Deutsches Kennzeichen, aber noch keine Lizenz: Fahren bald diese Elektrokutschen durch Palma?
Der Landshuter Klaus Roider ist dieser Tage auf der Insel, um bei den Kutschern der Balearen-Hauptstadt für seine Gefährte zu werben

Rechts: Klaus Roider vor der Kutsche, die er nach Mallorca gebracht hat. / Privat
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Pferdekutschen in Palma Geschichte sind und stattdessen Elektrokutschen Urlauber chauffieren. Einen genauen Stichtag für die Umstellung gibt es noch nicht, wie die MZ am Freitag (24.4.) auf Nachfrage im Rathaus erfahren hat.
Mallorca-Liebhaber Klaus Roider ist dennoch dieser Tage schon einmal mit einer seiner Elektrokutschen aus Niederbayern nach Mallorca gekommen, um sie den hiesigen Kutschern schmackhaft zu machen. Per LKW und Fähre reiste der 63-Jährige mit drei weiteren Personen mit einem gelben Exemplar an. "Es war ein Riesenact. Als wir am Sonntag die Playa damit entlanggefahren sind, wurden wir so oft fotografiert wie die Kathedrale", sagt Roider. Doch der Fahrspaß dauerte nicht lange an.

Probefahrt durch Palma. / Privat
Ohne Lizenz keine Kutschfahrten
Nach ein paar Stunden stoppte die Polizei die Elektrokutsche mit deutschem Kennzeichen, da sie keine Lizenz hat, um auf der Insel zu verkehren oder gar Urlauber mitzunehmen. Roider vermutet, dass ein anderer Kutscher oder Taxifahrer die Beamten verständigt haben, aus Angst, der Landshuter würde ihnen die Kunden wegnehmen. "Wir waren enttäuscht, dass wir nicht mehr fahren durften, müssen aber keine Strafe zahlen. Wir wollten die Kutsche nur präsentieren", sagt er. Einen weiteren Auftritt hatte die gelbe Kutsche dann aber doch noch.
Nahe der Kathedrale traf sich Roider am Donnerstag (23.4.) mit einigen der hiesigen Kutscher. "Von den 29 Kutschern kamen 23. Alle waren begeistert", schwärmt der 63-Jährige.

In Deutschland zirkulieren Roiders Kutschen schon. / Privat
Das können die Kutschen
Die Kutschen, die Roider seit 2022 baut, kosten circa 90.000 Euro. Man kommt mit ihnen circa 150 Kilometer weit und nach fünf Stunden sind sie wieder vollgeladen. Die Höchstgeschwindigkeit, die erreicht wird, sind 25 km/h. Es seien Nachbauten von Kutschen aus dem 18. Jahrhundert. "Von der Größe her sind sie fast identisch wie die Pferdekutschen", so Roider. Sie haben Abblend- und Bremslichter, eine Rückfahrkamera und einen Tempomat. "Eigentlich sind es komplette Elektroautos", so der Unternehmer, der mal sieben Jahre lang eine Wohnung auf der Insel hatte.

Ein paar technische Daten zu den Kutschen. / Privat
Der Vorteil für die Kutscher: Sie müssen keine Rücksicht auf Tierschutzbelange nehmen, könnten etwa auch während der heißen Sonnenstunden fahren. Zudem könnten sie auch durch die 150 Kilometern Reichweite deutlich länger unterwegs sein als mit Pferdekutschen, so Roider, der in seiner Heimatstadt Besucher mit den Kutschen chauffiert. "Ansonsten lebe ich vom Verkauf der Kutschen", sagt er.
Am Wochenende wollen sich Palmas Kutscher treffen, um zu besprechen, wie es weitergehen sollen. "Einige waren schon am Kauf interessiert", will Roider wissen. Sie hoffen allerdings auf Subventionen von der Stadtverwaltung.

In Sachen Farbe hat Roider längst nicht nur gelbe Kutschen. / Privat
Wo Elektrokutschen bereits implementiert wurden
Palma ist auf Mallorca längst nicht die erste Gemeinde, in der die Pferdekutschen durch Elektrokutschen ersetzt wurden. Wie die Tierschutzpartei Progreso en Verde auf ihrem X-Kanal am Dienstag (17.3.) teilte, wagte 2016 Capdepera den ersten Schritt. Fast zehn Jahre später folgte 2025 Alcúdia und in Muro ist für 2026 der Wandel vorgesehen. Für 2032 ist in Sant Llorenç de Cardassar auch ein Verbot der Pferdekutschen geplant.
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