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Rettungseinsätze wegen "Fahrlässigkeit": Verunglückte Wanderer auf Mallorca werden wohl bald zur Kasse gebeten

Der Inselrat hat eine neue Regelung für die Serra de Tramuntana vorgestellt: Bei „offensichtlichem Leichtsinn“ sollen Bergrettungen künftig in Rechnung gestellt werden. Der Gesetzentwurf ist noch im Verfahren

Einsatz der Bergrettungseinheit der Guardia Civil auf Mallorca.

Einsatz der Bergrettungseinheit der Guardia Civil auf Mallorca. / Guardia Civil

Verunglückte Wanderer auf Mallorca, die die Hilfe der Bergrettung benötigen, müssen künftig je nach Fall selbst für die Kosten aufkommen, die mit dem Rettungseinsatz einhergehen. Das sieht eine neue Regelung für die Serra de Tramuntana vor, die Verantwortliche des Inselrats am Mittwoch (18.2.) vorgestellt haben.

Der Gesetzestext befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. Bis zum 15. April können Änderungsvorschläge eingereicht werden; anschließend muss der Entwurf dem Parlament zur Zustimmung vorgelegt werden.

"Offensichtliche Fahrlässigkeit"

Konkret ist das neue Vorhaben in Artikel 43.5 des Gesetzentwurfs zur Regelung der Kulturlandschaft der Serra nachzulesen. Dort heißt es, dass die Möglichkeit vorgesehen werden soll, "die Bergrettungen im Falle offensichtlicher Fahrlässigkeit zu berechnen." Sprich: Wanderer sollen dann zur Kasse gebeten werden, wenn sie selbst Schuld daran haben, in die Gefahrensituation gelangt zu sein und diese hätte vermieden werden können.

An der Ausarbeitung dieser künftigen Regelung sollen demnach „mindestens“ folgende Einrichtungen beteiligt sein: die balearische Bergsteiger- und Klettervereinigung (Federació Balear de Muntanyisme i Escalada, kurz: FBME), die Spezialeinheit für Bergrettung (GREIM) der Guardia Civil, die Feuerwehr des Inselrats Mallorca und die Generaldirektion für Notfälle und Zivilschutz des Inselrats.

Zahl der Rettungen zuletzt kontinuierlich gestiegen

Tatsächlich ist die Anzahl der Bergrettungseinsätze in den zurückliegenden Jahren ständig angestiegen. Im Jahr 2024 führte die Einheit GREIM per Rettungshubschrauber 117 Einsätze an schwer zugänglichen Orten auf den Inseln durch; dabei wurden 144 Personen gerettet, 15 Menschen konnten nur noch tot geborgen werden. In den meisten Fällen waren auch andere Rettungsdienste wie die Feuerwehr und der Zivilschutz beteiligt. Im vergangenen Jahrzehnt wurden 1.521 Menschen aus den Bergen gerettet.

„Wir haben immer mehr Einsätze dieser Art, vor allem bedingt durch das wachsende Interesse an Bergsportarten, sowohl bei Urlaubern als auch bei Einheimischen", so der GREIM-Leiter Juan Carlos Rodríguez Sunyé in einem Interview mit der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" im Jahr 2025.

Häufigstes Problem: Verlaufen im Gelände

Der häufigste Fall, in dem die Rettungskräfte des GREIM eingreifen, sei der von Wanderern, die den markierten Weg verlassen und sich schließlich verlaufen. „In der Regel sind es Menschen, die das Gelände nicht kennen und nicht mit dem GPS umgehen können, sodass sie am Ende die Orientierung verlieren und Hilfe rufen“, kommentierte Rodríguez Sunyé.

Nicht selten unterschätzten die Ausflügler auch die Hitze und die Entfernungen oder nähmen nicht genug Wasser und oder adäquates Schuhwerk mit. Ein paar allgemeine Tipps zum sicheren Wandern in der Tramuntana lesen Sie hier.

Jüngste Fälle

Der jüngste Fall liegt noch nicht lange zurück. Erst am Dienstag (17.2.) mussten die Einsatzkräfte einen 23-jährigen Mann retten, der sich am Puig de Galatzó in Calvià eine Knöchelverletzung zugezogen hatte. Das Opfer wurde mit einem Hubschrauber ins Landeskrankenhaus Son Espases geflogen.

Am vergangenen 7. Februar retteten die Einsatzkräfte der Feuerwehr zudem fünf Wanderer, die auf dem Gipfel des Penyal de Migdia festsaßen. Sie hatten versucht, den Gipfel über die komplizierte Route sa Coma de n’Arbona in Fornalutx zu erreichen. Aus Sicherheitsgründen musste die Rettung zu Fuß von Einsatzkräften der Berggruppe durchgeführt werden. /somo

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