Sant Antoni auf Mallorca: Was Insel-Neulinge über das wilde Teufelsfest im Januar wissen müssen
Von Tiersegnungen bis Feuershows – Sant Antoni ist mehr als ein Fest. Einblicke, Tipps und Highlights.

Auch in Manacor begeistern die Teufel die Massen, hier im Januar 2025 / Sebastià Sansó
Sant Antoni. Zwei schlichte Wörter, die zu den ersten gehören, die Kleinkinder auf Mallorca lernen. Und die bei jungen und alten Insulanern alljährlich für Euphorie sorgen, wenn der Januar voranschreitet und das Teufelsfest naht. Als Auswärtiger mag man darüber staunen, wie ein Heiliger und seine höllischen Widersacher es schaffen, die Mallorquiner in kollektive Ekstase zu versetzen. Tipps und Infos für Neulinge.
Um wen geht es?
Alles dreht sich um Sant Antoni Abad (Antonius den Großen). Geboren im 3. Jahrhundert in Ägypten, verlor er der Legende nach im Alter von zwanzig Jahren seine Eltern. Daraufhin verschenkte er seinen Besitz und suchte in der Wüste die Einsamkeit. Dort erschien ihm in Visionen mehrere Male der Teufel und forderte seine Standhaftigkeit heraus. Sant Antoni entsagte den Versuchungen, trotzte dem Bösen und wurde stolze 105 Jahre alt. Heute ist er als Schutzheiliger der Tiere bekannt.
Was hat das mit Mallorca zu tun?
Abgesehen von den christlichen Wurzeln wenig. Allerdings haben die Sant-Antoni-Feiern auf der Insel lange Tradition. In Sa Pobla wurde das Fest bereits im Jahr 1365 gefeiert. In ihrer jetzigen, wilden Form sind die festes de Sant Antoni allerdings erst seit einigen Jahrzehnten populär. Ältere Mallorquiner erinnern sich, dass in ihrer Kindheit kaum jemand die Rolle des Heiligen oder der Teufel übernehmen wollte, die als Protagonisten der Dorffeiern agieren. Heute ist das ganz anders: Unter den mittleren und jüngeren Generationen haben die Figuren in einigen Inseldörfern geradezu Kultstatus. Nur wer tief in der Gemeinschaft verwurzelt ist, hat überhaupt den Hauch einer Chance darauf, selbst einmal in die Rolle der Hauptpersonen zu schlüpfen. Alle anderen sind Teil der jubelnden Massen. Bemerkenswert: Die Teufel (dimonis) sind gerade bei Kindern ungleich beliebter als der Heilige selbst.
Wie laufen die Feiern genau ab?
Das ist in jedem Dorf unterschiedlich. Wer Details wissen will, sollte unbedingt Einheimische fragen - oft erzählen sie gerne und mit glänzenden Augen von ihrer Dorfsause. Die Programme werden zudem auf den Webistes der Rathäuser (Ajuntaments) veröffentlicht. Grundsätzlich ist der eigentliche Ehrentag des Antonius der 17. Januar. Meist beginnt das Fest aber bereits Tage vorher damit, dass die Festkomitees (obreries) die Schulen und Kindergärten besuchen, um die Vorfreude zu schüren.
Am 16. Januar startet dann die große Sause, bei der die Dörfer und ihre Einwohner komplett Kopf stehen. Zunächst geht es ruhig los mit den completes, also religiösen Liturgien: Die Menschen pilgern in die Kirchen, wo das Leben des Heiligen besungen wird. Dann wird es lauter. Teils ab morgens, teils ab nachmittags tanzen die Teufel durch die Orte (die Anzahl und auch das Aussehen der Höllenwesen variiert je nach Dorf), begleitet von Tausenden Bewohnern, die sich meist in einheitliche Gewänder kleiden (je nach Ort mit Jeans, langärmligen schwarzen oder weißen Shirts und roten Tüchern) und zu den alten Liedern singen und tanzen. Auch Alkohol - am liebsten der Zitronen-Gin-Mix "Pomada" oder der Anis-Kräuter-Likör "Mezclat" - fließt in Massen. Gegen Abend werden dann die foguerons entzündet: Freudenfeuer, an denen jeder mitgebrachte Fleisch- und Wurstware grillt.
Wer am nächsten Morgen (dem eigentlichen Feiertag) aus dem Bett kommt, schafft es zu den Tiersegnungen (beneïdes), bei denen der Schutzheilige mit geistlicher Verstärkung Haus- und Nutztiere segnet. Kinder erfreuen sich auch an den Umzügen, auf denen sie in Trachten gekleidet in Wagen (carrosses) mitfahren.
Wo ist es am besten?
Wenn es nach den Mallorquinern geht: im eigenen Dorf. Vor allem im Inselosten und Inselnorden sind die Feierlichkeiten für die Einheimischen ein fester Termin, an dem sie auf jeden Fall da sind, oder - falls verzogen - nach Hause zurückkehren. Wer sich nirgends verwurzelt fühlt oder in Palma lebt (wo statt Antonius der Heilige Sebastian am 20. Januar gefeiert wird), der kann zwischen mehreren Hochburgen wählen.
In Manacor sind vor allem die goigs ein Highlight: Jahr für Jahr folgen diese fetzigen mallorquinischen Verse in der Mare-de-Déu-dels-Dolors-Kirche auf die eher besinnlichen completes - und versetzen Tausende Besucher in Ekstase. Tipp: Wer den Einheimischen keinen der begrenzten Plätze wegnehmen will, kann bereits vorher zu den Proben kommen.
Ebenfalls voll wird es bei der Hexennacht (Nit de Bruixes) in Sa Pobla. Hier sind am 16. Januar spektakuläre Feuershows zu sehen. Weniger pompös, dafür aber umso authentischer, geht es am 16. bereits am frühen Morgen in Artà zu. Hier machen die Teufel zeitig ihre ersten Tänze durch die Gassen – und alle jubeln mit. Eine bessere Gelegenheit, tief in die mallorquinische Seele zu blicken, gibt es nicht.
Gesitteter geht es bei den Tiersegnungen am 17. Januar zu, die vor allem in Muro ein sehenswertes Spektakel sind. Hier werden von Schafen über Papageien, bis hin zu Schlangen und Schweinen alle Tiere vor das Weihwasser gezerrt. Am selben Tag versucht die Dorfjugend von Pollença, einen eingeseiften Kiefernstamm zu erklimmen. Aufgrund der Menschenmassen und des Platzmangels sollte man das Spektakel aber besser live auf dem Regionalsender IB3 verfolgen.
Was sollten Auswärtige beachten?
Viele Mallorquiner lieben und leben das Fest, auch wenn sich - ganz ähnlich wie beim deutschen Schützenfest - die Faszination für Außenstehende nur schwer erschließen mag. Wer neugierig ist, möge respektvoll zuschauen, wer begeisterungsfähig ist, möge mitfeiern - und wer skeptisch ist, sollte einfach zu Hause bleiben. Wie heißt es so schön: La festa és un sentiment, die Feier ist ein Gefühl - und das kann man nicht erzwingen. Aber vielleicht stellt es sich mit der Zeit ein.
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