Mitgliedschaft ab 10.000 Euro: Wie ein Deutscher in El Molinar den ersten elektrischen Bootsclub Spaniens aufbaut
Phlipp von Arnim ist eigentlich Bootshändler. Ab kommendem Jahr bietet er außerdem Club-Mitgliedschaften zur Nutzung von drei Elektrobooten in der Bucht von Palma an.

Der Unternehmer Philipp von Arnim sitzt mit der Leiterin der spanischen Elektrobootvereinigung Marilena Estarellas an Bord eines seiner künftigen Club-Boote im Hafen El Molinar. / Leopold Winkelmann
Wenn Philipp von Arnim auf seinem rein elektrisch betriebenen Boot in der beschaulichen Marina von El Molinar bei Palma sitzt, wird er gerne mal von Passanten begrüßt. So auch an diesem Tag. Von Arnim trägt Sonnenbrille, Hemd und Weste. Ein älteres Ehepaar unterbricht seinen Spaziergang am Hafen. Es bleibt kurz stehen, um interessiert das Boot zu betrachten. "¡Hola, buenos días!", ruft von Arnim gut gelaunt den Betrachtern seines Gefährts zu. "100% Electric" steht in schwarzen Lettern fett gedruckt beidseitig am Rumpf des weißen Schiffskörpers. So häufig gibt es das nicht. Es erregt Aufmerksamkeit. Das Paar erwidert den freundlichen Gruß.
Geschäftsidee entstand aus Gesprächen mit Passanten
An diesem Vormittag bleibt es bei der kurzen Interaktion. Doch auch längere Gespräche entstehen. Und aus solchen hat von Arnim die Geschäftsidee zur Gründung des ersten elektrischen Bootsclubs Spaniens entwickelt. Es handele sich sogar, wie er im Gespräch mit der MZ kundtut, um den ersten des ganzen Mittelmeerraums. Zunächst habe er gedacht, er sei dabei, den weltweit einzigen seiner Art ins Leben zu rufen, aber in Australien gebe es wohl doch schon einen kleinen Elektrobootsclub, habe er mittlerweile erfahren müssen.
Die Touaregs unter den Schnellbooten
Philipp von Arnim ist von Beruf Bootsverkäufer. Er kooperiert mit dem schwedischen Hersteller XShore, vertreibt ihre Gefährte: "Wie ein Autohändler, nur für Boote", erklärt er. Die Besonderheit: Es handelt sich um Elektroboote. Sein Sitz: Bremen. Ein Geschäftspartner sitze in München. Doch von Arnim verkauft auch auf Mallorca. Auf die Frage, mit welcher Autoklasse seine Boote vergleichbar wären, antwortet er: "VW Touareg, gute Mittelklasse, gut motorisiert, kann auch mal schneller fahren. Es passen viele Leute rein, die Familie und Freunde, es ist praktisch".
Schwierige Marktlage
Preislich bewegt man sich beim Kauf von Booten allerdings in anderen Sphären: "Es geht bei 250.000 Euro los, aber mit Konfigurationen und Extras ist man schnell bei 300.000 Euro." Das ist potenziellen Kunden mittlerweile auch in diesem verglichen mit Automobilen exklusiveren Markt zu viel. Während Coronazeiten habe es einen Boom gegeben, nun merken viele der damaligen Erwerber, dass sie doch seltener als gedacht in See stechen. Sie fluten den Markt mit Gebrauchtbooten. Dies erschwert den Verkauf brandneuer Modelle. Hinzu kommt die gegenwärtige wirtschaftliche Lage.
Da sein Boot dennoch auf Interesse stieß, folgte häufig die Frage, ob man es charten könne, oder ob eine Club-Mitgliedschaft angeboten werde. Ein etabliertes Konzept, das die Kunden von Motor- und Segelyachten kennen. Also kaufte von Arnim sich selbst drei der von ihm angebotenen Boote ab, und stellt diese ab kommendem Jahr mit einer neuen Unternehmung der Öffentlichkeit auf Mallorca zur Verfügung. Zumindest der zahlungskräftigen.

Philipp von Arnim erklärt die Steuerung und den Bordcomputer des Elektroboots. / Leopold Winkelmann
Mitgliedschaft ab 10.000 Euro Jahresbeitrag
Die günstigste angebotene Jahres-Mitgliedschaft kostet 10.000 Euro. Das Chartern für einen Tag immernoch stolze 1.500 Euro. Die Anfragen kämen denn auch eher "vom klassischen Finca-Besitzer". Von Arnim spricht von "Mallorquinern", meint damit aber "nicht nur Spanier, sondern auch Hergezogene". Viele in der Nähe ansässige Skandinavier seien sehr interessiert an der Elektromobilität zu See. Zudem gebe es Interesse unter Deutschen. "Darunter sind neben dauerhaften Residenten auch diejenigen, die einen Ferienwohnsitz auf der Insel haben - mit guter Anbindung an Palma", schränkt von Arnim ein.
Die Boote des Clubs liegen im Hafen von El Molinar bei Palma. Dort soll in naher Zukunft eine Schnellladesäule entstehen, erst die zweite auf der ganzen Insel. Diese soll eine vollständige Aufladung der Bootsbatterie innerhalb von eineinhalb Stunden ermöglichen. Aktuell braucht das mit den herkömmlichen "Camping-Steckern" noch elf bis zwölf Stunden.

Eine der herkömmlichen Ladesäulen versorgt das E-Boot in der Marina El Molinar mit Strom. Im Jahr 2026 soll eine Schnellladesäule hinzu kommen. / Leopold Winkelmann
Die Reichweite des Boots hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Bis zu 30 Knoten, 56 Stundenkilometer erreicht das 240 PS starke Speedboot. Bei diesem Tempo hält der Akku allerdings nur etwa eineinhalb Stunden. Mit vier Knoten ist man dagegen über 40 Stunden mit einer Ladung unterwegs. Von Arnim empfiehlt für den Tagesausflug in der Bucht von Palma "elf, zwölf, dreizehn Knoten Reisegeschwindigkeit" – dann würde der Akku gut halten.
Mögliche Expansionspläne
Ab Januar 2026 geht der sogenannte "Mallorca Electric Boat Club" an den Start. Drei Elektroboote stehen dann im Hafen Molinar zur Verfügung. Pro Boot werden fünf Mitglieder zugelassen. Das System: Jedes Mitglied erhält einen "Reservierungstoken", der einmalig gesetzt werden kann, und zur Nutzung des Bootes am reservierten Tag berechtigt. Der Token kann erst nach Ablauf des reservierten Tages neu platziert werden. Dies soll eine hohe Verfügbarkeit der Boote für alle Mitglieder gewährleisten. Für Menschen, die bereit sind mehr zu zahlen, stehen auch Abomodelle mit zwei (14.000 Euro) oder drei Reservierungstagen (19.000 Euro) zur Verfügung.
Sollte das Projekt gut anlaufen, kann sich von Arnim eine Expansion vorstellen. Nicht nur ein Flottenausbau schwebt ihm vor, auch weitere Liegeplätze über der Insel verteilt. "So können wir dann eine Erkundung der mallorquinischen Gewässer von verschiedenen Standorten aus anbieten".
Rund um die Insel kommt man mit dem Elektroboot nämlich nicht. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es an Bord keine. Dafür eine Sitzecke mit Tisch, Sonnenliege - samt der Option eines Sonnensegel für heiße Sommertage. Bis zu zehn Menschen passen an Bord. Auch für Firmenausflüge (sogenannte "Corporate Events") vermietet von Arnim die Boote. "Man muss das Boot erleben", sagt er. Am Tag des Gesprächs mit der MZ ist der Wellengang allerdings zu stark, um auszulaufen. So bleibt es bei der Erzählung. Die Beschleunigung sei einmalig, da komme kein Motorboot mit, erklärt der Unternehmer.

Für 10.000 Euro im Jahr kann man sich ab 2026 regelmäßig ans Steuer dieses E-Bootes stellen. / Leopold Winkelmann
Ohne Motorenlärm und Abgase übers Wasser
Er ist überzeugt davon, dass die Elektromobilität auch zur See die Zukunft sei. Bedenken bezüglich des zum Betrieb der Batterien notwendigen Abbaus von seltenen Erden begegnet er mit der Idee eines Recyclings ausrangierter Akkus, verweist zudem auf eine mögliche Perspektive künftiger Nutzung als Speicher von erneuerbarer Energie. Ohnehin überwiegen für den Verkäufer und Vermieter von Elektrobooten die Vorteile der E-Mobilität: Zu den Umweltaspekten kämen geringere Betriebskosten, und der Vorteil, dass keine Motorgeräusche die Ruhe bei einem Bootsausflug stören. Auch der Gestank der Abgase falle weg.
Die Insel hält er für den idealen Startpunkt seines E-Bootclubskonzepts. "Gerade auf Mallorca, wo man sich immer mehr Gedanken um einen nachhaltigeren und exklusiveren Tourismus macht, passt die Elektromobilität zu dem saubereren Image perfekt." Doch seine Pläne reichen weiter: "Von hier aus wollen wir den europäischen Markt erobern."
Markt mit Wachstumspotenzial
Wie Marilena Estarellas, die Leiterin der spanischen Elektrobootvereinigung, berichtet, seien in Spanien außerhalb der Balearen (102) noch keine elektrischen Boote im Einsatz. In anderen Ländern, zum Beispiel Deutschland (fast 7.000), in der Schweiz (11.000) und in Schweden sei deren Verbreitung bereits etablierter. Bei einer höheren produzierten Stückzahl der Elektroboote sänken auch die Anschaffungskosten, sagt von Arnim. "Langfristig wird sich das E-Boot etablieren", ist der Bremer überzeugt.
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