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Besser nichts anfassen: Diese Fettnäpfchen sollten Urlauber auf Mallorca unbedingt vermeiden

Immer wieder treten Mallorca-Urlauber in Fettnäpfchen und verärgern Einheimische. Oft wissen sie das gar nicht

Eine Urlauberin legt für die MZ ein letztes Steinchen obenauf – besser nicht nachmachen.

Eine Urlauberin legt für die MZ ein letztes Steinchen obenauf – besser nicht nachmachen. / Nele Bendgens

Sophie Mono

Sophie Mono

Dieser Tage bekommt man leicht den Eindruck, als Urlauber auf Mallorca könne man nichts mehr richtig machen. In gleich mehreren öffentlichen Diskussionen schießen Insulaner derzeit vor allem auf auswärtige Besucher und deren vermeintliche Vergehen – dabei dürften sich die Schuldigen meist gar nicht darüber bewusst sein, dass sie etwas Unrechtes tun.

Ausruhen unerwünscht

Da sind zum einen die erschöpften Altstadt-Touristen, die sich bevorzugt auf den neuen Sockeln der Laternenpfähle an Palmas Plaça de l’Almoina niederlassen. Kurz ausruhen beim Palma-Trip – und schon ist der Aufschrei der Anwohner groß, à la „Was fällt den Touris ein, sich da einfach so hinzusetzen?“. Die Lokalmedien berichten, die Einheimischen schäumen vor Wut. Eine (zumindest von außen betrachtet) ziemlich überzogene Reaktion auf das verständliche Bedürfnis der Urlauber nach Verschnaufpausen. Zumal es im Umkreis an öffentlichen Bänken mangelt.

Aber nicht nur in Palmas Zentrum lauert die Gefahr, als Urlauber ins Fettnäpfchen zu treten und unverhofft den Unmut der Insulaner auf sich zu ziehen. In der freien Natur ist dies ähnlich. „Touris, fasst bloß keine Steine mehr an“ ist sinngemäß die Botschaft, die jetzt der mallorquinische Fotograf Biel Perelló im Netz verbreitet – und damit eine alte Diskussion neu entfacht.

Alles fürs Foto?

Schon vor zehn Jahren hatte die Umweltschutzorganisation Terraferida Alarm geschlagen, weil immer mehr Menschen (vor allem von außerhalb) damit begonnen hatten, überall im ländlichen Raum, vor allem auch an den Stränden, kleine und große Steintürme und Steinmännchen aufzustapeln. „Sie machen es für Instagram. Es ist reine Selbstdarstellung“, unterstellt Perelló jetzt den Erbauern. Denn hübsch anzusehen sind sie ja, die instabilen Gebilde. Und obendrein Zeichen einer buddhistischen Tradition, die durch die sozialen Netzwerke weltweit Nachahmer gefunden hat. „Die Menschen vergessen alles, nur um Fotos zu machen“, schimpft Biel Perelló weiter und spricht von „Ignoranz“ der Besucher.

Verallgemeinerung? Böswillige Unterstellung? Vielleicht. Doch auch, wenn die Form der Kritik fragwürdig ist – im Grunde hat der Mann ja (zumindest, was den Kern der Sache angeht) recht: Steinmännchen sind tatsächlich deutlich weniger harmlos, als sie wirken. „Der große Fehler ist, zu glauben, dass ein Stein am Boden keinen Zweck erfüllt“, holt Perelló denn auch zu einer Belehrung aus. „Steine liegen dort nicht zufällig: An der Küste schützen sie vor Erosion und der Kraft des Meeres. In den Bergen stabilisieren sie den Boden und regulieren natürliche Prozesse. Unter jedem Stein leben Reptilien, Insekten, Schnecken oder Spinnen.“ Außerdem dienten sie als Unterlage für Flechten und Moos und schützten den Boden, weil sie verhinderten, dass Regen und Wind die fruchtbare Erde abtragen.

Ver(w)irrte Wanderer

Und dann sind da auch noch die Wanderer, die durch die Steintürmchen in die Irre geleitet werden könnten. Denn sie folgen auf Mallorca bei weniger bekannten Routen seit jeher den sogenannten fites, also Steinmarkierungen zur Orientierung auf Wanderwegen. „Wenn Menschen Steine stapeln, kann das die Route verfälschen. Wer die Berge nicht kennt oder unsicher ist, kann dadurch verwirrt werden“, betont Bernat Fiol, Sprecher der Umweltschutzorganisation Gadma, der sich auch für die Öffnung von Wanderwegen einsetzt. Er unterscheidet bei seinen Ausführungen immerhin zwischen zwei Arten von „Tätern“: „Diejenigen, die glauben, etwas Gutes zu tun, und diejenigen, die eigentlich wissen, dass es falsch ist.“

Dann unterstellen wir jetzt mal, dass Sie, liebe MZ-Leserinnen und Mallorca-Urlauber, noch nichts davon wussten. Denken Sie einfach beim nächsten Mal daran. Und halten besser die Hände still – schon um des lieben Friedens willen.

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