Immer mehr Schließfächer statt Läden: Was in Palmas Zentrum gerade passiert
Neue Anbieter für Gepäckaufbewahrung breiten sich in zentralen Lagen aus. Der Einzelhandel sieht darin einen wachsenden Konkurrenzdruck und fordert Regeln

Redaktion MZ
Im Zentrum von Palma nimmt die Zahl der Anbieter von Gepäckaufbewahrung zu. Vor allem Urlauber nutzen diese Angebote, um Rucksäcke und Koffer zu deponieren und anschließend durch die Stadt zu bummeln. Die Betriebe siedeln sich bevorzugt in Seitenstraßen stark frequentierter Lagen an. Dort sind die Mieten günstiger, gleichzeitig liegen die Standorte nur wenige Minuten von Orten wie der Plaça Major oder dem Carrer Sant Miquel entfernt.
Allein im zentral gelegenen Freilufteinkaufszentrum Els Geranis gibt es zwei solcher Betriebe, die rund 100 Meter voneinander entfernt liegen. Das Einkaufszentrum befindet sich nur wenige Schritte von der Plaça d'Espanya entfernt. Mercedes Carvajal, Präsidentin des Centre Comercial Els Geranis, sagt, die Kundschaft komme meist nach dem Auschecken aus dem Hotel, um dort ihr Gepäck zu lagern. Während der vier Monate der Hauptsaison herrsche dort viel Betrieb, im Rest des Jahres hingegen nicht.
Kein Nutzen für die Geschäfte
Einen Nutzen für ihr eigenes Geschäft sieht Carvajal nicht. Nach ihren Worten handelt es sich bei den Kunden meist um Rucksacktouristen, die kaum etwas einkaufen. Allenfalls würden sie etwas trinken oder essen oder ein kleines Buch mitnehmen. Für Geschäfte wie ihres, das Kleidung verkauft, bringe das kaum etwas.

Ein Schließfach-Anbieter im Einkaufszentrums Els Geranis. / GUILLEM BOSCH
Weitere Anbieter gibt es unter anderem im Carrer Caputxines zwischen der Plaça d'Espanya und dem Mercat de l’Olivar sowie im Carrer d’en Vilanova, nur wenige Meter vom Carrer Sant Miquel entfernt. Auch in der Nähe der Plaça Major hat sich ein solcher Betrieb angesiedelt und nutzt eine Gasse mit wenig Alltagsbetrieb. Zudem bieten einige Supermärkte im Carrer Sindicat ähnliche Services für Koffer und Rucksäcke an, allerdings nicht rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche.
Das sagt der Einzelhandelsverband
Carolina Domingo, Präsidentin des Einzelhandelsverbands PIMECO, spricht von neuen Geschäftsmodellen, die sich im Wachstum befinden. Diese beruhten auf automatisierten Dienstleistungen, die an die Stelle traditioneller Geschäfte träten. Sie böten einen Service, nähmen aber häufig den Platz von Läden ein, wie es sie früher gegeben habe.
Domingo betont zugleich, dass diese Entwicklung reguliert werden müsse. Wenn es immer mehr solcher Betriebe gebe, dann deshalb, weil die Menschen sie nachfragten. Zugleich müsse aber darüber nachgedacht werden, welche Art von Vierteln und welches Stadtmodell gewollt seien. Aus ihrer Sicht erzeugen diese Betriebe keine direkte Verkaufstätigkeit. PIMECO fordert deshalb eine Reflexion darüber, welches Gleichgewicht zwischen Innovationen und lokalem Handel künftig angestrebt werden soll. "Wir brauchen ein Gleichgewicht.“
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