Malta ist im Winter nur 15 Euro von Mallorca entfernt: Abstecher auf eine andere Mittelmeerinsel
Die derzeit wohl billigsten Urlaubsflüge von Mallorca aus führen in einen kleinen Inselstaat südlich von Sizilien. Johannes Krayer hat sich dort umgeschaut – und sich gar nicht so fremd gefühlt

Die Naturschönheit Blue Grotto an der Südwestküste von Malta. / Johannes Krayer
Was tun, wenn man Anfang Dezember etwas unverhofft zwei Wochen frei hat? Einen vorgezogenen Weihnachtsurlaub in der früheren Heimat wahrnehmen oder doch die Welt erkunden? Beim Durchforsten der (zu dieser Jahreszeit noch verfügbaren) Flugziele von Palma aus sticht in der Ryanair-App eine Verbindung ins Auge: Malta – für 14,99 Euro. Und das Beste: Der Rückflug eine Woche später kostet ebenfalls 14,99 Euro. Gekauft!
Der Flug dauert knapp eineinhalb Stunden. Auch am Flughafen von Malta wird umgebaut, es ist ja Winter auf der Sommerurlaubsinsel. Bis das Gebäude mit den Mietwagenanbietern gefunden ist, dauert es eine Weile. Dafür ist das Auto fast geschenkt. Für gerade einmal 37 Euro gibt es eine Woche lang einen Toyota Aygo von Europcar. Ohne Versicherung. Einigermaßen gewagt, herrscht auf Malta doch Linksverkehr, und noch dazu liest man auf jedem zweiten Reiseblog über die nahezu selbstmörderische Fahrweise der Malteser.
1.500 Euro Kaution für Mietwagen - wie auf Mallorca
Wird schon gut gehen, auch wenn der durchaus freundliche Mitarbeiter am Schalter subtile Panik verbreitet, in Aussicht stellt, dass das Auto bei Abgabe peinlich genau auf mikroskopische Kratzer und sogar Wasserflecken auf den Sitzbezügen überprüft werde. Um die Ernsthaftigkeit seiner Ausführungen zu unterstreichen, behält er eine Kaution von 1.500 Euro für mögliche Schäden ein. Kennt man ja von vielen Anbietern auf Mallorca.

Vittoriosa, auch Birgu genannt, ist eine der sogenannten Three Cities. / Johannes Krayer
Die ersten Kilometer im Regen und im Dunkeln auf unbekannten und zwar autobahnähnlich ausgebauten, aber doch äußerst kurvigen Straßen fühlen sich an wie ein echtes Abenteuer. Und es zeigt sich, dass die maltesischen Autofahrer zwar Geschwindigkeitsbeschränkungen wohlwollend ignorieren, aber ansonsten recht rücksichtsvoll agieren.
Malta ist extrem dicht besiedelt
Was bei der ersten Fahrt zum Hotel nach Qawra im Norden der Insel bereits auffällt: Malta ist extrem dicht besiedelt. Das Land Malta – dazu gehören auch noch die Insel Gozo (bewohnt) und die Inselchen Comino und Cominotto (beide unbewohnt) – weist mit rund 1.800 Bewohnern pro Quadratkilometer mit die höchste Bevölkerungsdichte der Welt auf (zum Vergleich: auf Mallorca sind es nur 240 Bewohner pro Quadratkilometer). Im Ballungsraum rund um die Hauptstadt Valletta, die nur 5.000 Einwohner hat, leben inzwischen mehr als 200.000 Menschen und damit fast die Hälfte der Einwohner des Landes.
Das macht sich vor allem in der morgendlichen und nachmittäglichen Rushhour bemerkbar: Wie auf Mallorca steht man auch hier im Stau. Die maltesische Regierung versucht es inzwischen mit mutigen Vorstößen: Junge Leute unter 30, die ihren Führerschein fünf Jahre lang abgeben, sollen 25.000 Euro bekommen. Ob das auch für Mallorca taugt?

Die Sanap Cliffs auf der kleineren Insel Gozo. / Johannes Krayer
Das Land setzt stärker auf Entsalzungsanlagen als Mallorca
Ebenso heikel wie auf Mallorca: die Wasserversorgung. Es gibt keine Stauseen, Flüsse oder andere natürliche Wasservorkommen. Die Lösung: Malta setzt stärker als Mallorca auf Entsalzungsanlagen. Vier von ihnen gibt es entlang der Küste der nur 316 Quadratkilometer großen Inselgruppe. Mallorca verfügt mit mehr als zehn Mal so viel Fläche nur über drei Anlagen. So oder so: Auch Malta hat vor allem in der Hochsaison Schwierigkeiten damit, die Wasserversorgung aufrechtzuerhalten. Davon ist im Dezember wenig zu spüren, wenn wenige Urlauber auf der Insel sind und es noch dazu recht ergiebig regnet.
Wobei das mit den wenigen Urlaubern relativ ist. Im Hotel Qawra Palace geht es sehr wuselig zu. Die 600-Zimmer-Bettenburg scheint fast ausgebucht zu sein, das Sprachengewirr ist enorm. Viele Reisende stammen aus Osteuropa, aber auch einige Franzosen, Briten, Italiener, wenige Deutsche sind da. Dazu gesellt sich eine indische Mädelstruppe, eine Großfamilie aus dem arabischen Raum und weitere Gäste mit schwer identifizierbaren Muttersprachen, darunter einige Asiaten.

Das aus der Serie „Game of Thrones“ bekannte Stadttor von Mdina. / Johannes Krayer
Englisch ist Amtssprache
Mit Englisch kommt man auf Malta bestens durch, neben Maltesisch ist es die zweite Amtssprache des Landes. Maltesisch ist eine semitische Sprache, die hauptsächlich aus einem arabischen Dialekt entstanden ist, allerdings Bestandteile aus dem Englischen und den romanischen Sprachen enthält. Es klingt faszinierend, und beim Zeitunglesen kann man relativ viel verstehen, sofern man Englisch und eine romanische Sprache spricht.
Ein großer Vorteil des Landes sind die kurzen Strecken: Innerhalb von wenigen Minuten ist man in der nächsten Stadt. Selbst eine Überfahrt nach Gozo dauert gerade mal 20 Minuten. Und so kommt von der mittelalterlichen Stadt Mdina, die fast unwirklich schön auf einem der wenigen Hügel daliegt, in die Nachbarstadt Mosta mit einer monströsen Rundkirche. Wenige Kilometer weiter beginnt schon der Großraum Valletta mit der barocken Hauptstadt, der großzügigen Befestigungsanlage und den ebenso beeindruckenden Three Cities gegenüber dem riesigen Naturhafen.

Auch auf Malta isst man gerne die Goldmakrele („lampuki“). / Johannes Krayer
Auch nicht weit ist es zu den nahezu 6.000 Jahre alten Tempelanlagen von Ħaġar Qim (sprich: Hadschar Ihm) aus der Megalithkultur, die traumhaft auf einer Hochebene direkt an der Küste liegen. Um die Ecke ragt ein Felsarm ins Meer, die sogenannte Blue Grotto. Und etwas Dover-Feeling gibt es an den Dingli Cliffs oder auf Gozo an den Sanap Cliffs, die bis zu 150 Meter aus dem Meer aufragen. Bei einem Badestopp an der Imgiehba Bay im landschaftlich deutlich schöneren Norden der Hauptinsel ist niemand am Strand.
Es gibt Goldmakrele zu essen
Gastronomisch ist der Schmelztiegel der Kulturen sehr vielfältig aufgestellt, es gibt natürlich viel Fisch (die von Mallorca bekannte Goldmakrele llampuga ist auch hier nationale Delikatesse und heißt ähnlich: Lampuki), auch in Form des Nationalgerichts Aljotta, einer Fischsuppe mit Gemüse, die erstaunlich wenig fischig schmeckt. Sehr typisch sind auch Rouladen mit Tomaten-Oliven-Kapern-Sauce oder die Pastizzi genannten gefüllten Blätterteigtaschen. Die Preise fürs Essengehen liegen im Schnitt minimal niedriger als auf Mallorca, die Lebenshaltungskosten generell sind ähnlich hoch.
Apropos Preise: Im Endeffekt war der Flug dann gar nicht so günstig, weil ein Fehler bei der Buchung eine Namensänderung nötig machte. Und da langt Ryanair dann richtig hin: 115 Euro Gebühren!
Abonnieren, um zu lesen
- Weißer Hai im spanischen Mittelmeer nachgewiesen: Studie bestätigt seltenen Fund
- Ein unaufhörliches Heulen: Sturmtief 'Nils' zieht mit 162 km/h über Mallorca
- Nach 13 Jahren: Das 'Goodbye Deutschland'-Lokal Red Rubber Duck in Peguera hat zugemacht
- Openings am Ballermann 2026: Wann Megapark, Bierkönig, Bamboleo, Oberbayern und Co. in die Saison starten
- Taucher finden unverhofft 'Schatz' in der Bucht von Palma - und sorgen für ein Happy End
- Weißer Hai im spanischen Mittelmeer: Wo genau wurde das Tier von Fischern gefangen?
- Im Februar: Erste Tropennacht des Jahres auf Mallorca gemessen
- Sturmtief „Nils“ auf den Balearen: 267 Einsätze seit Mitternacht – Mallorca am stärksten betroffen
