Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Attacke am Flughafen Palma: Mitarbeiterin des Betreuungsdienstes für Menschen mit Behinderung angegriffen

Eine Passagierin verlor nach mehr als einer Stunde Wartezeit die Nerven

Immer wieder kommt es am Flughafen wegen Personalmanges beim Begleitservice für Menschen mit Behinderung zu längeren Wartezeiten.

Immer wieder kommt es am Flughafen wegen Personalmanges beim Begleitservice für Menschen mit Behinderung zu längeren Wartezeiten. / DM

Am Flughafen von Mallorca ist es zu einem Angriff auf eine Mitarbeiterin gekommen. Nach Angaben von Beschäftigten des Betreuungsdienstes für Personen mit eingeschränkter Mobilität (PMR) verlor eine Passagierin, nachdem sie über eine Stunde auf Hilfe hatte warten müssen, die Nerven und ging die Mitarbeiterin an. Der Vorfall, so heißt es seitens der Belegschaft, zeige einmal mehr, dass akuter Handlungsbedarf besteht, um etwa das Problem des Personalmangels zu lösen.

Für die Zustände machen die Beschäftigten vor allem die Betreiberfirma Adelte verantwortlich. Dem Flughafenbetreiber Aena werfen sie vor, dass er sich aus dem Konflikt heraushalte. Auf Anfrage der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" verwies eine Aena-Sprecherin darauf, dass man sich an die Betreiberfirma direkt wenden müsse. Aus Sicht der Angestellten greife das zu kurz: Als Flughafenbetreiber trage Aena eine Mitverantwortung dafür, dass die Betreuung vulnerabler Passagiere würdig und sicher ablaufe.

Nicht nur Personalengpässe

Die Beschäftigten berichten von massiven Personalengpässen – vor allem im Ankunftsbereich. Teilweise gebe es nur eine einzige Person, die nacheinander eine Vielzahl an Passagieren betreuen müsse. Kommen mehrere PMR-Passagiere gleichzeitig an, entstünden deshalb lange Wartezeiten von einer Stunde oder mehr. Ein Mitarbeiter berichtet von zuletzt 72 solcher Fälle an nur einem einzigen Tag, woraufhin sich im Anschluss auch die Airlines beschwert hätten.

Als Ursache dafür, dass Adelte nicht in die Gänge kommt, nennen die Beschäftigten eine Sparstrategie: So laufe in diesem Jahr der Vertrag von Adelte mit Aena aus. Daher investiere die Firma aus Sicht der Belegschaft kaum noch Geld in den Dienst und verweise auf wirtschaftliche Probleme. Das zeige sich auch bei der Ausstattung – es fehlten etwa Rollstühle. Zudem seien zuletzt immer weniger Mitarbeiter beschäftigt worden – und das bei wachsender Nachfrage vonseiten der Passagiere. Die Folge: Die noch angestellten Mitarbeiter müssen an vielen Tagen Überstunden machen.

Betrug bei der Beschäftigungsform?

Adelte, so der Vorwurf, nutze das Modell des „fijo discontinuo“ (Saisonarbeiter) aus und stelle sie als "falsche Festangstellte" ein. „Der 'fijo discontinuo' arbeitet zehn Monate und hat zwei Monate frei. In diesen zwei freien Monaten stellt das Unternehmen andere 'fijos discontinuos' ein, die vorher aufgehört haben, um im Winter ein Mindestniveau an Betreuung zu halten“, erklären sie.

Haupt- und Nebensaison allerdings gebe es am Airport schon seit drei Jahren nicht mehr, argumentieren die Mitarbeiter – das Passagieraufkommen sei auch im Winter hoch. Gleichzeitig würden viele Betroffene, insbesondere ältere Reisende, nach der Reise keine offiziellen Beschwerden einreichen – ein Umstand, von dem Aena profitiere. /sw

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents