Hause mit. Es gibt am Flughafen keine Mitarbeiter-Kantine mehr, und es scheint nicht so, als würde sich das Problem bald lösen. Dabei steht ein nagelneues dreistöckiges Gebäude, inklusive Terrasse, bezugsfertig bereit. Das Problem: Eine hohe Schuldenlast, die der letzte Betreiber hinterlassen hat, verhindert, dass jemand den Essensdienst führen möchte.

Neue Betreiber schrecken zurück

Seit mehr als acht Monaten müssen die Beschäftigten nun schon mit dieser Situation zurechtkommen - seit der letzte Konzessionär (das Unternehmen Menins-96) das Gelände verlassen hat. Die Gewerkschaften prangern die Situation seit Längerem an, auch die Mitarbeiter der Flughafenbetreibergesellschaft Aena leiden selbst darunter. "Man hat ihnen Speiseräume mit vier oder fünf Mikrowellen eingerichtet, um mitgebrachtes Essen zu erhitzen“, heißt es aus informierten Kreisen.

Die frühere Konzessionsnehmerin, die aktuell im Insolvenzverfahren ist, hat Schulden beim Flughafenbetreiber hinterlassen und schuldet auch der Sozialversicherung mindestens 400.000 Euro. Zudem steht die Zahlung mehrerer Monatsgehälter für die 20 Mitarbeiter, die in der Kantine beschäftigt waren, aus.

In dem neuen Flughafengebäude sind drei Etagen für die neue Kantine bezugsbereit

In dem neuen Flughafengebäude sind drei Etagen für die neue Kantine bezugsbereit / Manu Mielniezuk

Eigentlich wollten die Betreiber der renommierten Bar Cristal in Palma den Kantinenbetrieb am Flughafen übernehmen und gewannen auch die entsprechende Ausschreibung. Angesichts der hohen Schuldenlast, die sie teilweise hätten übernehmen müssen, schreckten die Unternehmer allerdings davor zurück. Wie Aena betonte, habe man den Kantinenbetrieb „im Eilverfahren erneut ausgeschrieben und die Bedingungen verbessert, um ihn attraktiver zu machen". So sei Aena mittlerweile bereit, die Schulden von Menins-96 zu übernehmen. Nichtsdestotrotz sei „die neue Ausschreibung leider ergebnislos geblieben“.

Andere Lokale viel zu teuer für die Mitarbeiter

„Sie müssen abwarten, bis ein Richter darüber entscheidet“, so Susana Carballido, Verantwortliche für den Luftfahrtsektor bei der Gewerkschaft CCOO Baleares, die sich gemeinsam mit Kollegen der Gewerkschaft UGT am vergangenen Montag (17.11.) mit dem Flughafenleiter Tomás Melgar getroffen hatte. „Obwohl der Betrieb der Kantine zu Nullkosten ausgeschrieben wurde, muss der neue Betreiber die ausstehenden Zahlungen an die Sozialversicherung übernehmen“, fügte Carballido hinzu. „Aena ist die Hauptinteressierte daran, das zu regeln.“

„Die Schichtarbeiter und auch die Beschäftigten der Bauarbeiten am Flughafen brauchen die Kantine zum Essen“, berichtete Carballido weiter. „Auch wenn es Lokale gibt, die den Beschäftigten Rabatte gewähren, ist es doch sehr teuer.“

„Die meisten Beschäftigten machen Doppelschichten in verschiedenen Unternehmen oder Überstunden und müssen sich mit Lebensmitteln versorgen, um ihre gesamte Arbeitszeit durchzuhalten“, erläuterte auch José Negreira, Sekretär des Luftfahrtsektors bei UGT Baleares. „Sie können die Flughafenpreise für das Essen nicht zahlen und wollen sich auch nicht von den ungesunden Produkten aus den Automaten ernähren."

Wie Jairo Pineda vom Gewerkschaftsbund CSIF erklärte, habe es früher erschwingliche Menüs für 7,50 oder 8,50 Euro in der Kantine gegeben - kein Vergleich zu den horrenden Preisen der herkömmlichen Flughafenlokale. Und so bleibt vielen nichts anderes übrig, als weiter auf ihre mitgebrachten Brotdosen zu setzen.

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