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Berühmte Insel-Familie sperrt Wanderer aus – Gemeinde Sóller muss dafür zahlen

Nachfahren des bekannten Bankiers Joan March halten seit Jahren Wanderer davon ab, über ihr Landgut Bàlitx zu laufen – unter anderem mit gefälschten Schildern. Dabei ist der Weg Teil der bekanntesten Wanderroute Mallorcas

Gefälschte Beschilderungen verwirren die Wanderer beim Landgut Bàlitx.

Gefälschte Beschilderungen verwirren die Wanderer beim Landgut Bàlitx. / CAIB

Die Abteilung für Landschaftsschutz (ADT) des Inselrats von Mallorca hat der Stadtverwaltung von Sóller ein Bußgeld auferlegt, weil sie nichts dagegen tut, dass Wanderern seit Jahren der Zugang zu einem öffentlichen Wanderweg verwehrt wird.

Teil der Trockensteinwanderroute

Konkret handelt es sich um eine Route, die über das Landgut Bàlitx d’Enmig führt. Bereits im Jahr 2021 hatten Beamte des balearischen Umweltministeriums die Eigentümer des riesigen Waldgrundstücks angezeigt. Der Grund: Die Besitzer von Bàlitx hatten ohne Genehmigung einen Abschnitt des öffentlichen Wanderwegs nach Sa Costera und Tuent verlegt und die Beschilderung geändert, damit Wanderer nicht an den Häusern ihres Landguts entlang gingen - dabei ist der Weg Teil der bekannten Trockensteinwanderroute (Ruta de Pedra en Sec), die durch die gesamte Tramuntana verläuft. Tatsächlich ahmten die Privatleute die selbst angebrachten Schilder sogar dem Design der offiziellen Schilder des Inselrats nach, sodass es immer wieder zu Verwirrungen unter den Wandergruppen kommt.

Berühmte Familie

Das Landgut Bàlitx d’Enmig gehört einer der wohlhabendsten Familien der Inseln, der Dynastie Fierro-March, also Nachfahren von Joan March, dem Gründer der Bank Banca March. Der Familie gehören zahlreiche Ländereien auf Mallorca, unter anderem auch das Landgut Ternelles in der Tramuntana, auf dem der Schutz der vom Aussterben bedrohten Mönchsgeier vorangetrieben wird. Auch hier hatte es immer wieder Auseinandersetzungen wegen verschiedener Wegerechte gegeben.

Die Anzeige im Fall Bàlitx wurde damals an den Inselrat weitergeleitet, der für die Verwaltung der mit dem Fernwanderweg GR-11 verbundenen Bergwege zuständig ist. Diese wälzte die Verantwortung aber an das Rathaus von Sóller ab: Die Gemeindeverwaltung sei die Institution, die für den Erhalt der öffentlichen Wege in ihrem Gemeindegebiet zuständig sei, so die Argumentation des Inselrats. Weil die Gemeinde dem nicht nachkam und der Weg nach wie vor gesperrt ist, muss die Stadtverwaltung nun 600 Euro Bußgeld bezahlen - und zwar jeden Monat, bis der Weg in seinem ursprünglichen Verlauf wiederhergestellt ist.

Warum die Gemeinde Sóller sich bisher nicht aktiv dafür eingesetzt hat, die Wegsperrung aufzulösen, ist unklar. /somo

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