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Flugcharme statt Flugscham: Warum beim Mallorca-Flug das schlechte Gewissen am Boden bleibt

Das Thema fliegen hatte lange einen schlechten Ruf. Gerade zu Hochzeiten der Klimaproteste in Deutschland stand diese Form des Reisens in keinem guten Licht. Das hat sich geändert

Flugzeuge rollen auf dem Flughafen Frankfurt im letzten Sonnenlicht des Tages über die Rollbahn.

Flugzeuge rollen auf dem Flughafen Frankfurt im letzten Sonnenlicht des Tages über die Rollbahn. / Foto: Boris Roessler/dpa

Für viele Deutsche gehört das Fliegen in der jährlichen Urlaubsplanung einfach dazu. Gerade von Deutschland aus ist besonders Mallorca seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Reiseziele – und der Luftverkehr dorthin entsprechend intensiv. Doch das Thema Fliegen war nicht immer so unbeschwert. Denn im Jahr 2019, auf dem Höhepunkt der Fridays-for-Future-Bewegung, geriet die Reise mit dem Flugzeug zunehmend in die Kritik. Der Begriff „Flugscham“ machte die Runde und stand für ein wachsendes Bewusstsein gegenüber den klimaschädlichen Folgen des Luftverkehrs. Auch bei einigen Mallorca-Urlaubern warf das die Frage auf, ob der Kurzstreckenflug noch zeitgemäß ist. Heute hingegen scheint diese Debatte weitgehend abgeflaut. Die Maschinen sind wieder voll, die Nachfrage hoch – und die Flugscham? Spielt im Reiseverhalten vieler Menschen kaum noch eine Rolle.

Auch Kevin Kirchheim, regelmäßiger Mallorca-Urlauber und Vielflieger, sieht die Debatte rund um das Fliegen in schon längst vergangenen Zeiten. „Man muss einfach sagen, dass das Thema für die meisten Leute einfach keine Relevanz mehr hat. Das sehe ich auch in meinem persönlichen Umfeld“, erklärt der Travel Manager. „Jedem ist bewusst, dass fliegen nicht gut für die Umwelt ist, aber viele denken eben auch, dass sie die Klimakrise nicht durch ihr eigenes Verhalten stoppen können“, sagt Kirchheim. Er selbst mache sich daher keine Sorgen, fliegt viel, egal ob Lang- oder Kurzstrecke. Allein im vergangenen Jahr saß der 33-Jährige 75 Mal im Flugzeug - viermal ging es für ihn dabei nach Mallorca.

Gewöhnungseffekt eingetreten

Auch Yasin Hinz nimmt diesen Trend wahr. „Das Klimabewusstsein bei den Menschen ist schon noch da, jedoch ist nach der Pandemie eine Art Gewöhnungseffekt eingetreten“, erklärt der Sprecher von Fridays-for-Future Deutschland. „Bei so vielen Konflikten und Krisen haben die Leute einfach ein Bedürfnis nach Normalität, zu reisen und einfach mal eine Auszeit zu nehmen“, sagt der 18-Jährige. Yasin Hinz ist bereits seit 7 Jahren bei Fridays for Future aktiv, ging mit 11 Jahren zum ersten Mal für das Klima auf die Straße. Flugscham gebe es laut ihm nicht mehr, vielmehr solle man in dem Zusammenhang von Verantwortung sprechen. Gar nicht mehr zu fliegen, lehnt er jedoch auch ab. „Ich denke, dass individuelle Entscheidungen keine politische Regulierung ersetzen“, sagt er. „Die Leute haben einfach ein Gefühl von Müdigkeit und fragen sich: Wenn von der Regierung keine Initiative ausgeht, warum soll ich dann vor meiner eigenen Haustür kehren?“.

Eine Meinung, die auch Kevin Kirchheim vertritt. „Wenn ich sehe, wie in China, Indien oder anderen Ländern mit dem Klimaschutz umgegangen wird, sage ich: Fangt doch erstmal da an. Wir in Deutschland allein werden die Welt nicht retten können“, sagt der Flugliebhaber. Auch steigende Ticketpreise im Zuge des Nahostkonflikt werden am Buchungsverhalten der Leute nicht ändern, da ist sich Kirchheim sicher. „Die Fluggastzahlen werden auch bei steigenden Preisen nicht sinken. Meiner Erfahrung nach machen die Deutschen keine Kompromisse, wenn es um Urlaub und Freizeit geht. Man sieht ja auch jetzt, wie voll die Flughäfen sind“.

Was hat die Klimabewegung gebracht?

Hat die Klimabewegung 2019 dann überhaupt etwas gebracht? Ja, meint Yasin Hinz. „Wir haben viel Aufklärungsarbeit geleistet. Menschen wissen heute viel besser als noch vor sieben Jahren, dass das Fliegen klimaschädlich ist und sind sich der Auswirkungen ihrer Handlungen im Bezug auf das Klima mehr bewusst“, argumentiert er. Das sei eine der Haupterrungenschaften der Bewegung.

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