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"Wir haben gehört, wie drei Raketen in unserer Nähe vorbeiflogen": Bis zu 1.000 Mallorquiner im Nahen Osten gestrandet

Aufgrund der Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran sind Hunderte Mallorquiner von Flugausfällen betroffen. Zwei Gestrandete berichten, wie sie die Lage in Dubai erleben

Die Mallorquiner Yolanda Altafaj und ihr Sohn Carlos Gómez warten derzeit in Dubai auf ihre Weiterreise nach Mallorca.

Die Mallorquiner Yolanda Altafaj und ihr Sohn Carlos Gómez warten derzeit in Dubai auf ihre Weiterreise nach Mallorca. / DM

Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat massive Auswirkungen auf den internationalen Flugverkehr – und trifft auch zahlreiche Reisende von Mallorca. Seit Samstag (28.2.) ist der Luftraum in weiten Teilen des Nahen Ostens geschlossen. Nach Angaben des balearischen Reisebüroverbands AVIBA sind Hunderte, möglicherweise sogar rund 1.000 Mallorquiner betroffen – sowohl Urlauber, die sich derzeit in Asien oder in der Golfregion aufhalten, als auch Menschen, die ihre Reise erst antreten wollten.

„Der Luftraum ist derzeit im gesamten Nahen Osten geschlossen“, erklärte AVIBA-Präsident Pedro Fiol bereits am Samstag. Besonders betroffen seien Verbindungen nach Asien, Indien, Thailand, Südostasien oder Ozeanien, da viele dieser Routen normalerweise über den Süden Russlands oder den Persischen Golf führen.

Die Lage sei „sehr heikel“ und von großer Unsicherheit geprägt. Alle Reisebüros auf den Balearen seien im Dauereinsatz, um Kunden zu informieren, umzubuchen oder Tickets vorläufig offen zu halten. Gleichzeitig müsse mit weiteren Annullierungen gerechnet werden.

Mallorquiner in Dubai gestrandet

Zu den Betroffenen zählen auch Yolanda Altafaj und ihr Sohn Carlos Gómez aus Mallorca. Sie sitzen derzeit in Dubai fest. Eigentlich sollten sie am Sonntag nach Madrid zurückfliegen, nachdem sie eine Kreuzfahrt mit der Reederei MSC beendet hatten. Doch nach der iranischen Militärreaktion, bei der auch Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen wurden, stellte der Flughafen Dubai – bis dahin einer der verkehrsreichsten der Welt – den Betrieb zeitweise ein.

„Wir haben gehört, wie drei Raketen in unserer Nähe vorbeiflogen“, berichteten die beiden aus ihrem Fünf-Sterne-Hotel, in dem sie von den örtlichen Behörden untergebracht wurden. Ihr Flug sollte um 14.45 Uhr starten, wurde zunächst um zwei Stunden verschoben und schließlich komplett gestrichen. Rund 180.000 Menschen mussten aus dem Flughafen evakuiert werden. Erst nach mehr als zehn Stunden konnten Altafaj und ihr Sohn das Gebäude verlassen, das ebenfalls durch den Angriff beschädigt wurde.

Alle Flüge in Dubai wurden gecancelt.

Alle Flüge in Dubai wurden gecancelt. / DM

Gemeinsam mit weiteren rund 30 Spaniern, darunter Familien mit Kindern aus verschiedenen Landesteilen, wurden sie per Bus in ein Hotel gebracht. Die Kosten übernimmt nach Angaben der Betroffenen indirekt die Fluggesellschaft Emirates, die sich im Staatsbesitz befindet. Kritik äußerten die Gestrandeten an der Informationslage seitens der spanischen Botschaft. Konkrete Auskünfte habe es kaum gegeben.

In der Nacht erhielten alle Hotelgäste eine Warnmeldung auf ihre Mobiltelefone mit der Empfehlung, Schutz zu suchen und sich von Fenstern fernzuhalten. „Als bei 50 oder 60 Handys gleichzeitig der Alarm losging, fingen einige an zu weinen“, schilderte Altafaj. Trotz der angespannten Situation sei die Stimmung inzwischen verhalten ruhig – doch die Ungewissheit bleibe. Vorerst müssen sie mindestens bis Dienstag in Dubai ausharren.

Alternative Flugrouten in Prüfung

Laut AVIBA haben einige Fluggesellschaften inzwischen alternative Luftkorridore gefunden, um zumindest einen Teil des Verkehrs aufrechtzuerhalten. Die Situation ändere sich jedoch „stündlich“, betont Fiol und ruft zu „maximaler Verantwortung“ aller Beteiligten auf.

Besonders stark betroffen sind Airlines, die über die großen Drehkreuze am Golf – Doha, Dubai oder Abu Dhabi – operieren. Andere Gesellschaften prüfen Umleitungen südlich von Russland über das Schwarze Meer, Georgien, Aserbaidschan und das Kaspische Meer. Auch Routen über Südägypten, das Rote Meer, den Jemen und Oman werden in Betracht gezogen. Allerdings werden diese Optionen fortlaufend an die sicherheitspolitische Lage angepasst.

Priorität habe derzeit die Rückführung jener Reisenden, die in diesen Tagen heimkehren sollten. Die balearischen Reisebüros arbeiteten koordiniert daran, Betroffene zu betreuen und Alternativen zu organisieren. Gleichzeitig wird Geduld angemahnt: Die Hotlines vieler Airlines sind überlastet.

AVIBA fordert zudem die spanische Regierung sowie Konsulate und diplomatische Vertretungen zu „Klarheit, Zugänglichkeit und Transparenz“ auf. Die im Ausland festsitzenden Bürger müssten zeitnah und verlässlich informiert werden – unabhängig davon, ob sie sich direkt im Konfliktgebiet oder in anderen Teilen Asiens und Ozeaniens aufhalten.

Für viele Mallorquiner heißt es derweil weiter warten – in Hotels, an Flughäfen oder mit offenen Tickets in der Hand. Wie lange die Ausnahmesituation andauert, ist derzeit nicht absehbar.

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