Was passiert bei Sturm am Flughafen Mallorca? Ein Fluglotse erklärt das Protokoll
Am Donnerstag scheiterte erneut die Landung eines deutschen Urlaubfliegers. Doch was schreibt eigentlich das Protokoll vor?

So sehen die Fluglotsen an Palmas Flughafen ein Gewitter. / Archiv
Fünf Sturmtiefs sind seit Anfang Februar über Mallorca hinweggefegt und haben für einige umgeleitete Flieger am Flughafen Palma gesorgt. Am Donnerstag (19.2.) missglückte die Landung einer Ryanair-Maschine auf der Insel gleich zweimal. Vergangenen Woche hatte ein Eurowings-Flieger mit den Windböen gekämpft und musste nach Valencia umgeleitet werden. Die MZ hat beim Sprecher der Fluglotsen, Pau Marí, nachgefragt, wie das Sturmprotokoll aussieht.
Was passiert bei Stürmen am Flughafen?
Wir treffen Maßnahmen, um die Sicherheit des Flugverkehrs zu garantieren. In erster Linie schrauben wir die Kapazität der ankommenden und abgehenden Flügen herunter. Dadurch sind weniger Flieger in der Luft. Sollte dann eine Landung scheitern - was sehr wahrscheinlich bei Sturm ist -, können wir einfacher darauf reagieren. Dieses Protokoll gilt nicht nur bei Sturm, sondern bei allen Arten von Unwettern.
Welche Maßnahmen werden noch ergriffen?
Wir erhöhen meist noch den Abstand zwischen den einzelnen Flugzeugen. Normalerweise beträgt dieser fünf Meilen horizontal (8,05 Kilometer, Anm. d. Red.) und Tausend Fuß vertikal (305 Meter, Anm. d. Red.). Im Landeanflug sinkt der Abstand meist auf zwei bis drei Meilen (3,2 bis 4,8 Kilometer, Anm. d. Red.). Und den erhöhen wir dann bei Sturm.

Redaktion DM
Wie läuft die Landung bei Sturm ab?
Die Flugzeuge brauchen immer Gegenwind, sowohl bei der Landung als auch beim Start. Das garantiert den Auf- oder Abtrieb, was bei geringen Geschwindigkeiten wichtig ist. Gibt es Rückenwind, ist das kein großes Problem. Dann lassen wir die Flieger einfach in die jeweils andere Richtung starten und landen. Knifflig wird es, wenn der Wind von der Seite kommt. Die Flugzeuge sind so konzipiert, dass sie bis zu gewissen Windgeschwindigkeiten fliegen können. Ein Wechsel der Start- und Landebahn ändert an der Lage aber nichts. Oft treten in der An- und Abflugschneise Schwerwinde auf. Das sind heftige Windböen aus wechselnder Richtung. Die sind in allen Flugphasen problematisch, bei der Landung aber regelrecht kritisch. Die sorgen dafür, dass eine Maschine dann durchstarten muss.
Wer entscheidet, ob ein Alternativflughafen angeflogen wird?
Das obliegt dem Piloten. Wir Fluglotsen geben ihm stets die Wettervorhersagen in Echtzeit rund um den Flughafen Mallorca. Angesichts derer bleiben ihm drei Optionen: Entweder versucht er die Landung oder er fliegt Schleifen, um abzuwarten, ob sich die Bedingungen bessern. Die letzte Möglichkeit ist der Anflug auf einen anderen Flughafen. Die trifft der Pilot, wenn der Sturm stärker als die maximale Belastung ist, für die das Flugzeug konzipiert ist. Als Fluglotsen assistieren wir dann und stellen die Route zum Alternativflughafen bereit.
Was ist die höchstmögliche Windgeschwindigkeit, bei der der Flieger starten und landen kann?
Das hängt vom einzelnen Flieger ab, der Grenzen für Seiten- oder Frontalwinde hat. Bei Rückenwind ändern wir in der Regel ab zehn Knoten (18,5 km/h, Anm. d. Red.) die Ausrichtung der Start- und Landebahn. Bei Seitenwinden ist mehr möglich. Da reden wird von vielleicht 15 bis 25 Knoten (27,8 bis 46,3 km/h).
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