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K-Beauty statt blaue Flasche: Nivea testet auf Mallorca den Korea-Faktor

Mit einem ungewohnten Design kommen neue Sticks daher, die es jetzt auf Mallorca zu kaufen gibt

Deutlich sichtbar in der Auslage: die koreanischen Sticks in einer Drogerie auf Mallorca.  | FOTO: MIRKO PERKOVIC

Deutlich sichtbar in der Auslage: die koreanischen Sticks in einer Drogerie auf Mallorca. | FOTO: MIRKO PERKOVIC

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Mirko Perković

Mirko Perković

Wer in den Supermärkten und Drogerien auf Mallorca nach Sonnenschutz sucht, stößt in diesem Frühjahr auf ein Novum: Die Marke Nivea hat Produkte ins Sortiment aufgenommen wie den „Stick UV Tacto Sedoso“ mit einer unübersehbaren südkoreanischen Flagge und dem Aufdruck „Nuevo – Hecho en Corea“: Neu, hergestellt in Südkorea. Spanien, Südkorea – wo ist da der Bezug? Es ist neu, dass ein deutsches Unternehmen die Herkunft eines Massenprodukts aus Fernost derart offensiv als Verkaufsargument nutzt.

Strategischer Zukauf

Sonnenschutz! Mallorca-Urlauber, aber auch hier lebende Residenten kommen nicht drum herum. Allerdings gab es einige bekannte Nachteile bei den Produkten, die es bisher auf dem Markt gibt. Herkömmliche Cremes hinterlassen häufig einen weißen Film auf der Haut, kleben und binden Sandpartikel. Die koreanischen Sticks setzen laut dem Hersteller auf eine andere chemische Zusammensetzung. Die Texturen sind transparent und ziehen schneller ein, was das typische „Sand im Gesicht“-Gefühl reduzieren soll. Für die Nutzer bedeutet das in der Praxis: Der Schutz bleibt unsichtbar, was besonders bei sportlichen Aktivitäten oder unter Make-up pranktisch ist.

Know-how aus Korea

Hinter dem „Korea-Stempel“ steckt ein langjähriges Kalkül des Hamburger Konzerns. Bereits 2018 eröffnete Nivea in Seoul den „NX Accelerator“, ein Innovationszentrum, um gezielt mit koreanischen Start-ups zusammenzuarbeiten und Trends wie „K-Beauty“ direkt an der Quelle abzugreifen. Die nun in Spanien und anderen europäischen Märkten eingeführten Produkte sind das Ergebnis dieser Strategie: Statt Texturen in Deutschland zu entwickeln, wird das Know-how für sogenannte „atmungsaktive“ Formeln direkt aus Korea importiert und dort auch produziert. Die Firma Beiersdorf nutzt die Flagge somit als ein vermeintliches Gütesiegel für Innovation, das in der Gunst der Konsumenten derzeit offenbar höher steht als das lange bemühte „Made in Germany“.

Die offensive Entscheidung für die koreanische Produktion bringt aber auch Nachteile mit sich. Ende 2020 erschütterte ein massiver Skandal die koreanische Kosmetikindustrie, als unabhängige Tests aufdeckten, dass mehrere populäre Sonnenschutzmittel den versprochenen Lichtschutzfaktor (LSF) 50 bei Weitem nicht erreichten. Dies führte zu einem massiven Vertrauensverlust und strengeren Kontrollen durch die koreanische Aufsichtsbehörde.

Fachleute weisen darauf hin, dass europäische Zulassungsverfahren für UV-Filter oft strenger sind als in Asien. Dass Nivea nun Produkte aus dieser Region unter eigenem Namen in Europa vertreibt, kann als Vertrauensvorschuss des Konzerns in die dortigen Produktionspartner gesehen werden – und ist ein Test für die Wachsamkeit der hiesigen Verbraucherschützer.

Ökologie und Markttest

Und die ökologische Bilanz? Dass ein Sonnenschutz-Stick für den europäischen Markt erst den halben Globus umrunden muss, steht im Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen, die sich viele Großkonzerne heute auf die Fahnen schreiben.

Die aktuelle Platzierung in Spanien gilt als Testlauf. „Nivea prüft, wie die Akzeptanz für diese ‚globalisierten‘ Produkte ist, bevor entschieden wird, ob sie dauerhaft in das Standardsortiment aufgenommen oder nur als saisonale Trend-Produkte geführt werden“, sagt Stefan Frings, Managing Director von Rossmann España.

Für die Residenten und Urlauber auf Mallorca bedeutet dies: Sie haben Zugriff auf modernste Texturen, die bisher oft nur über teure Import-Shops erhältlich waren. Gleichzeitig kaufen sie ein Produkt, das die klassische deutsche Markenidentität gegen globale Trend-Effizienz eingetauscht hat. Ob der „Korea-Sonnenschutz“ den Sommer überdauert, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob die Kunden der Flagge auf der Packung mehr vertrauen als der bewährten blauen Flasche.

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