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Dieser Mallorca-Liebhaber ist einer der meistgereisten Menschen der Welt

Michael Runkel hat 1.283 der 1.301 Provinzen der Welt bereist. Was ihn antreibt, was er dabei lernt und was er an Mallorca so schätzt

Der Reisefotograf in einem grünen Gletscher in Kulusuk, Ostgrönland.

Der Reisefotograf in einem grünen Gletscher in Kulusuk, Ostgrönland. / Michael Runkel

Simone Werner

Simone Werner

„Suchen Sie uns doch ein paar Fotos von Ihren Reisen für den Artikel heraus“, lautete unsere Bitte an Michael Runkel. Für den professionellen Reisefotografen könnte das bei geschätzt 3,5 Millionen geschossenen Fotos eine ganz schöne Herausforderung sein. Der 56-Jährige ist einer der meistgereisten Menschen der Welt. Der gebürtige Franke hat Einkünfte aus der Vermietung mehrerer Immobilien in Deutschland, lebt aber vom Fotografieren und der Organisation von Reisen. Zudem hält er Vorträge, bestreitet Ausstellungen und schreibt Bücher.

Viel zu erzählen hat Michael Runkel allemal. Im Interview fallen immer wieder Namen von Gegenden, die den wenigsten Menschen etwas sagen dürften. Nicht nur sein fränkischer Dialekt sorgt dafür, dass der studierte Gymnasiallehrer bei seinen Erzählungen keineswegs abgehoben klingt. Schnell wird klar: Mit Urlaubmachen haben seine Reisen wenig zu tun. Urlaub verbringt er stattdessen in seiner Zweitimmobilie auf Mallorca (sein Hauptwohnsitz ist in Nürnberg). Obwohl Runkel so gut wie jede Gegend der Erde gesehen hat, fühlt er sich auf Mallorca besonders wohl – und das nicht nur, weil die Insel so gute Flugverbindungen anzubieten hat.

Der Salzsee Lac Abbé an der Grenze von Äthiopien und Dschibuti.

Der Salzsee Lac Abbé an der Grenze von Äthiopien und Dschibuti. / Runkel

Ist in Ihrem Reisepass überhaupt noch Platz für weitere Stempel?

Ich habe immer zwischen drei und vier Pässe, die gleichzeitig gültig sind. Vier sind das Maximum, das man haben kann. Um die verschiedenen Visa zu beantragen, muss ich die Pässe an unterschiedliche Botschaften schicken. Da ich ständig reise, wäre es organisatorisch anders gar nicht möglich. Meine Reisepässe haben zudem 48 Seiten, da sie sich so schnell füllen. Der normale deutsche Reisepass hat eigentlich nur 32 Seiten. Die Erweiterung kann man gegen einen Aufpreis beantragen. Ich habe immer zwischen drei und vier Pässe, die gleichzeitig gültig sind. Vier sind das Maximum, das man haben kann. Um die verschiedenen Visa zu beantragen, muss ich die Pässe an unterschiedliche Botschaften schicken. Da ich ständig reise, wäre es organisatorisch anders gar nicht möglich. Meine Reisepässe haben zudem 48 Seiten, da sie sich so schnell füllen. Der normale deutsche Reisepass hat eigentlich nur 32 Seiten. Die Erweiterung kann man gegen einen Aufpreis beantragen.

Laut nomadmania.com, einem Reiseclub, rangieren Sie auf Platz 3 der meistgereisten Menschen der Welt. Was bedeutet Ihnen das?

Es gibt circa 450 Menschen, die alle Länder der Welt bereist haben. Darunter sind allerdings auch einige, die in manchen nur ein paar Stunden waren – oder vielleicht sogar nur am Flughafen. Nehmen wir an, jemand fliegt morgen nach Moskau. Dann war er zwar in Russland, hat von dem Land aber tatsächlich kaum etwas gesehen. Ich will in die Tiefe gehen, indem ich in die Provinzen reise. In Deutschland wären das die Bundesländer. Auf der Welt gibt es 1.301 Provinzen. Von denen habe ich 1.283 bereist. Ob man in 193 Ländern oder in 1.301 Provinzen war, ist ein großer Unterschied.

Also geht es doch um Zahlen?

Nein. Ich will daraus keinen Wettbewerb machen. Ich reise nicht aus reinem Hedonismus, um zu zeigen, wie toll ich bin, sondern so, dass ich die Orte auch wirklich sehen und fotografieren kann. Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, dass Kunden mich buchen. Für sie stelle ich dann eine Reise zusammen, die sie sonst nicht bekommen. Entweder begleite ich sie nur, oder ich bringe ihnen vor Ort auch das Fotografieren bei. Oft sind es sehr wohlhabende Kunden. Im Sommer zum Beispiel miete ich einen Jet. Damit besuchen wir 23 Destinationen im Südpazifik. Wir haben Drohnen dabei, und ich zeige meinen Kunden, wie sie damit schöne Aufnahmen machen können.

Runkel mit dem „Herrscher des Universums“ in Mbandaka im Kongo.

Runkel mit dem „Herrscher des Universums“ in Mbandaka im Kongo. / Runkel

Ihre Frau haben Sie auf einer Weltreise in der Antarktis kennengelernt, Sie haben mittlerweile zwei Kinder (6, 10) zusammen. Wie vereinen Sie Ihren Beruf mit dem Familienleben?

Meine Frau, Samantha Runkel, war früher eigentlich keine Reisefrau, aber damals als Popsängerin viel auf Tournee. Sie stammt aus Kalifornien. Als wir uns vor 15 Jahren kennengelernt haben, war sie auf Findungstour. Die CD-Industrie war damals auf dem absteigenden Ast. Und sie wollte nicht mehr ihr Leben lang auf Tournee sein. Also sind wir erst einmal neun Monate zusammen um die Welt gereist. Mittlerweile waren wir gemeinsam in über 100 Ländern.

Und Ihre Kinder?

Die sind zwar beide in Deutschland geboren, aber auch schon sehr viel gereist. Meine Tochter hat schon drei Weltreisen hinter sich.

Auch an den Südpol hat Michael Runkel es geschafft.

Auch an den Südpol hat Michael Runkel es geschafft. / Runkel

Also reisen Sie auch viel gemeinsam?

Während der Schulferien sind wir zusammen unterwegs. Darüber hinaus bin ich mehrere Monate mit Kunden auf Reisen, ganz alleine nur noch selten. Währenddessen hält meine Frau die Stellung. Die längste Zeit, in der ich meine Familie nicht gesehen habe, waren fünf Wochen. Da mir meine Familie sehr wichtig ist, versuche ich meine Reisen kurz, dafür aber intensiv zu halten. Wenn ich dann von einer Expedition nach Hause komme, muss ich direkt Papa sein. Durchschnaufen gibt es bei mir nicht. Einmal war ich bei Eingeborenen in Südvenezuela. Sie hatten zuvor noch nie andere Menschen gesehen. Es war extrem schwierig und eine sehr anstrengende Reise. Als ich nach Hause gekommen bin, musste ich meinen Sohn direkt zum Kinder-Schwimmen bringen.

Eine Luftaufnahme auf der Insel Fakarava in Französisch-Polynesien

Eine Luftaufnahme auf der Insel Fakarava in Französisch-Polynesien / Runkel

Hört sich nach einem Leben in zwei verschiedenen Welten an …

Reisen klingt oft unkompliziert. In meinem Fall ist es meistens auch ziemlich anstrengend. Oft handelt es sich um Extremreisen, bei meiner letzten Reise waren sogar sechs bis acht Bodyguards um uns herum.

Wieso denn Bodyguards?

Weil es so gefährlich war. Ich war in drei Kriegsgebieten: im Sudan, Libyen und Somalia.

Nehmen Sie da kein Päckchen mit, wenn Sie aus solchen Gebieten wieder abreisen?

Natürlich sind diese Reisen psychisch sehr anstrengend. Wenn man es so viele Jahre macht, hat man allerdings auch eine gewisse Resistenz dagegen. Man darf es nicht zu nah an sich heranlassen. Sonst geht man daran zugrunde.

Beim Stamm der Jiye im Südsudan.

Beim Stamm der Jiye im Südsudan. / Runkel

Welche anderen gefährlichen Situtationen haben Sie auf Ihren Reisen erlebt?

2003 war ich bei einem schweren Erdbeben im Iran, 85.000 Menschen starben, ich selbst habe Menschen aus dem Schutt befreit. In Kambodscha bin ich 1993 auf dem Weg zu einem Tempel eineinhalb Stunden durch ein Minenfeld gekrabbelt. Damals habe ich mir gesagt: Wenn ich das überlebe, kaufe ich mir einen neuen Fernseher.

Was haben Sie über die Welt und ihre Menschen gelernt?

Die Welt ist viel vielfältiger, als wir uns das vorstellen. Wenn man sie bereist, trifft man nur wenige schlechte und sehr viele gute Menschen. Daher ist die Welt deutlich besser, als wir sie vielleicht wahrhaben wollen.

Ein Wasserfall in Guinea-Conakry.

Ein Wasserfall in Guinea-Conakry. / Runkel

Wir machen uns Sorgen um den Planeten, Stichwort Klimawandel. Sie auch?

Natürlich ist er ein Riesenproblem. Die Leute, die den Klimawandel leugnen, müssten ein bisschen mehr reisen. Da kann man es gut sehen. Ich reise seit 38 Jahren. Überall sieht man den wahnsinnigen Einfluss, den der Mensch auf den Planeten hat, an dem Artenrückgang, der Anzahl der weltweiten Verwüstungen, der veränderten Wettermuster. Das Problem ist, dass wir mit acht Milliarden Menschen zu viele sind. Vor allem in Asien, wo fast fünf Milliarden Menschen leben, wollen viele mehr reisen, mehr Wohlstand erlangen. Denen kann man nicht sagen: „Macht das nicht!“ Sie sind auf dem Weg, die Bemühungen, die wir machen, zunichtezumachen. Daher sehe ich nicht wirklich eine Lösung.

Ihr eigener CO₂-Fußabdruck bereitet Ihnen keine Sorgen?

Er ist mir selbstverständlich bewusst, nur muss es ja auch Menschen geben, die über die sich verändernde Welt berichten.

Wie kam es, dass ein Weltenbummler wie Sie sich dann vor neun Jahren entschieden hat, sich eine Immobilie auf Mallorca zu kaufen?

Es waren auch andere Orte in Europa im Gespräch … Kroatien, Griechenland, die Toskana oder Korsika. Zu einigen Orten dauert die Anreise aber zu lange, oder sie sind nur im Sommer gut erreichbar. Bei Mallorca ist das anders.

Steht eher hinter der Kamera: Michael Runkel.

Steht eher hinter der Kamera: Michael Runkel. / Nele Bendgens

Wieso ist es Port de Pollença geworden?

Wir sind damals die ganze Insel abgefahren. Ich finde, die Gegend um Port de Pollença ist eine der schönsten, die es auf der Welt gibt. Da Pollença im Gebiet des Weltkulturerbes Serra de Tramuntana liegt, kann man den Ort nicht zubauen. Daher ist er auch viel weniger bekannt als andere. Wir sind erst vor Kurzem umgezogen, in eine größere Immobilie. Es war uns sehr wichtig, in Port de Pollença zu bleiben.

Ist die Insel bei all dem, was Sie gesehen haben, noch etwas Besonderes?

Auf jeden Fall. Das Gefühl habe ich bis heute. Sonst hätten wir auch keine größere Wohnung auf Mallorca gekauft. Die Insel ist so wahnsinnig vielfältig. Mallorca hat Kultur, Natur, Infrastruktur, Strände, Berge und tolle Feste. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier wohnen darf.

Als erster Balearen-Resident alle Länder der Welt bereist?

Kurz davor, als erster Balearen-Bewohner alle Länder der Welt bereist zu haben, ist Fernando de la Puente. Runkel und er haben sich Ende 2025 im Sudan kennengelernt. „Laut der UNO gibt es 193 Länder, ich zähle aber noch Vatikanstadt, Palästina, Kosovo und Taiwan dazu“, sagt de la Puente zur MZ. Nur Venezuela und Nordkorea fehlen ihm noch. Laut der Website nomadmania.com belegt de la Fuente im Spanien-Ranking Platz 17. „Wenn alles nach Plan läuft, habe ich im April dann alle Länder der Welt bereist“, sagt der Madrilene zur MZ, während er in Rio de Janeiro am Strand liegt.

Venezuela ist für März geplant, Nordkorea dann für April. „Seit 2020 ist Touristen die Einreise nach Nordkorea verboten. Lediglich einmal im Jahr öffnet das Land den Zugang, für einen Marathon“, berichtet de la Puente, der einen von 500 Startplätzen ergattern konnte. Sie seien innerhalb einer Stunde ausverkauft gewesen.

Selbst den Marathon laufen, wird er wohl nicht. „Man hat auch die Option, nur fünf oder zehn Kilometer zu bestreiten.“ Unter den vermeintlich passionierten Läufern dürften noch viele weitere Reisefreudige sein, schätzt der 57-Jährige, der seit 26 Jahren auf Mallorca lebt. Hier arbeitete er unter anderem als Vertriebsmitarbeiter für die MZ. Seine Reisen finanziert er auch durch Mieteinnahmen.

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