Verbotsschilder und Stacheldraht: Protest gegen geführte Urlaubergruppen an Mallorcas Naturstrand Es Carbó
Mit Plakaten und einer Absperrung machen Anwohner ihrem Ärger über organisierte Wandergruppen Luft. Der Protest richtet sich gegen die zunehmende touristische Nutzung eines der bekanntesten Naturstrände Mallorcas

Protest gegen die geführten Touren am Naturstrand Es Carbó. / DM
In Colònia de Sant Jordi sind am Wochenende Protestplakate gegen organisierte Ausflüge zum unberührten Strand Es Carbó aufgetaucht. Auf den Schildern war unter anderem zu lesen: „Es Carbó serà sempre nostre. No Tours a ses nostres platges“ – „Es Carbó wird immer uns gehören. Keine Touren an unsere Strände“. Dazu war eine gezeichnete Strandlandschaft mit einem Verbotsschild zu sehen.
Die Aktion richtet sich gegen die zunehmende touristische Nutzung der als besonders paradiesisch geltenden Naturstrände in der Gegend. Neben den Plakaten wurde auch ein Stacheldraht an einem Abschnitt des Weges angebracht, der den Zugang zur Playa es Carbó blockierte.
Es Carbó liegt zwischen Colònia de Sant Jordi und dem Cap de ses Salines. Der geschützte Küstenabschnitt ist fast anderthalb Kilometer lang, bekannt für weißen Sand und kristallklares Wasser. Von dort aus ist der Nationalpark Cabrera zu sehen.
Urlaubergruppen von bis zu 25 Personen
Hintergrund des Protests sind organisierte Wandergruppen, die seit Beginn des Frühlings entlang der Küste zum Es Carbó geführt werden. Nach Angaben von Beobachtern handelt es sich um Gruppen von etwa 25 Personen, häufig ältere Urlauber, die mit Rucksäcken, Hüten und Trekkingstöcken unterwegs sind. Die Besucher folgen einem mallorquinischen Führer auf dem Küstenpfad zwischen Felsen und Sandflächen. Die Gruppen werden offenbar so koordiniert, dass sie einander auf der Strecke möglichst nicht begegnen.

Zahlreiche geführte Urlaubergruppen wie diese wurden zuletzt am Naturstrand Es Carbó gesehen. / Amanda Rotger
Der Unmut in Colònia de Sant Jordi und in Ses Salines richtet sich gegen eine Entwicklung, die viele Anwohner als zunehmende Überfüllung der Naturstrände empfinden. „Selbst die Einheimischen haben kaum noch etwas von ihren eigenen Stränden“, heißt es aus Anwohnerkreisen.
Die Routen enden in der Regel wieder in Colònia de Sant Jordi. Dort werden die Ausflügler anschließend in ein Restaurant geführt, um sich nach der Wanderung zu stärken. Die Protestaktion macht deutlich, dass die Debatte über Massentourismus auf Mallorca längst nicht mehr nur die Hochsaison betrifft, sondern auch die bislang ruhigeren Monate im Frühjahr.
Abonnieren, um zu lesen
- Habe meine geheimen Wege, auf denen ich keinen Urlaubern begegne': Mallorca-Schauspielerin Christine Neubauer ganz privat im MZ-Interview
- Mallorca robbt in Richtung 30 Grad: So wird das Wetter in den kommenden Tagen
- Waghalsige Manöver auf der Autobahn kosten 19-jährigen Motorradfahrer auf Mallorca das Leben
- Abstieg in die zweite Liga so gut wie besiegelt: Wie Real Mallorca das Wunder rechnerisch noch schaffen könnte
- Man wird zu Abfall der Gesellschaft': Wie es den letzten Besetzern im alten Gefängnis auf Mallorca geht
- „Sie nennen uns die Plage“: Warum es selbst manchen Radfahrern inzwischen auf Mallorca zu viel wird
- Lieferdienste von Supermärkten: So sparen Sie sich auf Mallorca den Gang ins Geschäft
- Verkehrschaos rund um Sóller: Gemeinde sieht sich mit dem Problem alleingelassen