Nehmen Sie doch mal den Zug: Drei Ausflugstipps ohne Auto für Mallorca
Es gibt noch eine Alternative zu Überlandbus und Mietauto: Auch das Schienennetz auf der Insel bringt Sie zu vielen lohnenswerten Zielen

Der Bahnhof in Inca lohnt sich zum Aus- oder zum Umsteigen. / DM
Überfüllte Busse sind auf Mallorca derzeit ein großes Thema. Auch wenn es einige Tipps gibt, um das Mittel Nummer eins des öffentlichen Nahverkehrs halbwegs stressfrei zu nutzen, lohnt es sich, einmal anders die Insel zu erkunden. Das Schienennetz der Bahngesellschaft SFM ist zwar nicht besonders weit verzweigt und bringt Sie auch nicht ans Meer. Aber einige schöne Ausflugsziele lassen sich dadurch erreichen. Hier finden Sie drei Vorschläge, wo Sie einmal aussteigen könnten.
Alaró: Charmantes Dorf und Start für Wanderungen
Grundsätzlich gibt es die Zuglinien T1 nach Inca, T2 nach Sa Pobla und T3 nach Manacor. Bevor sie sich für die Fahrten zu den jeweiligen Endzielen aufgabeln, teilen sich alle drei ein gutes Stück der Strecke – und die darauf liegenden Stationen sind besonders bequem zu erreichen, weil es eng getaktete Verbindungen gibt. In nicht einmal einer halben Stunde kommen Sie schon vom zentralen Bahnhof Estació Intermodal an der Plaça d'Espanya in Palmas Zentrum nach Alaró / Consell.
Eine kleine Besonderheit dieser Zugstation ist allerdings, dass sie ein wenig außerhalb der beiden Orte liegt. Sie müssen also doch noch einmal für knapp zehn Minuten in einen Bus umsteigen – wobei man hier in der Regel immer ein Plätzchen findet. Um die besten Verbindungen mit Zügen und Anschluss-Bussen zu finden, bei denen Sie keine langen Wartezeiten haben, konsultieren Sie direkt den Fahrplan der Linie 342 – hier ist auch die Abfahrts- und für den Rückweg die Ankunftszeit in Palma mit angegeben.
Einmal in Alaró angekommen, empfiehlt sich ein kleiner Bummel durch das auch bei deutschen Auswanderern sehr beliebte Dörfchen. Mit dem Casal Son Tugores, dem nahe gelegenen Palmyra Sculpture Centre und der Galerie von Natalia Bento kommen Kunstliebhaber auf jeden Fall auf ihre Kosten. Guten Kaffee bekommen Sie im Café und Fahrradshop Cycling Planet, zum Essen empfiehlt sich unter anderem das Mons Apart und das etwas in der Peripherie an einem schnuckeligen Platz gelegene El Trastero.

Alaró bei einer "Fira": Sonst geht es meist etwas geruhsamer zu. / Silis Campins
Gut gestärkt können Sie die Wanderschuhe schnüren und 822 Höhenmeter zum Castell d'Alaró hinaufsteigen – eine der beliebtesten Wanderungen auf Mallorca. Alternativ können Sie sich zum Beispiel zum Puig de Sant Miquel aufmachen. Und wenn Sie am Bahnhof direkt loswandern wollen, statt nach Alaró hineinzufahren, empfiehlt sich eine leichte Tour über Binissalem bis nach Lloseta, die an Feldern, Gärten und Hainen entlang führt. Vom Ziel aus können Sie direkt wieder in den Zug steigen und zurück nach Palma fahren.
Inca: Unterschätze Inselmitte und Drehkreuz für den Trip nach Lluc
Die Stadt Inca – ebenfalls mit allen drei Zuglinien zu erreichen, und das von Palma aus in knapp 40 Minuten – wird oft links liegen gelassen. Dabei hat sie einiges zu bieten: eine Fußgängerzone, in der es sich gut bummeln lässt, das Teatre Principal d'Inca, das mit seinem hochkarätigen Programm dem "großen Bruder" in Palma durchaus das Wasser reichen kann, oder auch das Schuh- und Industriemuseum (Museu del Calçat i de la Indústria) in einem Flügel einer ehemaligen Kavalleriekaserne. Für Schuhe und Lederwaren ist Inca seit jeher bekannt.
Jeden Donnerstag findet im Stadtzentrum nahe der Gran Vía Colón der Markt statt, wo typisch mallorquinische Lebensmittel, aber auch Souvenirs, Blumen und natürlich Schuhe angeboten werden. Wer Mallorcas Traditionsküche kosten will, sollte unbedingt einen Celler (ein "Kellerrestaurant" in einem Weinkeller) aufsuchen. Erst kürzlich haben die in der Gastro-Szene bekannten Solivellas-Schwestern hier ihren Celler Tonet im ehemaligen Celler Ca'n Marron eröffnet, wo sie einen anderen Blick auf die Traditionsgerichte bieten wollen, ohne dabei die Wurzeln zu verlieren.
Abgesehen von seinen eigenen Reizen und der Tatsache, dass in Inca viele besondere Veranstaltungen wie die große Herbstmesse Dijous Bo, Konzerte und Sport-Events stattfinden, ist der Ort auch ein guter Ausgangspunkt für weitere Ziele. Allen voran für die Weiterfahrt zum Wallfahrtsort Lluc mitten im Herzen der Tramuntana. Hier müssen Sie aber gut vorausplanen: Vom Bahnhof Inca aus fährt der kleine (aber dennoch meist nicht sehr stark ausgelastete) Mini-Bus 312 derzeit viermal am Tag über Selva und Caimari hinauf zum Kloster. Das dauert rund 40 Minuten.

Ruhe und Frieden, unweit von Inca: der Wallfahrtsort Lluc. / Nele Bendgens
Sind Sie früh unterwegs, können Sie beispielsweise von dort aus eine Wanderung hinunter nach Caimari unternehmen und im Anschluss wieder in den Bus nach Inca steigen. Oder Sie übernachten in der Pilgerherberge, nutzen den folgenden Tag, um bei einer längeren Tour (hier gibt es einige Optionen, zum Beispiel diese) die traumhafte Umgebung zu erkunden und sich dann am frühen Abend auf den Heimweg zu begeben.
Sineu: Geschichtsträchtiger Ort mit einem kleinen, aber feinen Nachbarn
Ein wenig länger fahren müssen Sie bis nach Sineu: Von Palma aus sind es rund 50 Minuten, zudem gilt es darauf zu achten, dass Sie die richtige Verbindung erwischen und nicht aus Versehen in Sa Pobla landen. Belohnt werden Sie mit einem ebenso schönen wie authentischen Ort im Inselinneren, der eine reiche Geschichte hat: Die Fundstätten Serral des Moro de son Tellet und Puig de Reig aus der Talayot-Epoche, Spuren aus der islamischen Zeit wie hydraulische Mühlen am Wildbach von Binicaubell, die Kirche Santa Maria in Sineu, das alte Hospital und das Kloster dels Mínims sind historische Sehenswürdigkeiten, die von der bewegten Vergangenheit zeugen.
Wer durch die Straßen schlendert, spürt noch heute die Bedeutung, die Sineu als eines der wichtigsten Handelszentren der Region Es Pla hatte. König Jaume II wählte diesen Ort einst, um eine seiner wichtigsten königlichen Residenzen zu errichten. Heutige Besucher schätzen hier besonders den Markt, der mit seiner 700-jährigen Geschichte einer der ältesten der Insel ist. Jeden Mittwoch gibt es hier Obst und Gemüse, Wurstwaren, Kunsthandwerk, Werkzeug, Schuhe und Kleidung zu erwerben. Am ersten Maiwochenende findet zudem die Messe Sa Fira de Mayo statt – das Programm rundherum erstreckt sich vom 21. April bis zum 29. Mai und lässt sich auf der Website des Rathauses einsehen.

Immer wieder schön: Markttag in Sineu auf Mallorca. / Nele Bendgens
Ein kulturelles Highlight ist das Bühnenkunstfestival Ciclop, das vom C.I.N.E. (Centre d'Investigació Escènica) Sineu organisiert wird und dieses Jahr im September stattfindet. Wer sich nicht scheut, am Ende doch noch einmal für 5 Minuten in einen Bus zu steigen, kann sich im kleinen Nachbarort Lloret de Vistalegre eine Extraportion Kultur holen: Dort befindet sich die Kulturfinca Son Bauló, die ein abwechslungsreiches Programm aus Konzerten, Lesungen, Autorensalons und vielem mehr in petto hat.
Für den Rückweg nehmen Sie dann entweder den Bus 432 nach Sineu, um dort wieder in den Zug zu steigen, oder Sie fahren einfach in die andere Richtung – mit einem Umstieg in Algaida in den Bus 403 (bei dem man praktisch nichts falsch machen kann) kommen Sie in einer Stunde wieder nach Palma.
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