Als kämen die Besitzer gleich zurück: Dieses Herrenhaus begeistert Mallorca-Besucher
Els Calderers auf Mallorca entführt Besucher in das Leben mallorquinischer Adeliger vergangener Jahrhunderte. Das historische Landgut begeistert mit Herrenhaus, Weinkeller, Kapelle und detailreich eingerichteten Räumen

Das dreistöckige Hauptgebäude des Landguts Els Calderers – das oberste Stockwerk wird noch heute privat genutzt. / FOTO: NELE BENDGENS
Es sind nur sechs Stufen, aber sie trennen das Hier und Jetzt von einer Zeitreise zurück ins Leben mallorquinischer Adeliger der vergangenen Jahrhunderte. Sobald die Besucher durch das von zwei steinernen Löwen gesäumte Rundbogenportal des dreistöckigen Herrenhauses Els Calderers treten, wähnen sie sich in einer anderen Welt. „Es fühlt sich an, als ob die Besitzer jeden Moment wieder zurückkommen würden“, schwärmt die Berlinerin Irene Zamzow, die mit ihrem Mann hier öfters zu Gast ist, weil sie die Ausstellung und die Anlage so schätzen. Heute haben die beiden drei Mitglieder ihrer Bernauer Braugenossenschaft mit dabei – auch Mario, Sabrina und Jörg zeigen sich begeistert beim Rundgang durch die Säle. Besonders der imposante Weinkeller mit seiner Rundbogendecke gleich neben der Kapelle des Hauses hat es ihnen angetan.

Viel zu bestaunen: das Besucher-Ehepaar Zamzow mit seinen Gästen im Landgut Els Calderers / Nele Bendgens
„Nachdem König Jaume I. Mallorca 1229 eroberte, verteilte er Teile der Insel an die sieben katalanischen Ritter, die ihn unterstützt hatten. Sie erhielten Adelstitel und Ländereien“, erzählt José Marques bei einer Führung durch die Räume. Der 63-jährige Mallorquiner ist ein Freund der Besitzerfamilie und hilft bei der Organisation der Besucherströme auf dem Landgut, das bereits 1285 erstmalig in Urkunden erwähnt wurde. Noch im 13. Jahrhundert erwarb die Adelsfamilie Verí den gesamten Sitz.

Der Weinkeller von Els Calderers - Landgut bei San Juan / Nele Bendgens
Vom Weingut zur Landwirtschaft
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Els Calderers ein Weingut. „Sie bauten hier sehr guten Wein an“, erzählt Marques. „Anfang des 20. Jahrhunderts aber fielen viele Weinstöcke der Reblausplage zum Opfer. Einige Winzer, wie mein Großvater Ferrer, brachten daraufhin neue aus Frankreich und pflanzten sie an.“ Auf Els Calderers entschied man sich hingegen, auf Getreide und Mandelbäume umzusteigen. Davon zeugt auch die große Kornkammer im ersten Stock. Hier sind die heimischen Sorten trigo (Weizen), maíz (Mais), habas (Pferdebohnen), garbanzos (Kichererbsen) und algarrobas (Johannisbrot) in großen Steintrögen neben landwirtschaftlichen Gerätschaften ausgestellt. Von der angrenzenden Terrasse schweift der Blick über die weiten und grünen Ländereien des Guts. Auch ein paar schwarze mallorquinische Schweine sind zu erkennen.

Ausblick über die Ländereien von Els Calderers / Nele Bendgens
Tour durch das Leben der Adeligen vergangener Jahrhunderte
Die Standard-Tour durch das Hauptgebäude beginnt indes in der Eingangshalle im Erdgeschoss, die mit dem grünen Innenhof des Herrenhauses verbunden ist. Bei gutem Wetter lässt auch der sich betreten, um den alten Trinkwasserbrunnen zu bewundern, den bereits Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich-Toskana in seinem Klassiker „Die Balearen“ erwähnte. Weiter geht es durch den großzügigen und lichtdurchströmten Empfangsraum, der in den ersten Salon mit mallorquinischen Möbeln übergeht. Zu sehen sind hier auch braseros, die traditionellen Kohleheizbecken unter den Tischen. „Ansonsten gab es früher keine Heizung, es war kalt. Und gefährlich, denn man konnte sich nachts durch das Kohlendioxid vergiften, wenn man im selben Raum blieb“, erzählt Marques. An einem der längsseitigen Fenster in der gewölbten Halle sitzt die Puppe einer Adligen lesend in einem Seidenkostüm aus dem 19. Jahrhundert. Gemälde mit religiösen und Landschaftsmotiven aus dem 18. Jahrhundert zieren die Wände.

Lesende Puppe im unteren Salon des Landguts Els Calderers / Nele Bendgens
Ein mit Liebe zum Detail eingerichtetes Museum
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging der Besitz an die Familie Juan de Sentmenat Morell über. Eine der Töchter richtete gemeinsam mit einem Innenarchitekten das heutige Museum ein. „Seitdem darf in der Ausstellung nichts mehr verändert werden– eine echte Herausforderung für die Reinigungskraft“, sagt José Marques. Das kann man sich gut vorstellen, denn jeder Raum, den man betritt, ist detailliert nachempfunden. Da ist beispielsweise das imposante Speisezimmer im ersten Stock, in dem minutiös für eine Gesellschaft von 22 Personen gedeckt ist. Das Dessert wartet dabei so lebensecht angerichtet auf dem Nebentisch, dass man am liebsten zugreifen möchte. Auch der Blick in die Küche zeigt lebhaft den damaligen Alltag der Adeligen und vor allem ihrer Dienerschaft.

Blick in die Küche des Landguts Els Calderers / Nele Bendgens
Adlige und Bedienstete lebten unter einem Dach
Etwa 18 bis 20 Bedienstete arbeiteten zuletzt auf dem Gut. „Einige von ihnen lebten gemeinsam mit der Herrenfamilie hier, wie beispielsweise der Vorarbeiter oder die Kinderfrau. Andere kamen täglich vom Dorf zur Arbeit auf den Feldern“, erzählt Marques. Außerhalb des Hauptgebäudes führen weitere Treppen hinab zu der dort gelegenen Schreinerei, der Schmiede, dem Schlachthaus sowie den Tierställen und -gehegen ein. Das Feld daneben mit üppig bewachsenen Zitronen- und Orangenbäumen ist sicher nicht nur heute ein beliebter Selfie-Stopp.

Blick in die ehemalige Schmiede des Landguts Els Calderers / Nele Bendgens
„Man sollte sich genügend Zeit für einen Besuch auf Els Calderers nehmen“, rät Marques. In der Sommersaison kämen viele Reisegruppen, zu 70 Prozent Deutsche, für die das Landgut nur ein Programmpunkt des Tages sei. „Die Leute sind dann immer ganz enttäuscht, dass sie hier so durchhetzen müssen und gar nicht alles anschauen können.“ Stattdessen empfiehlt sich zwischendurch eine Pause in der urigen Bar oder auf den großen Terrassen der Anlage, wo man Kaffee (2,50 Euro) mit mallorquinischem Mandelkuchen (3 Euro) oder Wein (2,50 Euro) und pa amb oli mit Schinken, Käse oder Sobrassada (6 Euro) genießen kann.
Informationen
Landhaus Els Calderers
Camino Els Calderers, Sant Joan
Öffnungszeiten: Mo.–So. 10–17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 10 Euro, Kinder 5 Euro, Familien (2 Erwachsene + 2 Kinder) 25 Euro
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